Johannes Müller (Bamberg)
Kontext und Anzahl der bisherigen Datierungen
Vom Fundplatz liegen bisher 33 14C-Datierungen vor (Liste 1), die aus unterschiedlichen Sondageaktivitäten stammen:
Stratigraphische Sequenzen
Schnitt 7
Aus Schnitt 7 kennen wir 4 verwertbare Daten (Liste 1; Abb. 1). Die Sequenz beginnt mit dem 14C-datierten Eichenpfosten der (wahrscheinlichen) Palisade zwischen 2120-1880 v.Chr. Zwei Benutzungphasen (Befund 5 u. Befund 22) werden zwischen 1750-1600/1550 v.Chr. datiert, ein höher liegender Lausitzer Befund 1680-1520 v.Chr.

Abb. 1 Teilprofil des Grabens mit absolutchronologischen Werten (vgl. Anlage 2).
Eine stratigraphische Kalibration, bei der im Programm Oxcal die stratigraphische Position der Proben zueinander zur Korrektur der 14C-Spannen eingesetzt wird, reduziert das Geschehen auf folgende Zeitabschnitte (Abb. 2):
Pfosten 2040-1820
Bef. 5 (FBZ) 1740-1650
Bef. 22 (FBZ) 1685-1605
Bef 13? (MBZ) 1620-1525

Abb. 2 Stratigraphische Kalibration der 14C-Werte aus Schnitt 7 (vgl. Liste 1 u. Abb. 1).
Die Pfostendatierung unterscheidet sich also um mindestens 80 Jahre von den FBZ-Schichten. Dendrochronologisch wurde in Krakau ein 14C-datierter Pfosten auf 1923 v.Chr. datiert.
Schnitt 10
Aus Schnitt 10 liegen 7 verwertbare Daten vor (Liste 1; Abb. 3). Die Sequenz beginnt mit torfhaltigen, frühbronzezeitlichen Schichten zwischen 1880-1690 v.Chr. , überlagert von einer frühbronzezeitlichen Brandschicht zwischen 1740-1620 v.Chr. Eine Schicht mit Lausitzer Keramik folgt bereits um 1690-1520 v.Chr.

Abb. 3 Ostprofil von Schnitt 10 mit absolutchronologischen Werten (vgl. Liste 1).
Auch hier führt die entsprechende stratigraphische Kalibration zu einer Korrektur der 14C-Spannen (Abb. 4).
Bef. 20 (FBZ) 1795/1695-1755-1680
Bef. 19 (FBZ) 1695-1610
Bef. 12 (FBZ) 1690-1570
Bef. 8 (FBZ) 1680/1550-1650-1520
Bef. 5 (MBZ) 1640-1510

Abb. 4 Stratigraphische Kalibration der 14C-Werte aus Schnitt 10 (vgl. Liste 1 u. Abb. 3).
Grundsätzlich ist die archäologisch nachvollziehbare Synchronisation zwischen den Schichten von Schnitt 10 und 7 auch durch die 14C-Datierung gegeben. Die Siedlungsphasen bewegen sich im gleichen Zeitabschnitt, nur die Pfostendatierung von Schnitt 7 fällt z.Z. aus dem Rahmen.
Daten aus Flächenbefunden
Aus dem Mineralbodenbereich liegen einige Datierungen von Gruben vor (Liste 1). Die Datierungen bewegen sich vor allem im 17. und 16. vorchristlichen Jahrhundert (Abb. 5).

Abb. 5 Kalibrierte 14C-Werte von Gruben des Hügelsporns (vgl. Liste 1).
Aus dem östlichen Feuchtbodenareal liegen 14C-Daten für Befund 35 vor, die in das 19. vorchristliche Jahrhundert datieren. Dies entspricht den Dendrodaten für die Befestigung.
Konsequenzen
Die
bisherigen radiometrischen Datierungen weisen verschiedene FBZ-Schichten einer
mittleren und späten frühbronzezeitlichen Entwicklung zu. Der Übergang zu
Lausitz ist wohl im 16. und 15. vorchristlichen Jahrhundert zu fassen. Die
Besiedlung beginnt im 20. oder 19. vorchristlichen Jahrhundert.
Liste
1
Radiokarbondaten vom Fundplatz Bruszczewo 5
Datierungen
für Schnitt 15, Pfosten 87 und Befund 35
Erl-3137 3584+-43 BP Holz (Esche) P87 Innen (5 Jahrringe von 78Jr.)
Erl-3138 3524+-41 BP Holz (Esche) P87 Außen, (5 Jahrringe an Waldkante von 78Jr.)
Dendrodatum 1888 oder 1814 v.Chr.
Erl-4560 3557+-43 BP Hafer Befund 35
Erl-4561 3525+-48 BP Hafer Befund 35
Datierungen
von Schnitt 10, Profil
Kiew-7827 3310+-60bp Tierknochen Befund 5
Kiew-7824 3390+-60bp Tierknochen Befund 8
KN-5293 3390+-42bp Holz Befund 8
Kiew-7826 3280+-60 Tierknochen Befund 12
Kiew-7825 3270+-60 Tierknochen Befund 19
KN-5294 3436+-31 Holz (Eiche, 15 Jahrringe) Befund 20
KN-5291 3475+-46 Holz (Hasel) Befund 20
Datierungen aus Schnitt 7, Profil
Kiew-6546 3405+-35 Holz Befund 25
Gd-10791 3520+-150 Holz (Eiche) Befund 25
Rome-1153 3620+-60 Holz (Eiche) Befund 25
Kiew-6547 3375+-40 Sedimentprobe Befund 5
Kiew-6548 3360+-40 Tierknochen Befund 22
Kiew-5606 3320+-40 Tierknochen Sondage 1996 (Befund 13?)
Rome-1285 3305+-55 Holz Befund Flechtwerk zw. Pfosten
Frühbronzezeitliche Gruben
Kiew-5611 3240+-50 Tierknochen Schnitt 3, Befund 1A/95 (Siedlungsgrube)
Kiew-5904 3290+-45 Holzkohle Schnitt 4, Befund 14/96 (Siedlungsgrube)
Kiew-5905 3350+-40 Holzkohle Schnitt 5, Befund 20/96 (Siedlungsgrube)
Rome-1284 3230+-55 Holzkohle Grube 1999 (Siedlungsgrube)
Rome-1286 3405+-60 Holzkohle Grube 1999 (Siedlungsgrube)
Lausitzer Gruben
Kiew-5907 2450+-50 Eicheln Befund 2/95 (Siedlungsgrube)
Kiew-5906 1280+-70 Holzkohle Befund 1/95 (Siedlungsgrube)
Mittelalter
Kiew-5609 1280+-70 Holz Befund 1/95 (Holz unter „Steinbefestigung“)
Kiew-5610 1540+-5610 Holz Befund 1/95 (Holz unter „Steinbefestigung“)
„1. Wall Pieczynskis“
GrN-5981 3600+-55bp unbekannt keine nähere Befundbeschreibung (Ausgr.1964-1968)
„2. Wall Pieczynskis“
GrN-5985 3470+-30bp unbekannt keine nähere Befundbeschreibung (Ausgr.1964-1968)
„3. Wall Pieczynskis“
GrN-5984 3410+-35bp unbekannt keine nähere Befundbeschreibung (Ausgr.1964-1968)
Gruben aus der Grabung Pieczynskis
GrN-5047 3320+-40 unbekannt Grube 53 (Ausgr. 1964-1968)
GrN-6142 3315+-55 unbekannt Grube 37 (Ausgr. 1964-1968)
GrN-6141 3295+-40 unbekannt Grube 55 (Ausgr. 1964-1968)