CAU - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Sportwissenschaft ist anwendungsorientiert und hat viele Perspektiven

Interview mit Professor Wolf-Dietrich Miethling

Mehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zur Sportwissenschaft gibt Professor Wolf-Dietrich Miethling im Gespräch mit Martin Geist.

Welche Inhalte stehen genau hinter dem Fach Sportwissenschaft?

Verschiedene: Zum einen geht es um die Vielfalt von Bewe­gungs­erfahrungen in bestimmten Kontexten, etwa um Gymnas­tik und Tanz, Schwimmen, Leichtathletik, Turnen, Fuß-, Hand-, Volley- und Basketball, Rückschlag­spiele, Wintersport, Wasser­sport oder auch Kampfsport. Zum anderen geht es um das Er­kennen, Erklären und Verstehen dessen, was sich beim Sport­treiben ereignet. Dazu gehören etwa physiologische, motorische und biomechanische Vorgänge, psychosoziale Prozesse wie auch Fragen der Erziehung durch Sport oder der gesell­schaft­lichen Bedeutungen zum Beispiel des Profi-Sports, des nicht­kommerziellen Vereinssports, des Fitness- und Gesundheits­sports oder des Szene- und Trendsports. Sportwissenschaft ist also anwendungsorientiert, multi­disziplinär und mehrperspek­ti­visch angelegt und ausgerichtet.

Welche Berufe stehen Absolventinnen und Absolventen der Sportwissenschaft offen?

Vor allem der Beruf des Sportlehrers beziehungsweise der Sportlehrerin an Gymnasien. Wer also in Kiel Sportwissenschaft studiert, muss noch ein zweites Fach absolvieren, um später an eine Schule zu ge­langen. Neben dem Sportlehrerstudium bieten wir allerdings noch einen Studiengang mit dem Schwer­punkt ‚Gesundheit und Sportentwicklung' an. Dabei berücksich­tigen wir, dass sich die Sportlandschaft ständig und dynamisch entwickelt. Denken Sie an die Fitnesswelle, den Sport im Rahmen von Touris­mus, den Therapie-, Präventions- und Reha-Sport, das Sportmanagement, den Sport in den Medien oder die Sportartikelindustrie. Es ist ein Wachstumsmarkt, in dem ein steigender Bedarf an Experten besteht. Deshalb fokus­sieren wir auf die Kompetenz zur Sportentwicklung. Aufgrund der demografi­schen Entwicklung halten wir dabei den Gesundheitssport für ein stabiles Berufsfeld.

Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfänger in der Sportwissenschaft aufsitzen?

Gibt es. Das größte betrifft den Unterschied zwischen Sporttreiben und Sport erkennen und verstehen können. Manche Studienanfänger erwarten lediglich, dass sie sich als Sportler verbessern können. Sie fassen das Studium als ein abwechslungsreiches, mehrjähriges Trainingslager auf. Sie übersehen dabei, dass eine umfassende sportliche Schulung zwar notwendig, aber keineswegs hinreichend für ein akademisches Studium ist. Deshalb müssen sie einen Perspektivwechsel vollziehen: Vom Sportler zum Studenten der Sportwissenschaft. Wenn sie diesen Perspektivwechsel vorgenommen haben, wächst auch das Interesse an den Themen etwa der Sportpädagogik, der Sportsoziologie und -psychologie, der Sportmedizin oder der Bewegungs- und Trainingswissenschaft.

Wie sind Sie selber zur Sportwissenschaft gekommen?

Unabsichtlich, aber nicht ganz zufällig. Während meiner Abiturzeit trainierte ich in einem Fußball-Zweitliga-Kader, das war zu jener Zeit die Regionalliga. Mit Beginn meines Studiums der Psychologie und Philosophie habe ich meine Ambitionen als Fußballer aufgegeben und dann aus purer Lust nebenbei noch "Leibeserziehung" - wie es damals hieß - studiert. Beruflich war ich zunächst als Psychologe und Psychotherapeut tätig. Doch drängte es mich noch, das Sportlehrerstudium abzuschließen. Direkt im Anschluss an die letzte Prüfung bot mir einer der Sport-Professoren eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an. So wurde ich, was ich heute gerne bin: Sportwissenschaftler.

Für das Fach ist ein körperlicher Eignungstest nötig.

Mehr darüber und über das Studium der Sportwissenschaft unter:




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