Pollenanalytische Untersuchungen im Bereich der bronzezeitlichen Seeuferstation “Bruszczewo” (Polen)

Befund 3 5 - ein Vorbericht

 

Jean Nicolas Haas (Innsbruck)

Bei Befund 35 handelt es sich um ein Schichtsubstrat mit hohen organischen Anteilen, das in enger Verbindung zur Holzkonstruktion in Schnitt 15 gesehen wird. 14C-Bestimmungen aus Befund 35 ergaben eine Datierung in das 19. vorchristliche Jahrhundert, was auch den dendrochronologischen Bestimmungen der hölzernen Befestigung entspricht.

Hier die Pollenresultate von Befund 35 von Bruscecwo.

Allgemein muss festgehalten werden, dass eine sehr hohe Pollenkonzentration (>>100000 / cc) und eine ausgezeichnete Pollenerhaltung vorhanden sind. Weiterhin finden sich in Unmengen Holzkohlepartikel und Holzpartikel. Bezüglich des Verhältnisses Baumpollen-Nichtbaumpollen zeigt sich ein für eine Kulturschicht typisches Bild (n=542=ausgezähltes Pollen/Sporen-Total):

BP: 27.9 %

NBP: 68.6%

Sporenpflanzen 1.3%

Varia/Indet: 2%

 

Im Einzelnen:

Baum/Strauchpollen: Dominant ist hier die Kiefer-Pinus mit 15.3%, gefolgt von der Hainbuche-Carpinus mit 3.1%, der Erle-Alnus mit 2.6% (Feuchte Standorte).

Alle weiteren Arten zeigen Werte um 1% oder darunter (Quercus, Corylus, Betula, Salix, Fraxinus, Tilia, Juniperus, Ilex, Ulmus, Sambucus, Acer, Picea).

Das Artenspektrum weist auf die typische Wald/Busch-Vegetation hin wie sie für diese Zeit zu erwarten ist.

Ganz anders aber bei den

Nichtbaumpollen: Hier ist dominant der Panicum-Setaria-Pollentyp (=Hirse) mit 19.7% ! Dies belegt die Nutzung dieser Kulturpflanze und ist insofern besonders, als dass sie in den Makrorestanalysen bisher noch nicht aufgetreten ist. Hier lässt sich sehr schön zeigen, dass die Analyse der Pollen und Makroreste aus der gleichen Kulturschichtprobe wunderbare, sich ergänzende Resultate liefern (vgl. Karg). Ebenfalls vorhanden: Weizen-Typ-Pollen (3.7%) und Hordeum (0.9%).

Dieser Befund besticht im weiteren mit unüblich hohen Körbchenblüter-Asteraceae-Werten von fast 17%, die v.a. aus Carduus/Cirsium (5.5%), Aster-Typ (5.5%) und Artemisia (5.4%) bestehen. Zusammen mit den vielen weiteren Nichtbaumpollentypen (>20), die durchaus aus Wiesenartigen Gesellschaften herkommen könnten (z.B. Succisa 0.6%), dürfte es sich hierbei um Futterreste handeln. Exkremente finden sich in den Makro-Schlämmresten immer wieder, und koprophile Pilzsporen sind in den Pollenproben ebenfalls immer wieder zu finden.