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Zahnmedizin ist eine faszinierende Kombination aus intellektueller und manueller Herausforderung
Interview mit Professor Hans-Jürgen WenzMehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zur Zahnmedizin gibt Professor Hans-Jürgen Wenz im Gespräch mit Martin Geist.
Hans-Jürgen Wenz, Jahrgang 1962, befasst sich unter anderem mit Ausbildungsforschung und Didaktik, mit Biomaterialien sowie mit Früherkennung von Mundkrebs und Alterszahnmedizin. Außerdem widmet er nach wie vor einen Teil seiner Arbeitszeit der Behandlung von Patienten. Privatfoto
Wichtig ist zunächst einmal, dass Zahnmedizin nach wie vor ein Studiengang ist, der mit dem Staatsexamen abschließt und aus einem vorklinischen und einem klinischen Abschnitt besteht. Bereits nach dem zweiten Semester kommt mit dem Vorphysikum die erste staatliche Prüfung, gefolgt vom Physikum im fünften Semester und dem Staatsexamen nach dem zehnten. In den ersten Semestern nehmen Fächer wie Chemie, Physik oder Biologie eine wichtige Rolle ein. Die angehenden Zahnmediziner sitzen dabei gemeinsam mit den Studierenden der allgemeinen Medizin in den entsprechenden Lehrveranstaltungen. Darüber hinaus proben die Zahnmediziner aber auch schon in diesem frühen Stadium in Simulationsübungen die Praxis. Statt echter Patienten sitzen ihnen dabei allerdings Kunststoff-Dummies gegenüber. Zudem sammeln Sie auch schon erste Erfahrungen mit Patienten durch Besuche in Seniorenresidenzen und Praktika in klinischen Kursen.
Nach dem Physikum folgen weitere medizinische Grundlagen wie Mikrobiologie oder Histopathologie, also die Diagnostik von Gewebe. Schließlich dürfen die Studierenden ab dem siebten Semester – natürlich unter Aufsicht – erstmals echte Patienten selbst behandeln. Das steigert sich dann immer mehr, und gleichzeitig werden Einblicke in weitere neue Teilgebiete wie Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie oder Kieferorthopädie vermittelt. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Zahnmedizin immer mehr Inhalte der Allgemeinmedizin aufnimmt. Es hat sich einfach gezeigt, dass die Mundhöhle in gewisser Weise ein Spiegel des Körpers ist.
Welche Berufe stehen Nachwuchskräften in der Zahnmedizin offen?
In aller Regel arbeiten Zahnärzte nach dem Staatsexamen mindestens zwei Jahre im Angestelltenverhältnis als sogenannte Vorbereitungsassistenten in einer Praxis. Erst danach dürfen sie gesetzlich Versicherte in einer eigenen Praxis behandeln. Manche erwerben nach dem Examen auch zusätzliche Qualifizierungen in oraler Chirurgie, Kieferorthopädie oder anderen Spezialbereichen. Die berufliche Wirklichkeit für Zahnärzte hat sich allgemein stark verändert. Früher war der klassische Zahnarzt männlich und hat 40 Stunden pro Woche allein in seiner Praxis als "Chef" sein Team von Helferinnen geführt. Heute ist die Mehrheit der Erstsemester weiblich, und es wird zunehmend in Gemeinschaftspraxen gearbeitet. Zwar sind weiterhin die meisten Zahnärzte selbstständig, doch wegen der seit mehr als 20 Jahren stagnierenden Honorarsätze ist das wirtschaftliche Risiko stark gewachsen. Man kann als Zahnarzt auch in die Insolvenz gehen müssen. Kredite von der Bank und ein ordentliches Einkommen sind oft nur mit einem guten Konzept für einen guten Standort zu bekommen.
Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfängerinnen und -anfänger in Zahnmedizin aufsitzen?
Abgesehen davon, dass das Studium sehr anstrengend und später der Beruf auch körperlich sehr fordernd ist, unterschätzen manche Anfänger die Mischung aus intellektuellen und manuellen Anforderungen. Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Zahnarzt, der nicht mit den Händen arbeiten kann, hat ein Problem.
Wie sind Sie selber zur Zahnmedizin gekommen?
Familiär bin ich überhaupt nicht vorbelastet. Ich wollte einfach einen Beruf lernen, der mich intellektuell ebenso wie manuell fordert und der mich mit Menschen zusammenbringt. Für mich ist das nach wie vor eine faszinierende Kombination.
Mehr über das Studium unter
- Studieninformationsblätter Zahnmedizin
- Fachschaft Zahnmedizin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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