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Materialwissenschaft ist wichtig für fast alle technologischen Entwicklungen

Interview mit Dr. Kai Dolgner

Mehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zum Fach Materialwissenschaft gibt Studienfachberater Dr. Kai Dolgner im Gespräch mit Martin Geist.

Welche Inhalte stehen genau hinter der Materialwissenschaft?

Es hört sich simpel an, aber Materialwissenschaft ist erst ein­mal tatsächlich die Wissenschaft über das Material. Wir ver­treten eine junge Disziplin, die es erst seit Anfang der 90er Jahre in Kiel gibt. Flüssigkeiten und Gase spielen in der Mate­rialwissenschaft eine untergeordnete Rolle, stattdessen dreht sich alles um Festkörper. Das aber mit Vehemenz: Fast alle technologischen Entwicklungen hängen heutzutage am Material. Wie eine Solarzelle funktioniert, weiß man beispielsweise in der Theorie schon seit Einstein. Aber Materialien zu schaffen, die Sonnenenergie effektiv nutzen und günstig zu produzieren sind, ist immer noch eine Herausforderung. Insofern ist unsere Wis­senschaft sehr dicht dran an den Schlüsseltechnologien. Inhalt­lich treffen sich dabei in der Materialwissenschaft Chemie, Phy­sik und Teile der Elektrotechnik.

Welche Berufe stehen Materialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern offen?

Gute Materialwissenschaftler kennen keine Arbeitsplatzsorgen. 70 bis 80 Prozent der Frauen und Männer, die bei uns den Abschluss gemacht haben, gehen in die Privatwirtschaft und widmen sich dort sehr unterschiedlichen Aufgaben. Halbleitertechnik, Solarzellenentwicklung und überhaupt Produktent­wicklung in einer Vielzahl von industriellen Bereichen sind typische Tätigkeitsfelder. Jobs gibt es aber auch in der Forschung. Da spielen nicht nur die Hochschulen eine Rolle, sondern mindestens ebenso diverse Institute, die oft internationalen Zuschnitt haben.

Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfänger in der Materialwissenschaft aufsitzen?

Das größte Problem ist wohl, dass es oft an Information fehlt. Immer wieder glauben Interessenten tatsächlich, dass Materialwissenschaft eine Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften sei. Andere meinen, dieses Fach habe noch viel mit Stahl verbiegen zu tun, wie die klassische Werkstoffkunde. In Beratungsgesprächen muss man deshalb manchmal sehr weit ausholen, um zu erklären, worum es wirklich geht.

Wie sind Sie selber zur Materialwissenschaft gekommen?

Nach dem Abitur schwankte ich zwischen Journalismus, Geschichte und Chemie. Aus verschiedenen Gründen ist es dann die Chemie geworden. Meinen Abschluss machte ich in Kiel, und danach landete ich mit meiner Promotion durch puren Zufall im Institut für Materialwissenschaft. Das passte und passt immer noch, denn wie bereits in der Chemie kann ich auch hier das tun, was mir am meisten liegt: die Dinge von der analytischen Seite her betrachten.

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