Baunach-Hahnleite - Bericht zur Sondagegrabung im Winter 2000/2001

Timo Seregély (Bamberg)

Seit ca. 15 Jahren konnte Franz Götz, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Sammlung Baunach, auf einem von ihm entdeckten Fundplatz zahlreiche Keramikbruchstücke und Steinartefakte auflesen, die sowohl Charakteristiken der ausgehenden Steinzeit (Endneolithikum) als auch der Frühbronzezeit aufweisen.
Als Vorrede ist diesbezüglich ein kurzer Abriß zum derzeitigen Forschungsstand unumgänglich:
Das Endneolithikum (in unserem Raum ca. von 2800 bis 2200 v.Chr.) ist in Oberfranken zum einen durch die regionale Erscheinung der Gruppe Burgerroth "Altenberg", zum anderen durch die überregionalen Phänomene der Kultur mit Schnurkeramik und der Glockenbecherkultur vertreten. Nach einem 14C-Datum aus Voitmannsdorf scheint das regionale Endneolithikum noch mindestens bis ins 26.Jh. v.Chr., parallel neben der wohl schon ab dem 28.Jh. v.Chr. anwesenden Schnurkeramik, zu existieren. Die Glockenbecherkultur tritt dagegen wohl frühestens um 2500 v.Chr. in Erscheinung.

Ab ca. 2300/2200 v.Chr. treten in einigen Regionen (z.B. in Süd- und Mitteldeutschland) erstmals Gräberfelder auf, die sich durch recht reiche Metallbeigaben auszeichnen, die oft noch aus Kupfer, zum Teil aber schon aus bewußt legierter Zinnbronze (mit ca. 10 % Zinnbeimengung) bestehen (Krause 1988). Im Sinne einer Periodisierung wurde mit diesen Fundplätzen der Beginn der Bronzezeit (nach Paul Reinecke Stufe A 1) festgelegt (Reinecke 1924). Problematisch ist dieser frühestbronzezeitliche Zeitraum deshalb, da sich in den Gräbern kaum Keramik findet. Metall war so wertvoll, dass es bei Auflassen von Siedlungen nicht zurückgelassen wurde, lediglich die Keramik, die für diese Zeit eben nicht so bekannt ist, blieb dabei zurück. Ab der Stufe Frühbronzezeit A2 (zu Beginn des 2.Jts. v.Chr.) ändert sich das Bild etwas: wir kennen die Siedlungskeramik aufgrund dendrodatierter Uferrandsiedlungen aus dem südwestdeutschen und schweizerischen Raum recht gut (Krumland 1998).
Erst in den letzten Jahren wurden einige Fundplätze, die sowohl noch stark neolithische, als auch bereits bronzezeitliche Züge aufwiesen, der Stufe A 1 zugeordnet (Stoll-Tucker 1995). Mittlerweile gibt es auch Dendrodaten, die dies bestätigen (Conscience/Eberschweiler 2001).
Baunach-Hahnleite liefert nun ebenfalls überwiegend keramisches Material, welches Elemente beider vorgeschichtlicher Epochen (Neolithikum / Bronzezeit) enthält.
Der Fundplatz liegt im östlichen Bereich einer unscheinbaren Hügelkuppe, die sich südwestlich der bis auf 284 m über NN ansteigenden Anhöhe "Hahnleite" und wenige hundert Meter nordöstlich des Gewerbegebietes Baunach-Eichen befindet. Auf einer Fläche von ca. 10 x 5 Metern zeigte der Acker eine dunklere Färbung auf, aus der laut Aussage von Franz Götz auch die Masse der Funde stammte. Wegen des ausgesprochen interessanten Fundstoffs (auch im Hinblick auf eine geplante Magisterarbeit zum Endneolithikum und der älteren Frühbronzezeit in Oberfranken) führten die Professur für Vor- und Frühgeschichte der Universität Bamberg und das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel nach Absprache mit Prof. Dr.Björn-Uwe Abels (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Oberfranken) im Winter 2000/01 eine kleinere Sondage der Fundstelle durch, um Erkenntnisse zur Befunderhaltung zu gewinnen. Im Vorfeld wurden geologische und pedogenetische Untersuchungen durchgeführt sowie die Fundstelle eingemessen.

Der Schnitt wurde zunächst als Rechteck von 4 x 3 Metern im Zentrum der Verfärbung festgelegt und als Kreuzschnitt mit 1 m Breite über die gesamte Verfärbung hinaus erweitert.

Abb. 1  Plan der Sondagegrabung Baunach-Hahnleite (gelb: ergrabene Quadranten; schwarze Strichlinie: Grenze Kulturschicht; rote Strichlinie: vermutliche Grenze Kulturschicht).

Im humosen, dunkelbraunen Pflughorizont (schluffiger Sand), der eine durchschnittliche Mächtigkeit von etwa 30 cm aufwies, konnten keramische Bruchstücke in geringer bis mäßiger Menge geborgen werden. Fundreicher war ein teilweise auftretendes, 5-10 cm starkes, dunkler gefärbtes Band, welches sich etwa 20 cm unter der Ackeroberfläche befand. Die Funde reichen dann teilweise noch etwa 2-3 cm in den nächsten Bodenhorizont (Gemisch aus Flugsand und verwittertem, anstehenden Feuerletten-Ton) hinein. In ca. 70 - 80 cm Tiefe steht dann der Feuerletten als rotbrauner Ton mit grünlich-gelb verwitterten Sandsteineinschlüssen als Ausgangssubstrat der Bodenbildung an. Er wirkt an feuchten Tagen als Wasserstauer; in Verbindung mit Hangzuzugswasser ist dadurch flächig ein kräftiger Pseudogley entstanden.
Archäologisch deutbare Befunde (Pfostenlöcher, Gruben etc.) konnten im gesamten Schnittbereich nicht beobachtet werden. Es handelt sich wohl demnach bei dem dunkleren Band, welches auch feinste Holzkohlepartikel enthielt, um den recht dünnen Rest einer vom Pflug fast restlos zerstörten, ehemaligen Siedlungsschicht, die in untersuchtem Gebiet eine Fläche von ca. 7 x 4 m einnimmt (die Grenzen waren selten klar erkennbar und zum Teil nur anhand des Holzkohleanteils festzustellen). In Anbetracht einer möglichen Hausstelle wurde noch eine Ecke des Rechtecks untersucht, aber die Hoffnung auf Befunde bestätigte sich wiederum nicht. Ob das Fehlen von Pfostenlöchern oder Gruben eine Bauweise wie beispielsweise Schwellbalkenkonstruktion anzeigt oder die Befunde durch die gegebenen Bedingungen (z.B. oft extrem durchnäßter Boden) nicht mehr sichtbar sind, ist freilich nicht zu klären.
Von bodenkundlicher Bedeutung ist noch, daß infolge der ackerbaulichen Terrassierung des Geländes die Fundstelle einer Erosion unbestimmten Ausmaßes unterlag bzw. noch unterliegt (Erosion am Hangteil, Akkumulation im Talteil der Terrassen). Dies zeigten die Bohrungen recht deutlich; der humose Oberboden weist oberhalb und unterhalb der Fundstelle immerhin noch ca. 70 cm Mächtigkeit auf. Möglicherweise verbergen sich darunter weitere Befunde dieser Siedlungsperiode.

Die Keramik zeigt als endneolithische Einflüsse u.a. folgende Elemente: Randlochung (die recht typisch für die endneolithischen Gruppen Bernburg, Wartberg/Burgerroth, Voitmannsdorf, ist, aber auch in Zusammenhängen mit der Glockenbecherkultur hin und wieder auftritt), glatte, randnahe Leisten (sowohl in regionalen, endneolithischen Gruppen, als auch besonders für Siedlungsware der Glockenbecherkultur typisch), vertikal durchbohrte Schnurösen und die Formen der Gefäße selbst, so z.B. kegelartig einziehende Gefäße und Schüsseln mit Leisten auf dem Gefäßumbruch.
Frühbronzezeitliche Elemente, die sicher ebenfalls aus neolithischen Vorbildern hervorgingen, sind die in Baunach recht häufigen fingertupften oder gekerbten randnahen Leisten und die teilweise im unteren Bereich des Gefäßes auftretende Schlickrauhung. Diese Art der Verzierung bzw. Rauhung tritt aber auch im westböhmischen Raum im Bereich der sogenannten Řivnač-Kultur auf, die gleichfalls in das 3. Jahrtausend v.Chr. datiert (Ehrich/Pleslová-Stiková/Filip 1968).
Die Steinfunde (u.a. gestielte und geflügelte Silexpfeilspitzen und kleine Einsatzbeilchen aus Felsgestein) sind in diesem Zeitraum ebenfalls gängige Artefakttypen.

Von gänzlich anderer Machart sind einige wenige Scherben, die von der Profilierung her eher der Stufe Frühbronzezeit A 2 (ca. 1950-1600 v.Chr.) zugeordnet werden können. Möglicherweise zeugt dies von einer zweiten, kurzzeitigen Begehung der Fundstelle in dieser Zeit.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten:
Der Fundplatz Baunach-Hahnleite lieferte aus Gründen von ackerbaulicher Bewirtschaftung und Bodenerosion kaum noch auswertbare Siedlungsstrukturen, dafür aber umso interessanteres Fundmaterial. Dieses kann aufgrund typologischer Merkmale als endneolithisch/frühbronzezeitlich bezeichnet werden und datiert mit großer Wahrscheinlichkeit in das späte 3.Jahrtausend v.Chr. bzw. an den Übergang zum 2. vorchristlichen Jahrtausend, da es sowohl noch klar endneolithische Elemente, als auch bereits frühbronzezeitliche enthält.
Eine genauere Datierung ist mangels vergleichbarer Fundplätze in der näheren Umgebung und absoluter Daten bisher nicht möglich.
Im frühen 2. Jahrtausend v.Chr. fand wohl eine erneute Begehung des Fundortes statt, die aber wegen des äußerst geringen Fundniederschlags wohl nicht zu einer Siedlungstätigkeit führte.