Archäozoologische Untersuchungen zu den frühbronzezeitlichen Tierknochen aus Bruszczewo 5  

 

Daniel Makowiecki (Poznan)

Einleitung

Der hier vorliegende Artikel stellt die wichtigsten Ergebnisse von Tierknochenuntersuchungen vor, die in zwei getrennten Analysen vorgenommen wurden. In der ersten wurden Funde aus der Humus-, bzw. Kulturschicht berücksichtigt, sowie aus Gruben, Wällen und Laufgräben der Mineralbodensiedlung des Sporns von Bruszczewo. Sie stammten aus den Grabungen (1964-1966) des Z. Pieczynski. Ihre Bearbeitung übernahm M. Sobocinski, der die Analyseergebnisse in einem gesonderten monographischen Artikel vorstellte (Sobocinski 1977).  Die zweite Analyse wurde von mir durchgeführt, nach Erhalt einer neuen Knochenprobe, die bei den Grabungen im Feuchtbodenareal der Siedlungs Bruszczewo 5 zum Vorschein kamen. Bei beiden Stichproben handelt es sich um solche, die aufgrund der Funde und Befunde seitens der Ausgräber der Frühbronzezeit zugesprochen werden.

 

Erste Untersuchung

M. Sobocinski untersuchte 10192 tierische Knochenreste, von denen er 5836 identifizieren konnte. Es handelte sich zu 89,1% um Knochen  von Haussägetieren, zu 10,8% um Knochen wilder Tiere, 0,1% entstammte Vogeltieren. In der ersten Gruppe dominierten Knochen von Rindern ( 50,4%), das Schwein ist an zweiter Stelle mit einem Prozentanteil von 28,1 vertreten, Schafe und Ziegen sind mit 15,3%. Ein geringer Anteil von jeweils 3% entstammt dem Hund bzw. Pferd. Bei den Jagdtieren ergeben Knochen von Hirsch, Wildschwein, Reh und Auerochse 81% der Gesamtmenge, doch wurden auch Knochenanteile von Biber, Marder, Elch, Fuchs, Feldhase, Dachs, Braunbär und Wildkatze vorgefunden.

Osteometrische Untersuchungen erlaubten die Identifikation von zwei Pferde-Formen. Die erste war dem Przewalski-Pferd verwandt die zweite, größer gewachsene dem Araber. Unterschiedlich große Rinder  repräsentierten zum Teil die kleinwüchsige, kurzbeinige Form – Bos taurus brachyceros, und zum anderen den höherwüchsigen Bos taurus primigenius. Die Größe des Schweins war auch unterschiedlich. Bei manchen Individuen handelte es sich um Vertreter einer Übergangsform vom Wildschwein. Schafe und Ziegen wiesen keine Größenschwankungen auf. Die Hunde könnte man mit den heutigen Vorsteh-, oder Schäferhunden vergleichen.

In der Bearbeitung fehlten Angaben hinsichtlich der Sterblichkeitsverteilung, sowie der Geschlechterverteilung der Tiere. Es fand auch keine Einschätzung hinsichtlich der Art des Wirtschaftens mit den Tieren statt. Aus den Prozentzahlen ist eine Dominaz von Zuchttieren bei der Fleischgewinnung zu beobachten, bei gleichzeitigem erheblichen Anteil von Jagdtieren. Auffallend ist das Fehlen von Fischüberresten, sowie der geringe Anteil der Vögel (Hühner und Gänse nach M. Sobocinski ). Da das Huhn in Europa erst in de Bronzezeit auftaucht und im fraglichen Gebiet erst gegen Ende dieser Epoche, aber mit Sicherheit in der Hallstattzeit, ist die Feststellung von Knochen dieser Gattung fragwürdig. Es handelte sich um die ältesten Funde dieser Art, doch wegen unklarer Untersuchungskriterien und des unklaren stratigraphischen Kontextes kann die Hühnerhaltung im jüngeren Frühbronzezeit angezweifelt werden, zumal eine stichfeste Periodisierung der von M. Sobocinski analysierten Knochen fehlt und auch die Identifikationskriterien nicht belegt sind.

Z. Pieczynski fand drüberhinaus eine Reihe von Geräten aus Tierknochen und Geweih. Der Anteil domestizierter und wilder Säuger ist beinah gleich, aber das meiste Rohmaterial stammt vom Hirsch  (Makowiecki/ Makowiecka 1998: 281). Unter den Gegentänden aus Geweih befinden sich solche aus „abgelegten” Geweihen. Dies belegt, dass die frühbronzezeitliche Bevölkerung sich ab etwa Mitte Februar, dann wenn der Hirsch sein Geweih ablegt, dem Sammeln widmete ( E. Schmid 1972 ).

 

Zweite Untersuchung

Während der in den Jahren 1996-2001 durchgeführten Grabungen ergab sich eine Fundsammlung von mehreren Tausend Tierknochen. Bei den makroskopischen Untersuchungen ging es um folgende Fragen: eine Liste der gehaltenen Tiere, die anatomische Zusammensetzung ihrer Knochen, Schlachtungsalter bzw. Erjagungsalter, Geschlechterverteilung, Fleischereispuren, pathologischeVerändereungen, Größe und Form der einzelnen Gattungen. Zu diesem Zweck wurde eine bei archeozoologischen Untersuchungen gängige analytische Methode angewandt (A. Lasota-Moskalewska 1997; E.J. eitz/ E.S. Wing 1999; Makowiecki 2001).

In der vorliegenden Arbeit wurden zwei Knochenmengen untersucht, die unterschiedlich gewonnen worden sind: A) manuell; B) durch Waschen des Sediments in Sieben mit einer Maschenstärke von ca. 3mm. Beide wurden in die Frühe Bronzezeit datiert, genauer in die Zeit zwischen 1900-1500 v.Chr. Im vorliegenden Artikel wurde nur die qualitativ-quantitative Charakteristik der Fundsammlungen vorgestellt, sowie ihre einführende Bewertung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

 

Ergebnisse

Insgesammt konnten von 2486 Knochen 1859, also 74,8% erkannt werden. Auf der Liste der Tiere finden sich Haussäuger, Wildsäuger, Vögel, Schlangen und Fische ( Tab.1 ). Wiewohl die erste Säugergruppe dominiert, muss der beachtliche Anteil von Wild betont werden ( Abb.1 ). 

Abb.1. Bruszczewo, Standort5. Anteil der Tiergruppen anhand identifizierter Knochen und der Bergungstechnik: A) manuell, B) Ausschlämmung              

*) Zahl osteologischer Einheiten                                                          Bergungstechniken    

Unter den Haustieren überwiegt das Rind, vor Schaf/Ziege und dem Schwein ( Abb.2 ), den geringsten Anteil besitzen das Pferd und der Hund ( Tab.1 ). Die Untersuchung eines Teils der Schaf/Ziege Knochen ergab ein Überwiegen der ersten Gattung (Abb.2). 

Das Wild wird vertreten von: Hase, Biber, Marder, Wildschwein, Hirsch,  Elch, Reh, Auerochse ( Tab. 1 ). Am besten vertreten sind: der Hirsch, das Wildschwein, das Reh und der Ochse. Der Anteil der übrigen Tiere ist weitaus geringer (Tab.1 ).  Anhand der einleitenden Analyse können unter den Vögeln freilebende Gattungen ausgemacht werden, darunter die Stockente ( Anas platyrhynchos ). Die Fische sind mit zwei Gattungen vertreten: Hecht ( Esox lucius) und Wels ( Silurus glanis ).

Tiere

Animal

A

B

A+B

Bydło - Rind

Bos primigenius f. taurus

387

303

690

Świnia - Schwein

Sus scrofa f. domestica

153

114

267

Owca/koza - Schaf/Ziege

Ovis ammon f. aries/Capra aegagrus f. hircus

206

148

354

Owca - Schaf

Ovis ammon f. aries

89

40

129

Koza - Ziege

Capra aegagrus f. hircus

4

5

9

Koń - Pferd

Equus przewalskii f. caballus

19

23

42

Pies - Hund

Canis lupus f. familiaris

11

16

27

Tur/bydło -  Ur/Hausrind

Bos primigenius Boj.1827/

Bos primigenius f. taurus

14

16

30

Dzik/świnia –

Wild/Hausschwein

Sus scrofa/Sus domesticus

1

7

8

Zając szarak - Feldhase

Lepus europaeus (Pall. 1778)

0

1

1

Bóbr - Biber

Castor fiber L., 1758

6

15

21

Kuna - Marder

Martes spec.

0

3

3

Dzik - Wildschwein

Sus scrofa L., 1758

42

44

86

Jeleń - Rothirsch

Cervus elaphus L., 1758

23

54

77

Łoś - Elch

Alces alces (L., 1758)

0

3

3

Sarna - Reh

Capreolus capreolus (L., 1758)

10

43

53

Tur - Ur

Bos primigenius Boj.,1827

27

13

40

Ptaki - Vögel

Aves

0

9

9

Żółw błotny - Sumpfschildkröte

Emys orbicularis L., 1758

1

2

3

Ryby - Fische

Pisces

1

6

7

Rozpoznane - Bestimmt

 

994

865

1859

Nie rozpoznane -Unbestimmt

 

424

203

627

Razem - Summe

 

1418

1068

2486

Człowiek - Mensch

Homo

0

2

0

Tabela 1. Bruszczewo, stan. 5. Artenliste mit Angabe der Fundzahl nach der Bergungmethode: A) nicht geschlämmt, B) geschlämmt (Ausgrabungen 1996-2001).

Im Ertrag A ist der Anteil der Haussäuger um 10% höher als in B. Im zweiten war es der Anteil an Kleinwild, wie Schildkröten, Fischen, außerdem Vögel ( Tab.1; Abb.1 ). Der Anteil von Zuchttieren ist in beiden Ertägen vergleichbar ( Abb.2 ). Deutliche Unterschiede zwischen A und B wurden hingegen bei den Wildsäugern festgestellt ( Abb.3 ). Im ersten Ertrag fanden sich weniger Gattungen. Der Hase, der Marder wurde hier nicht notiert, der Anteil des Bibers war geringer als in B. Von den grossen Tieren fehlte der Elch. Im gewaschenen Material fanden sich 15% mehr Reh, 10% mehr Hirsch, vom Wildschwein und Ochsen ergab sich hier weniger.

Abb.2. Prozentualler Anteil von Knochen domestizierter Schlachtsäuger anhand der Bergungstechnik.

Abb.3. Prozentualler Anteil der Knochen von Wildsäugern anhand der Bergungstechnik.

Bei den Rindern, Schweinen und der Schaf/Ziege waren knöcherne Überreste aller Körperparteien vertreten  ( Tab. 2 ). Bei den übrigen Tieren traten zumeist Schädel-, und Gliedmaßenknochen auf.

Zespół

           (Gruppe)

Rind

Schwein

Schaf/

Ziege

Schaf

Ziege

Pferd

Hund

Ur/

Hausrind

Wild/Hausschwein

Feldhase

Biber

Marder

Wildschwein

Rothirsch

Reh

Elch

Ur

Kości głowy

Schädelknochen

148

93

51

6

2

6

6

7

4

 

5

1

20

19

11

1

8

Kości ręki i stopy

Hand-,Fußknochen

103

7

37

37

3

15

 

10

1

 

1

 

15

28

13

2

8

Kręgi szyjne

Halswirbel

40

5

12

13

 

1

 

 

 

 

 

 

4

3

 

 

3

Kręgi piersiowe Brustwirbel

24

6

25

2

 

2

 

 

 

 

 

 

2

 

3

 

 

Kręgi lędźwiowe

Lendenwirbel

27

 

27

 

 

 

 

1

 

 

1

 

 

 

 

 

1

Kość krzyżowa

Kreuzbein

 

 

3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Żebra, mostek

Rippen,Brustbein

149

68

78

 

 

6

3

3

 

 

4

 

7

 

 

 

5

Kości ramienia i przedramienia

Oberarm,Unterarmk.

107

45

52

38

3

4

11

4

1

 

5

 

19

11

10

 

7

Tabela 2. Kości ssaków według zespołów topograficznych (Säugerknochen anhand topographischer Gruppen).

Das Todesalter der Rinder war unterschiedlich. Zur Schlachtung wurden bis zu dreimonatige Kälber vorgesehen, aber auch ältere Exemplare zwischen 6 und 14 Monaten. Einen erheblichen Anteil geschlachteter Tiere stellten zwischen 15 und 34 Monate alte Exemplare dar – subadultus. Ausgewachsene, voll zuchtfähige Tiere wurden bei einem Alter von 3, 5-7 Jahren getötet ( Tab. 3 ). Diese Gruppe war am zahlreichsten.

 Opis stanu uzębienia

Zustand der Zähne

Wiek uboju

     Schlachtungsalter

FZ

FZ in Gruppen

 

Zęby mleczne wyrośnięte

ausgewachsene Milchzähne

do 3 miesięcy

bis zu 3 Monaten

2

juvenil = 8

M1 w stadium wyrastania im Stadium des Auswachsens

 

4-6 miesięcy

3

M1 wyrośnięty

M1 ausgewachsen

7-14 miesięcy

3

M2 w stadium wyrastania

15-18 miesięcy

1

subadult = 7

M2 wyrośnięty

19-24 miesiące

19-24 Monate

2

M3 w stadium wyrastania

25-28 miesięcy

3

Pd2/Pd4 w stadium wymiany na P2/P4

im Stadium des Wechsels zu

29-34 miesiące

1

M3 wyrośnięty

Ø      3,5 roku

nach dem 3,5 Jahr

1

adult = 12

M3 lekko starty

leicht abgewetzt

około 3,5 roku

etwa im 3,5 Jahr

3

M3 lekko-średnio starty

leicht bis mittel abgewetzt

3,5-5 lat

3,5-5 Jahre

2

M3 średnio starty

mittel abgewetzt

5-7 lat

1

M3 średnio-mocno starty

mittel bis stark abgewetzt

7-10 lat

0

M3 mocno starty

stark abgewetzt

> 10 lat

0

P4 wyrośnięty starty

ausgewachsen, abgewetzt

Ø      34 miesięcy

mehr als 34 Monate

5

Razem

gesamt

 

27

 

Tabela 3.  Rind – Altersgliederung am Unterkiefer und Oberkiefer

Anhand von 35 Beispielen wurde die Sterblichkeit der Schweine bewertet ( Tab. 4 ). Die jüngste zur Schlachtung vorgesehene Gruppe stellten 6-10 Monate alte Tiere dar, die ältesten waren 3,5-5 Jahre alt. Am häufigsten wurden junge Tiere, zwischen 6 und 10 Monaten geschlachet. Nicht wenige Tiere waren zwischen 12 und 16 Monaten alt. Insgesamt wurden in den Gruppen juvenil und subadult mehr Tiere festgestellt als in adult.

Opis stanu uzębienia

Zustand der Zähne

Wiek uboju

Schlachtungsalter

FZ

FZ in Gruppen

 

Zęby mleczne wyrośnięte

ausgewachsene Milchzähne

7 tygodni – 4 miesiące

7 Wochen bis 4 Monate

0

juvenil = 13

M1 w stadium wyrastania

im Stadium des Auswachsens

4-6 miesięcy

1

M1 wyrośnięty

6-10 miesięcy

6-10 Monate

10

M2 w stadium wyrastania

10-12 miesięcy

10-12 Monate

2

M2 wyrośnięty

ausgewachsen

12-16 miesięcy

6

subadult = 10

M3 w stadium wyrastania

16-24 miesiące

4

M3 lekko starty

leicht abgewetzt

2-3,5 roku

im 2-3,5 Jahr

6

adult = 7

M3 lekko-średnio starty

leicht bis mittel abgewetzt

3,5-5 lat

3,5-5 Jahre

1

M3 mocno starty

stark abgewetzt

6-8 lat

0

M3 mocno starty

> 8 lat

0

I1, P4 wyrośnięte, ze śladami starcia

ausgewachsen, mit Abwetzungsspuren

>16 miesięcy

5

subadult/adult = 5

Razem

gesamt

 

35

 

Tabela 4.  Hausschwein - Altersgliederung am Unterkiefer und Oberkiefer

Unter den Schaf/Ziegen stellten erwachsene Tiere zwischen 2-5 Jahre die stärkste Gruppe dar ( Tab. 5 ). Es fanden sich auch nicht wenige Lämmer bis ca 9 Monate. Manche Exemplare waren Embryos oder neugeborene Tiere. Den geringsten Anteil in der Herde hatten 10-24 monatige Tiere.

Opis stanu uzębienia

Zustand der Zähne

Wiek uboju

Schlachtungsalter

FZ

FZ in Gruppen

 

Zęby mleczne w stadium wyrastania

Milchzähne im Zustand des Auswachsens

0

3

płód/noworodek = 3

Embryo/Neugeborenes

Zęby mleczne wyrośnięte

ausgewachsene Milchzähne

0-3 miesiące

0

juvenil = 8

M1 w stadium wyrastania

im Zustand des Auswachsens

około 3 miesiące

etwa 3 Monate

1

M1 wyrośnięty

ausgewachsen

4-8 miesięcy

4

M2 wyrośnięty, Pd4 w stadium wymiany na P4

Ausgewachsen, im Zustand des Wechsels zu

około 9 miesięcy

3

M2 wyrośnięty

10-17 miesięcy

4

subadult = 5

M3 w stadium wyrastania

18-24 miesiące

1

M3 wyrośnięty

Ø      2 lata

mehr als 2 Jahre

1

adult = 12

M3 lekko starty

leicht abgewetzt

2-3 lata

3

M3 lekko-średnio starty

leicht-mittel abgewetzt

3-4 lata

7

M3 średnio starty

mittel abgewetzt

4-5 lat

1

M3 średnio-mocno starty

mittel-stark abgewetzt

5-7 lat

0

M3 mocno starty

stark abgewetzt

> 7 lat

0

P4 wyrośnięty starty

ausgewachsen, abgewetzt

> 18 miesięcy

2

subadult/adult

Razem

gesamt

 

30

 

Tabela 5. Schaf/Ziege - Altersgliederung am Unterkiefer und Oberkiefer

  

Kulturtechnische Bewertung

Vorläufige archeozoologische Ergebnisse erlauben den Schluß, dass während der Entwicklung der Siedlung in Bruszczewo, zu den Hauptaspekten des Wirtschaftens die Zucht von Tieren gehörte. Darüberhinaus wurden natürlich Ressourcen der Tierwelt ausgebeutet. Zu den wichtigsten hierbei gehörte zweifellos die Jagd auf große Säuger: Wildschweine, Hirsche Ochsen. Zu den kleineren Beutetieren gehörte das Reh. Zu den gejagten Pelztieren gehörten Biber, Marder, und Hasen. Es wurden Wildvögel gefangen. Eine weitere Form der Ausbeutung stellt der Fischfang dar.

Die erhaltene Zusammenstellung von Gattungen beweist die Reichhaltigkeit  der Umwelt der Siedlung. Gattungen wie der Auerochsen, der Hirsch, im gewissen Sinne auch das Wildschwein und das Reh, können als Vertreter des Waldbiotops betrachtet werden. Der Hase als Bewohner weitgehend freier Flächen, kann auf das Vorhandensein solcher in der Umgebung schließen lassen. Da sich allerdings nur wenige Hasenknochen finden, werden bewaldete Flächen überwogen haben. Von der Existenz von Waldlichtungen, Wiesen und Bebaungsflächen zeugt der kräftige Anteil von Rehen, für die der Wald ein Rückzugsgebiet,  die Wiese aber den Futterplatz darstellt. Vom Vorhandensein von Wasserflächen zeugen nicht nur Fischfunde, aber auch der Biber, Sumpfschildkröten, der Elch oder Wasservögel, wie die Stockente.

Das Fleisch entstammte allen Körperpartien  der Rinder, Schweine, Schaf/Ziegen. Die ausgeschlachteten Tiere wurden ohne besondere Vorlieben in ihrer Gesamtheit verzehrt. Der fehlende Unterschied im Auftreten der Vordergliedmaßen, wie der Hüftgliedmaßen bei den erwähten Gattungen deutet daraufhin ( Tab.2 ). Vielleicht gelingt in der Zukunft, durch eine eingehende Analyse der Elemente des Knochengerüstes, in den jeweiligen Teilen des Standortes, die Bestimmung von Konzentrationen, die mit der Verteilung der ausgeschlachteten Tiere innerhalb der Siedlung zusammenhängt. Die ganzen Kadaver der erbeuteten Tiere, selbst wenn sie nach der Jagd zerteilt worden sind, gelangten in die Siedlung. Das hing höchstwahrscheinlich mit der Nutzung auch der übrigen Bestandteile des tierischen Körpers zusammen, vor allem der Knochen zur Herstellung von Gegenständen des täglichen Gebrauchs und von Schmuck.

Das Alter geschlachteter Tiere zeigt, dass zumeist junge Tiere, die noch  nicht zur Reproduktion der Herde beitragen konnten, ausgewählt wurden. Die zweite Nutzgruppe stellten erwachsene Tiere dar. Die Kühe lieferten eine gewisse Menge Milch und wurden vielleicht als Zugtiere eingesetzt. Ein reiner Fleischliferant war das Schwein. Das Fleisch der jüngeren Exemplare ( bis 1 Jahr ) enthielt weniger Fett. Man kann daher schließen, dass derartiges Schweinefleisch von den Siedlungsbewohnern bevorzugt wurde. Die älteren Tiere lieferen zusätzlich Speck. Auch bei Schaf/Ziege wurde das Fleisch jüngerer Tiere bevorzugt. Die Erhaltung einer gewissen Anzahl von Tieren gewährleistete die Gewinnung von Wolle und Milch.

Im Zuge der Tierhaltung ging es nicht in allererster Linie darum, einen einzelnen Vorteil zu erlangen, in Form von Fleisch oder sonstigem. Das Rind und die Schaf/Ziege wurden im jungen Alter getötet um Fleisch zu gewinnen, während man von erwachsenen Exemplaren zeit ihres Lebens anderweitigen Nutzen zog. Und selbst beim Schwein gewann man Fleisch von unterschiedlichen Eigenschaften. Das Ziel der Tierhaltung bestand also darin, einen gefächerten Nutzen daraus zu ziehen.

  

Schluß

Im vorliegenden Artikel wurden nur wichtigste Ergebnisse der immer noch laufenden Untersuchungen vorgestellt, sowie ihre vorläufige Interpretation. Sie können aber bereits jetzt als repräsentativer angesehen werden als ihre Vorgänger, da sie durch die Identifikation zweier, unterschiedlich gewonnener Fundreihen erstellt wurden. Es steht noch die Analyse folgender Fragestellungen aus: Vorgehensweise beim Zerlegen der Tierkörper,  Vorhandensein pathologischer Veränderungen anhand des Knochenmaterials, sowie die Auswertung osteometrischer Messungen zur Ermittlung der Gestalt der Zuchttiere. Nötig werden auch Vergleichsstudien zur Arbeit des M. Sobocinski, sowie eine Betrachtung der Grundsätze des Wirtschaftens in der Siedlung, in einem breiteren zeitlichen und räumlichen Kontext.

In der Polnischen Tiefebene handelt es sich bei Bruszczewo um den einzigen Standort mit beachtlichem Fundmaterial, das Informationen enthält, die zur Klärung der Fragen der Prinzipien des Wirtschaftens mit Tieren, der Tierwelt selbst, sowie der Ausbeutung der natürlichen Umwelt durch den Menschen beitragen könnten.

  

Literatur

Benecke N

1994 Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung  (Stuttgart).

Gotfredsen A.B., Makowiecki D.

(w druku) Bones of Birds. [w:] T. Malinowski (red.), Komorowo, stan. (Standort)1: grodzisko  kultury łużyckiej i osadnictwo wczesnośredniowieczne, (Siedlung der Lausitzer Kultur und frühmittelalterliche Siedlungspraxis)vol. 1.

Lasota - Moskalewska A.

1997   Podstawy archeozoologii. Szczątki ssaków, (Grundsätze der Archeozoologie. Überreste von Säugern)Warszawa.

Makowiecki D.

2001 Hodowla oraz użytkowanie zwierząt na Ostrowie Lednickim w średniowieczu. (Zucht und Nutzung von Tieren in Ostrow Lednicki im Mittelalter) Studium archeozoologiczne, Biblioteka Studiów Lednickich, t. 6.  Poznań.

Makowiecki D., Makowiecka M.

1998   Gospodarka zwierzętami we wczesnej epoce brązu na Niżu Polskim w świetle źródeł archeozoologicznych,  (Das Wirtschaften mit Tieren in der Polnischen Tiefebene der Frühbronzezeit)[w:] A. Kośko, J. Czebreszuk, (red.) „Trzciniec”: system kulturowy czy interkulturowy proces?, Poznań, s. 273 - 284.

Reitz E.J., Wing E.S.

1999  Zooarchaeology, Cambridge.

Schmid E.

1972  Atlas of animal bones for prehistorians, archaeologists and Quaternary geologists, Amsterdam, London, New York.

Sobociński M.

1977 (1975) Materiał kostny zwierzęcy z wykopaliskach osady z II okresu epoki brązu w Bruszczewie, woj. Leszno, (Das Ausgrabungsknochenmaterial aus der Siedlung, aus der 2-ten Phase der Bronzezeit, in Bruszczewo, Woiwodschaft Leszno) Fontes Archaeologici Posnaniensis, t. 26, s. 43-62.