Der Beitrag der Radiokarbondaten zur absolutchronologischen Datierung des Siedlungsgeschehens in  Brusczczewo 5

 

Johannes Müller (Bamberg)

 

Kontext und Anzahl der bisherigen Datierungen

Vom Fundplatz liegen bisher 33 14C-Datierungen vor (Liste 1), die aus unterschiedlichen Sondageaktivitäten stammen:

  1. Im Rahmen der DFG-geförderten Sondagen (2000/2001) im Feuchtbodenbereich wurden 14C-Daten gewonnen, um einerseits Schichtkorrelationen mit Pfosten zu verifizieren, andererseits dendrochronologische Kurven besser in Standardkurven einhängen zu können (vgl. Anlage 2).
  2. Im Jahre 1999 konnte für das Schichtprofil am nö Rand der erhöhten, spornartigen Siedlung mit Mineralbodenerhaltung (Schnitt 10) eine Serie von Proben genommen werden, die sowohl die oberen Schichten mit Mineralbodenerhaltung als auch erste, liegende Schichten mit Feuchtbodenerhaltung datieren.
  3. Aus dem nördlichen Graben stammt eine Serie von Daten, die im Rahmen der Sondagen der Universität Posen (1995-1997) und während der gemeinsamen Sondage 1999 in Schnitt 7 die stratigraphische Sequenz absolutchronologisch fixieren. Darunter fallen auch Daten von Pfosten, die zur Unterstützung der Dendrochronologie angefertigt wurden.
  4. Aus dem Spornbereich liegen neuere Daten für früh- und mittelbronzezeitliche Gruben vor.
  5. Durch die Universität Posen wurden die angeblichen Steinbefestigungen der frühbronzezeitlichen Siedlung (Piecynski) sondiert und die dabei zum Vorschein kommenden Hölzer datiert. Es handelt sich um mittelalterliche, nicht frühbronzezeitliche Aktivitäten.
  6. Ältere 14C-Daten stammen aus den Grabungen Piecynskis, für die genauere Befundbeschreibungen fehlen. Verwertbar sind aber auf alle Fälle die Daten aus damals gegrabenen Siedlungsgruben.

 

Stratigraphische Sequenzen

Schnitt 7

Aus Schnitt 7 kennen wir 4 verwertbare Daten (Liste 1; Abb. 1). Die Sequenz beginnt mit dem 14C-datierten Eichenpfosten der (wahrscheinlichen) Palisade zwischen 2120-1880 v.Chr. Zwei Benutzungphasen (Befund 5 u. Befund 22) werden zwischen 1750-1600/1550 v.Chr. datiert, ein höher liegender Lausitzer Befund 1680-1520 v.Chr.

Abb. 1 Teilprofil des Grabens mit absolutchronologischen Werten (vgl. Anlage 2).

Eine stratigraphische Kalibration, bei der im Programm Oxcal die stratigraphische Position der Proben zueinander zur Korrektur der 14C-Spannen eingesetzt wird, reduziert das Geschehen auf folgende Zeitabschnitte (Abb. 2):

Pfosten                        2040-1820

Bef. 5 (FBZ)                1740-1650

Bef. 22 (FBZ)              1685-1605

Bef 13? (MBZ)            1620-1525

Abb. 2 Stratigraphische Kalibration der 14C-Werte aus Schnitt 7 (vgl. Liste 1 u. Abb. 1).

Die Pfostendatierung unterscheidet sich also um mindestens 80 Jahre von den FBZ-Schichten. Dendrochronologisch wurde in Krakau ein 14C-datierter Pfosten auf 1923 v.Chr. datiert.

 

Schnitt 10

Aus Schnitt 10 liegen 7 verwertbare Daten vor (Liste 1; Abb. 3). Die Sequenz beginnt mit torfhaltigen, frühbronzezeitlichen Schichten zwischen 1880-1690 v.Chr. , überlagert von einer frühbronzezeitlichen Brandschicht zwischen 1740-1620 v.Chr. Eine Schicht mit Lausitzer Keramik folgt bereits um 1690-1520 v.Chr.

Abb. 3 Ostprofil von Schnitt 10 mit absolutchronologischen Werten (vgl. Liste 1).

Auch hier führt die entsprechende stratigraphische Kalibration zu einer Korrektur der 14C-Spannen (Abb. 4).

Bef. 20 (FBZ)              1795/1695-1755-1680

Bef. 19 (FBZ)              1695-1610

Bef. 12 (FBZ)              1690-1570

Bef. 8 (FBZ)                1680/1550-1650-1520

Bef. 5 (MBZ)              1640-1510

Abb. 4 Stratigraphische Kalibration der 14C-Werte aus Schnitt 10 (vgl. Liste 1 u. Abb. 3).

Grundsätzlich ist die archäologisch nachvollziehbare Synchronisation zwischen den Schichten von Schnitt 10 und 7 auch durch die 14C-Datierung gegeben. Die Siedlungsphasen bewegen sich im gleichen Zeitabschnitt, nur die Pfostendatierung von Schnitt 7 fällt z.Z. aus dem Rahmen.

 

Daten aus Flächenbefunden

Aus dem Mineralbodenbereich liegen einige Datierungen von Gruben vor (Liste 1). Die Datierungen bewegen sich vor allem im 17. und 16. vorchristlichen Jahrhundert (Abb. 5).

Abb. 5 Kalibrierte 14C-Werte von Gruben des Hügelsporns (vgl. Liste 1).

Aus dem östlichen Feuchtbodenareal liegen 14C-Daten für Befund 35 vor, die in das 19. vorchristliche Jahrhundert datieren. Dies entspricht den Dendrodaten für die Befestigung.

 

Konsequenzen

Die bisherigen radiometrischen Datierungen weisen verschiedene FBZ-Schichten einer mittleren und späten frühbronzezeitlichen Entwicklung zu. Der Übergang zu Lausitz ist wohl im 16. und 15. vorchristlichen Jahrhundert zu fassen. Die Besiedlung beginnt im 20. oder 19. vorchristlichen Jahrhundert. 

Liste 1

Radiokarbondaten vom Fundplatz Bruszczewo 5

Datierungen für Schnitt 15, Pfosten 87 und Befund 35

Erl-3137          3584+-43 BP Holz (Esche) P87 Innen (5 Jahrringe von 78Jr.)

Erl-3138          3524+-41 BP Holz (Esche) P87 Außen, (5 Jahrringe an Waldkante von 78Jr.)

Dendrodatum   1888 oder 1814 v.Chr.

Erl-4560          3557+-43 BP  Hafer Befund 35

Erl-4561          3525+-48 BP Hafer Befund 35

Datierungen von Schnitt 10, Profil

Kiew-7827      3310+-60bp Tierknochen Befund 5

Kiew-7824      3390+-60bp Tierknochen Befund 8

KN-5293        3390+-42bp Holz Befund 8

Kiew-7826      3280+-60 Tierknochen Befund 12

Kiew-7825      3270+-60 Tierknochen Befund 19

KN-5294        3436+-31 Holz (Eiche, 15 Jahrringe)  Befund 20

KN-5291        3475+-46 Holz (Hasel) Befund 20

Datierungen aus Schnitt 7, Profil

Kiew-6546      3405+-35 Holz  Befund 25

Gd-10791       3520+-150 Holz (Eiche) Befund 25

Rome-1153     3620+-60 Holz (Eiche) Befund 25

Kiew-6547      3375+-40 Sedimentprobe Befund 5

Kiew-6548      3360+-40 Tierknochen Befund 22

Kiew-5606      3320+-40 Tierknochen Sondage 1996 (Befund 13?)

Rome-1285     3305+-55 Holz Befund Flechtwerk zw. Pfosten

Frühbronzezeitliche Gruben

Kiew-5611      3240+-50 Tierknochen Schnitt 3, Befund 1A/95 (Siedlungsgrube)

Kiew-5904      3290+-45 Holzkohle Schnitt 4, Befund 14/96 (Siedlungsgrube)

Kiew-5905      3350+-40 Holzkohle Schnitt 5, Befund 20/96 (Siedlungsgrube)

Rome-1284     3230+-55 Holzkohle  Grube 1999 (Siedlungsgrube)

Rome-1286     3405+-60 Holzkohle Grube 1999 (Siedlungsgrube)

Lausitzer Gruben

Kiew-5907      2450+-50 Eicheln Befund 2/95 (Siedlungsgrube)

Kiew-5906      1280+-70 Holzkohle Befund 1/95 (Siedlungsgrube)

Mittelalter

Kiew-5609      1280+-70 Holz Befund 1/95 (Holz unter „Steinbefestigung“)

Kiew-5610      1540+-5610 Holz Befund 1/95 (Holz unter „Steinbefestigung“)

 

 „1. Wall Pieczynskis“

GrN-5981       3600+-55bp unbekannt keine nähere Befundbeschreibung (Ausgr.1964-1968)

 

 „2. Wall Pieczynskis“

GrN-5985       3470+-30bp unbekannt keine nähere Befundbeschreibung (Ausgr.1964-1968)

 

 „3. Wall Pieczynskis“

GrN-5984       3410+-35bp unbekannt keine nähere Befundbeschreibung (Ausgr.1964-1968)

 

Gruben aus der Grabung Pieczynskis

GrN-5047       3320+-40 unbekannt Grube 53 (Ausgr. 1964-1968)

GrN-6142       3315+-55 unbekannt Grube 37 (Ausgr. 1964-1968)

GrN-6141       3295+-40 unbekannt Grube 55 (Ausgr. 1964-1968)