Steckbrief Studienfächer | zur Druckfassung
Politikwissenschaft bedeutet Vielfalt an Fragestellungen und Methoden
Interview mit Professor Joachim KrauseMehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zum Fach Politikwissenschaft gibt Professor Joachim Krause im Gespräch mit Martin Geist.
Joachim Krause (58) ist Direktor des Instituts für Sozialwissenschaften und Experte für internationale Politik. Foto pur.pur
Politikwissenschaft beschäftigt sich mit Innenpolitik, internationaler Politik, mit Europapolitik und mit politischer Theorie und Ideengeschichte. Im Einzelnen befassen sich Politikwissenschaftler mit sehr unterschiedlichen Fragen. Das kann Fragen der Verfassungsgestaltung ebenso umfassen wie Wahlforschung oder die Erforschung der Außenpolitik der USA oder Russlands. Manche befassen sich mit politischer Philosophie, während andere danach fragen, unter welchen Bedingungen Staaten zur Kooperation neigen. Die Vielfalt der Themen spiegelt sich in der Vielfalt der Methoden wider, die bis hin zu mathematischen Ansätzen reichen. Unterschiede gibt es auch in der Frage der Werturteilsfreiheit: Während viele Politikwissenschaftler sich darauf beschränken, politisches Verhalten und Geschehen zu beschreiben, und keine Bewertungen abgeben, sehen andere genau in der Auseinandersetzung mit normativen Fragen den Kern der Politikwissenschaft: Was zum Beispiel ist richtiges Regieren? Was kann man tun, um den Frieden zu sichern? Welche Verfassung ist die beste?
Welche Berufe bieten am Ende eines Politikwissenschaftsstudiums Perspektiven?
Es gibt keine klassischen Laufbahnen wie etwa bei den Juristen oder Betriebswirten. Aber die meisten Absolventen kommen nach relativ kurzer Zeit unter. Politikwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen finden sich heute in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens. Das Hauptfeld ist die Politik, wo Politologen als Mitarbeiter von Abgeordneten und Fraktionen oder als Wissenschaftliche Mitarbeiter von Bundestag, Bundesrat und Landtagen tätig sind. Viele arbeiten in den Parteizentralen, in Verbänden und Gewerkschaften, und viele von ihnen haben auf der Parteischiene den Einzug in Parlamente oder auch Regierungsämter geschafft. Immer wieder machen Politologen auch im Journalismus ihren Weg. Die Ministerialverwaltungen des Bundes oder der Länder bieten außerdem ebenso Arbeitsplätze wie Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und zahlreiche Behörden. Und dann gibt es noch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die NATO oder die Europäische Union. Auch in der Wirtschaft findet man oft Politologen, zumeist im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyismus oder Strategieplanung. Und natürlich gibt es auch Forschungsinstitute und Universitäten, die Politikwissenschaftler brauchen. Es gibt deutlich weniger arbeitslose Politikwissenschaftler als Volkswirte.
Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfängerinnen und -anfänger in der Politikwissenschaft aufsitzen?
Eigentlich nein, die meisten Studierenden werden in der Anfangsphase gut über ihr Studium und die Berufsperspektiven informiert.
Wie sind Sie selber zur Politikwissenschaft gekommen?
Ich habe mich immer für Politik interessiert und allen Warnungen zum Trotz das Studium der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg aufgenommen. Diesen Beschluss habe ich nie bereut.
Mehr über das Studium der Politikwissenschaft unter:
- Studieninformationsblätter Politikwissenschaft
- Institut für Sozialwissenschaften: Politikwissenschaft
Zuständig für die Pflege dieser Seite:
Pressestelle der Universität,
presse@uv.uni-kiel.de
