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Wirtschaftschemiker sind Mittler zwischen den Welten

Interview mit Professor Ulrich Lüning

Mehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zur Wirtschaftschemie gibt Professor Ulrich Lüning im Gespräch mit Martin Geist.

Welche Inhalte stehen genau hinter der Wirtschaftschemie?

Die Wirtschaftschemie ist eine recht junge Disziplin, die seit etwa zehn Jahren in Kiel gelehrt und überhaupt nur an fünf Hochschulen im deutschsprachigen Raum ange­boten wird. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich dabei um eine Kombi­nation aus Chemie und Wirtschafts­wissenschaften. Dabei wid­men wir uns theoretisch wie praktisch der Anorganischen, Orga­nischen und Physika­lischen Chemie. Hinzu kommen die Wirt­schaftswissenschaften, die am gesamten Paket einen Anteil von etwa 40 Prozent einnehmen und stark an der Betriebswirt­schafts­lehre orientiert sind. Weil in beiden Bereichen sehr breite Grundlagen vermittelt werden, dauert ein Bachelor­studiengang bei den Wirtschaftschemikern sieben statt der sonst üblichen sechs Semester.

Welche Berufe stehen Nachwuchskräften in Wirtschaftschemie offen?

Die können alles mögliche machen. Besonders geeignet sind natürlich alle Tätigkeitsgebiete, in denen chemisches Wissen in der wirtschaftlichen Welt angewandt wird. Das kann im Marketing genauso sein wie im Einkauf, wo es ja nicht zuletzt darum geht, Qualität und Preis kompetent bewerten zu können. Im Labor trifft man Wirtschaftschemiker dagegen für gewöhnlich kaum an. Generell sind unsere Absol­ventinnen und Absolventen äußerst begehrt, gerade auch bei kleineren und mittleren Unternehmen, die sich kein ausgeprägtes Spezialistentum leisten können und deshalb oft besonderen Bedarf an breit ausgebildeten Kräften haben.

Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfängerinnen und -anfänger in Wirtschaftschemie aufsitzen?

Eigentlich kaum. Wer sich für dieses Studium entscheidet, informiert sich normalerweise recht umfangreich. Nicht unterschätzt werden sollte allerdings, dass es sich um ein sehr anspruchs­volles Studium handelt. Die Art und Weise zu denken und sich auszudrücken, ist in der Chemie und den Wirtschaftswissenschaften sehr unterschiedlich. Wer damit klarkommt, ist anderer­seits ein sehr gefragter Mittler zwischen diesen beiden Welten.

Wie sind Sie selber zur Wirtschaftschemie gekommen?

Ich persönlich bin ja Chemiker, während für den wirtschaftswissenschaftlichen Teil mein Kollege Professor Achim Walter zuständig ist. Die Chemie jedenfalls machte mir schon in der Schule am meisten Spaß. Chemie ist die Lehre von den Stoffen und damit im Grunde von allem, was sich um uns herum und auch in uns selber findet. Damit leistet sie einen echten Beitrag, die Welt zu verstehen.

Mehr über das Studium der Wirtschaftschemie unter




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