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Mathematik: Von der ungläubigen Verwunderung bis zur befriedigenden Aufklärung

Interview mit Professor Hartmut Laue

Mehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zur Mathematik gibt Studienfachberater Professor Hartmut Laue im Gespräch mit Martin Geist.

Welche Inhalte stehen genau hinter dem Fach Mathematik?

Aus Gebieten der sogenannten Reinen Mathematik, nämlich Algebra, Analysis und Geometrie, wird das Fundament jedes klassischen Mathematikstudiums aufgebaut.

Wen je im Umgang mit Zahlen oder mit geometrischen Formen angesichts gewisser Phänomene oder Regelmäßigkeiten un­gläubige Verwunderung erfasst hat, der hat eine der Haupttrieb­federn zur Reinen Mathematik erlebt. Jeder Laie dürfte auch der Frage begegnet sein, wie wahrscheinlich das Auftreten eines Hauptgewinns im Lotto oder anderer Vorkommnisse sei. Diese Frage führt in die Stochastik, die zum zweiten großen Bereich, nämlich der Angewandten Mathematik gehört. Wahrschein­lich­keitstheorie, Statistik, Numerik und Optimierungstheorie gelten als ihre Hauptgebiete. Das Repertoire eines professionellen Mathematikers umfasst stets Inhalte und Methoden sowohl der Reinen wie der Angewandten Mathematik. Es steht jedoch je nach Neigung jedem Studierenden frei, welcher dieser beiden großen Richtungen er sich schwerpunktmäßig zuwenden will. Darüber hinaus gehören die Grundlagen der Logik, der Geschichte der Mathematik und für Lehramtsstudenten die Didaktik der Mathematik zum Spektrum des Studiums. Außerdem gibt es in Kiel einen eigenen Master-Studiengang der Finanzmathematik.

Welche Berufe stehen Nachwuchskräften in Mathematik offen?

Die Berufschancen für gut ausgebildete Mathematiker sind in aller Regel ausgezeichnet. Diplom-Mathe­matiker erfreuten sich – natürlich nicht beziehungslos zum Stand der wirtschaftlichen Entwicklung – immer großer Nachfrage aus Industriebetrieben, aus dem Bereich der Banken und dem der Versicherun­gen. Zum einen ist im Beruf Grundwissen aus den zentralen Gebieten gefragt, ganz besonders aber die im Studium mathematischer Theorien geschliffene Fähigkeit zur Abstraktion und zur Verknüpfung von bewährter Methodik mit originellen eigenen Lösungsgedanken für die jeweiligen Probleme.

Mehr als früher obliegt es nach dem Wechsel zum Bachelor-Master-System in unserem Fach nun der Initiative der Studierenden, diese Qualitäten zu entwickeln. Gelingt das, so werden die Berufschancen für Mathematiker aller Wahrscheinlichkeit nach hervorragend bleiben. Im Bereich der Schule ist die Nachfrage nach Mathematikern ohnehin ein Dauerbrenner.

Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfängerinnen und -anfänger in Mathematik aufsitzen?

Mathematik zu studieren hat nichts damit zu tun, komplizierte Formeln auswendig zu können oder sich Verfahren zur konkreten Berechnung von Zahlenwerten einzuprägen. Es geht vordringlich um das korrekte Erschließen von Aussagen in kreativer Eigentätigkeit. Mathematik ist kein Fach, in das man sich durch längerfristiges Zuhören allmählich hineintastet, sondern es ist vom ersten Tag an das selbstständige Umgehen mit dem Gehörten bei zunächst winzigen Fragestellungen gefordert. Viele Anfänger erwarten nicht, dass sie allein und persönlich aktiv werden müssen, bevor sie sich ihrer eigenen Probleme mit den Gegenständen und Schluss­weisen bewusst werden und dass es erst im Anschluss daran sinnvoll ist, mit anderen darüber zu diskutieren. Wer sich auf dieses Fach einlässt, muss den unbedingten Wunsch spüren, mathematischen Phänomenen auf den Grund zu gehen und bereit sein, dafür Konzentration und Zeit aufzubringen.

Wie sind Sie selber zur Mathematik gekommen?

Meine musikalischen Ausbilder und ich selbst wurden um die Zeit meines Abiturs von meinem plötz­lichen Entschluss überrascht, statt Violine Mathematik zu studieren. Meine dritte Option – alte Spra­chen – hatte man mir zuvor bereits mit, wie ich heute weiß, unqualifizierten Argumenten ausgeredet. Ich wollte aber etwas studieren, das schriftlich festhaltbar ist, das in diesem Sinne Bestand hat. Den Aus­schlag gab, dass mir mein Mathematik studierender Bruder etwas von der diesem Fach innewohnenden Ästhetik und darauf bezogener Sensibilität erzählte. Das hatte mir noch niemand mitgeteilt. Er hatte aber vollständig recht.

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