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UNIVERSITÄTSKLINIKUM SCHLESWIG HOLSTEIN
CAMPUS KIEL
KLINIK FÜR AUGENHEILKUNDE

Direktor: Univ.-Prof. Dr. J. Roider
Zertifikat






  Selektive Retinatherapie (SRT)

In Kiel wird die Selektive Retinatherapie (SRT) durchgeführt. Zu den behandelten Krankheitsbildern zählen die diabetische Retinopathie (DRP), die retinale Venenastthrombose (Venenverschluß des Auges), eine spezielle Form der altersabhängigen Makuladegeneration (okkulte chorioidale Neovaskularisationen) und die Retinopathia centralis serosa (RCS). Alle diese Netzhauterkrankungen haben gemeinsam, dass das retinale Pigmentepithel (RPE) einen wichtigen Anteil an der Pathogenese bzw. den Folgeproblemen des Krankheitsprozesses hat. Das RPE befindet sich im Auge direkt unterhalb der Netzhaut und bildet zusammen mit der Aderhaut und der Netzhaut eine funktionelle Einheit. Störungen des RPE führen zu einer Beeinträchtigung der Netzhaut, in deren Folge die Photorezeptoren (Sinneszellen) Schaden nehmen.

Netzhaut
Abb.: Histo Retina


Um krankhafte Prozesse des Augenhintergrundes zu behandeln, deren Ursache gänzlich oder aber zumindest teilweise auf dem Niveau des RPE’s zu lokalisieren sind, wurde der SRT-Laser entwickelt. Im Vergleich zur konventionellen Argon-Lasertherapie der Netzhaut schont der SRT-Laser aufgrund seiner Selektivität die Photorezeptoren, deren Zerstörung letztendlich als unerwünschte Nebenwirkung einer konventionellen Laserbehandlung im Bereich der Makula anzusehen ist, und verhindert dadurch die Entstehung von Gesichtsfelddefekten (Skotom) im Bereich der behandelten Areale.
Durch regeneratorische Prozesse verbessert sich die Funktion der behandelten RPE-Zellen. Dies geschieht durch Migration und Zellproliferation der RPE-Zellen, die die krankhaften bzw. insuffizienten RPE-Zellen ersetzen. In der Folge kommt es zu einer Stabilisierung der Blut-Netzhautschranke, was den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflußt.
Weitere Informationen finden Sie in der unten angegebenen Literaturliste.

Weitere Informationen:
1. Der SRT-Laser:
Bei der SRT kommt ein in Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Laserzentrum Lübeck (MLL) entwickelter Laser zum Einsatz. Dabei handelt es sich um einen Nd:YLF-Laser (=Neodym:Yttrium-Lithium-Fluorid). Dieser Laser erzeugt eine Ausgangswellenlänge im grünen Spektrum von 527nm. Der Laser ist gepulst. Bei jedem Laser-"Schuß" werden 30 Pulse mit einer Wiederhofrequenz von 100Hz und einer jeweiligen Dauer von 1,7µs generiert. Diese technische Innovation ermöglicht es selektiv das RPE zu behandeln. Prinzipiell gilt, dass Laserstrahlung größtenteils im RPE absorbiert und in Hitze umgewandelt wird. Diese Erhitzung führt zu einer Zerstörung des RPE’s und seiner benachbarten Strukturen (u.a. den Sinneszellen), was in einer Weißfärbung des behandelten Areales nach konventioneller Argonlasertherapie seinen Ausdruck findet.
Durch die gepulste Anwendung können sich die RPE-Zellen nach jedem Puls abkühlen, so dass es zu keiner Erhitzung des bestrahlten Gewebes kommt und somit benachbarte Strukturen (z.B. die Photorezeptoren) nicht zerstört werden. Die RPE-Zellen hingegen werden selektiv zerstört. Eine hitzebedingte Weißfärbung zeigt sich im Anschluß an die Behandlung als Ausdruck einer durchgreifenden Gewebedenaturiering nicht. Der Untergang der RPE-Zellen läßt sich jedoch fluoreszenzangiographisch dokumentieren.

srt-laser
2a. Diabetische Retinopathie (DRP):
Bei der diabetischen Retinopathie kann es aufgrund von Schäden der Blutgefäße in der Netzhaut (Blut-Retina-Schranke) zu einer Flüssigkeitsansammlung im Bereich des schärfsten Sehens kommen (Makulaödem). Gesunde RPE-Zellen sind in der Lage, dieses Überangebot an Gewebsflüssigkeit abzutransportieren. Bei der DRP ist das RPE jedoch in seiner Funktion eingeschränkt, wodurch die Flüssigkeit in der Netzhaut verbleibt und das zentrale Sehen empfindlich gestört ist. Ziel der SRT ist die Regeneration der RPE-Zellschicht, um eine Verbesserung der "Pumpfunktion" zu erzielen.

2b. Thrombose:
Bei der Thrombose der Netzhaut kommt es ähnlich wie bei der DRP zu einer Störung der Blutgefäße der Netzhaut und damit zu einem vermehrten Flüssigkeitsaustrom in die Netzhaut. Auch hier kann es zu einer Flüssigkeitsansammlung an der Stelle des schärfsten Sehens kommen (Makulaödem). Durch Regeneration der RPE-Zellen nach der SRT wird die Funktion der RPE-Zellen positiv beeinflusst. So kann es zu einer Reduktion des Makulaödems und somit folgenden Besserung des zentralen Sehens kommen.

2c. Altersbedingte Makuladegeneration (feuchte okkulte Form):
Bei der okkulten choroidalen Neovaskularisation kommt es zum Wachstum einer Gefäßmembran aus der Aderhaut (Choroidea) unter das RPE. Der Spontanverlauf der Erkrankung endet in der Regel mit der Ausbildung einer Narbe im Bereich der Makula, was zu einem deutlichen Abfall der zentralen Sehschärfe führt. Ziel der SRT-Behandlung ist es, durch die gezielte Behandlung der RPE-Zellen über der Membran eine Stabilisierung des Befundes und eine Ödemreduktion zu erzielen.

2d. Retinopathia centralis serosa (RCS):
Bei dieser Erkrankung, die in der Regel Männer mittleren Alters betrifft, kommt es zu einem Einstrom seröser Flüssigkeit durch einen auf Niveau des retinalen Pigmentepithels gelegenen Quellpunkt in den subretinalen Raum. Häufig ist diese Erkrankung selbstlimitierend, jedoch können insbesondere längere und rezidivierende Krankheitsverläufe zu einer dauerhaften Sehverschlechterung führen.
Die SRT bietet hier die Option einer frühzeitigen und wirkungsvollen Therapie, die einer Chronifizierung und damit bleibenden Beeinträchtigung der Photorezeptoren vorbeugen kann. Auch sehr zentral gelegene Quellpunkte (foveanah) können gefahrlos behandelt werden.

Wichtige Anmerkung:
Voraussetzung für eine Behandlung mit dem SRT-Laser ist eine aktuelle Fluoreszeinangiographie (nicht älter als zwei Wochen).
Am Behandlungstag kann diese Fluoreszeinangiographie aus Gründen der medizinischen Sicherheit nicht durchgeführt werden, so dass in der Regel eine Voruntersuchung notwendig ist.

Ansprechpartner: Dr. C. Klatt, Dr. T. Oppermann, Prof. Dr. J. Roider

3. Ausgewählte Literatur zur SRT:
1. Roider J., Michaud N., Flotte T., Birngruber R.. Histology of retinal lesions after continuous irradiation and selective micro-coagulation of the retinal pigment epithelium. Ophthalmologe. 1993 Jun;90(3):274-8.
2. Roider J., Hillenkamp F., Flotte T., Birngruber R..Microphotocoagulation: Selective Effects of Repetitive Short Laser Pulses. Proc Natl Acad Sci U S A. 1993 September 15; 90 (18): 8643-8647.
3. Roider J., Brinkmann R., Wirbelauer C., et al. Retinal sparing by selective retinal pigment epithelial photocoagulation. Arch Ophthalmol 1999;117:1028-34.
4. Roider J., Brinkmann R., Wirbelauer C., et al. Subthreshold (retinal pigment epithelium) photocoagulation in macular diseases: a pilot study 15. Br J Ophthalmol 2000;84:40-7.
5. Roider J., Hillenkamp F., Flotte T., Birngruber R.. Microphotocoagulation: selective effects of repetitive short laser pulses. Proc Natl Acad Sci U S A 1993;90:8643-7.
6. Roider J., Michaud N.A., Flotte T.J., Birngruber R.. Response of the retinal pigment epithelium to selective photocoagulation. Arch Ophthalmol 1992;110:1786-92.
7. Schuele G., Joachimmeyer E., Framme C., Roider J., Birngruber R., Brinkmann .R. Optoacoustic control system for selective treatment of the retinal pigment epithelium. (2001) Proc. SPIE Vol. 4256, p. 71-76, Biomedical Optoacoustics II; Alexander A. Oraevsky.
8. Schüle G., Elsner H., Hoerauf H., Framme C., Roider J., Birngruber R., Brinkmann R.. Optoacoustic on-line dosimetry during selective RPE treatment. (2004). Submitted to Proc. SPIE.
9. Roider J., El-Hifnawi E.-S., and Birngruber R.. Bubble formation as primary interaction mechanism in retinal laser exposure with 200-ns laser pulses. Lasers in Surgery and Medicine, 22(4):240_8, 1998.
10. Roider J., Brinkmann R., Wirbelauer C., Birngruber R., and Laqua H., Variability of RPE Reaction in Two Cases after Selective RPE Laser Effects in Prophylactic Treatment of Drusen. Graef. Arch. Clin. Exp. Opthalmol., 1999. 237: 45-50.
11. Roider, J., R. Brinkmann, and R. Birngruber. Selective Retinal Pigment Epithelium Laser Treatment, in Lasers in Ophthalmology - Basic, Diagnostic and Surgical Aspects, F. Fankhauser and S. Kwasniewska, Editors. 2003, Kugler Publications: The Hague. 119-29.
12. Neumann J., R. Hagenau, G. Schüle; B. Schweda und R. Brinkmann, Finite element calculation of the temperarure distribution in an RPE cell during and after us-laser exposure, Proceedings of the "Laser Bioeffects Meeting", Paris, 13.-14.06.2002, pp. P2 1-6 (2002).



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