Johannes Müller und Janusz Czebreszuk (Kiel/Poznan)
Forschungsgeschichte
Der früh- und mittelbronzezeitliche Fundplatz Bruszczewo 5 liegt etwa 5km ö der Stadt Smigiel in der großpolnischen Woiwodschaft Leszno (Abb. 1).
Abb.
1 Die Lage des Fundplatzes a
Auf einem spornartig in die Aue der Samica hineinragenden Vorsprung wurden im Jahre 1943 durch E. Schlicht prähistorische Scherben aufgelesen (Abb. 2-3). Weitere Begehungen belegten mit zahlreichen Funden die Bedeutung des Fundplatzes, so dass Z. Pieczynski 1964 bis 1968 Grabungen für das Archäologische Museum Poznan durchführte (PIECZYÑSKI 1966; PIECZYÑSKI 1974; PIECZYÑSKI 1974; PIECZYÑSKI 1975; PIECZYÑSKI 1978; PIECZYÑSKI 1978). Dabei wurden im Bereich des Sporns Befunde aufgedeckt, die als Aunjetitzer Steinbefestigung und als Aunjetitzer Metallwerkstatt in die Literatur eingingen (insbesondere PIECZYÑSKI 1985). Der mittelbronzezeitlichen Lausitzer Gruppe wurden u.a. Ackerspuren zugeordnet (PIECZYÑSKI 1966).
Abb.
2 Die Lage der frühbronzezeitlichen Fundplätze im Bereich der mittleren
Samicaniederung. 1 Bruszczewo 5 (befestigte Siedlung); 2 Przysieka Polska
(Depotfund 1886); 3 Bojanowo Stare (Depotfund 1886); 4 Bruszczewo 9 (Oberflächenfund;
Siedlung); 5 Bruszczewo 2 (Oberflächenfund; Siedlung); 6 Stare Bojanowo 4
(Oberflächenfund; Siedlung).- Legende: grün heutige Weideniederung; grau
bebaute Flächen, Wege und Eisenbahnlinie; schraffiert rekonstruierter
bronzezeitlicher See.

Abb.
3 Luftbild aus südlicher Richtung auf den Fundplatz. Der Verlauf des Grabens
ist markiert. Legende: M Plateau mit Mineralbodenbedingen; NS Niederungsgebiet
der Samica mit Fuechtbodenbedingungen (Luftbild: J. Müller).
In
den Jahren 1995 bis 1997 führte das Institut für Urgeschichte der
Adam-Mickiewic-Universität unter Leitung von J. Czebreszuk mehrere Sondagen
durch, um die Erosionserscheinungen und das archäologische Potential am
Fundplatz erneut zu erkunden. Damit ergab sich die Möglichkeit, die
Befundinterpretation Z. Pieczynskis mit modernen Grabungsmethoden und
naturwissenschaftlichen Datierungen zu überprüfen (CZEBRESZUK/KADROW 1998.
Tatsächlich konnte so einerseits die Bedeutung der vorliegenden Befunde und
Funde bestätigt werden. Andererseits wurde aber klar, dass keineswegs eine
Stein/Erdebefestigung der frühbronzezeitlichen Fundstelle vorliegt. Stattdessen
wurde ein bisher unbekannter Graben entdeckt, der die eigentliche Siedlungsfläche
vom hügeligen Hinterland abtrennt. Darüber hinaus zeigten sich erstmals im
Graben Befunde mit Feuchtbodenerhaltung.
Aufgrund
dieser vielversprechenden Quellenlage begann 1999 ein gemeinsames
polnisch-deutsches Grabungsprojekt unter Leitung der beiden Autoren. Von
deutscher Seite waren institutionell in der ersten Grabungskampagne das Institut
für Prähistorische Archäologie Berlin, im zweiten und abschließenden dritten
Jahr die Professur für Vor- und Frühgeschichte Bamberg, seit neuestem das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel beteiligt. Finanzielle
Unterstützung leisteten die Forschungsförderungen der beteiligten Universitäten
Kiel, Bamberg, Berlin und Poznan, die Polnisch-deutsche Stiftung Warschau, die
Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Archäologische Gesellschaft Poznan.
Allen sind wir zu Dank verpflichtet. Bei den Grabungen 1999-2001 wurden neben
weiteren Mineralbodenarealen vor allem Feuchtbodenbefunde unterhalb des
Siedlungsspornes am Rande der Samica-Niederung entdeckt, über die berichtet
werden soll.
Im
Rahmen der Grabung und der laufenden kooperativen Auswertung waren und sind
weitere Wissenschaftler und Institutionen beteiligt, für deren bereitwillige
Teilnahme wir Dank aussprechen
wollen: Adriana Romanska (Poznan), Christoph Schilz (Bamberg) und Patrycja
Silska (Poznan) als örtliche Grabungsleiter und -leiterinnen; Jean-Nicolas Haas
(Innsbruck), Karl-Uwe Heussner (Berlin), Peter Honig (Bamberg), Sabine Karg
(Kopenhagen), Daniel Makowiecki (Poznan), Knut Rassmann (Frankfurt), M. Krapiec
(Krakau) und Bernhard Weninger (Köln) für naturwissenschaftliche Analysen. Die
drei Sommerkampagnen der Jahre 1999-2001 dauerten jeweils vier Wochen. Neben 10
Arbeitern, die das Arbeitsamt Koscian zur Verfügung stellte, waren jeweils etwa
15 polnische, deutsche und britische Studentinnen und Studenten an den Grabungen
beteiligt.
Topographische Lage
Der
Fundplatz Bruszczewo 5 liegt im Bereich der flachwelligen weichselkaltzeitlichen
Grund- und Endmoränenlandschaft Großpolens, angeschlossen an das
Warschau-Berliner Urstromtal im Bereich des mittleren Obralaufes. Das Gebiet
entwässert über die Samica zur Obra, welche weiter westlich, begleitet von
weiten Niederungsflächen, in die Oder mündet. Während das westliche und
nordwestliche Hinterland der Fundstelle von Grundmoräne aufgebaut wird, liegt
der Fundplatz selbst zu großen Teilen auf dem inselförmigen Rest einer
weichselkaltzeitlichen Terrasse der Samica (74,9m über NN; ca. 1,5ha groß;
vgl. Abb.2-3). Dieser wird aus fluviatilen Sanden aufgebaut. Durch die holozänen
Denudations- und Akkumulationsprozesse ist er heute spornartig mit der Moränenlandschaft
verbunden, die im Ort Bruszczewo eine Höhe von 93,26m über NN erreicht. Der
teilweise natürliche Graben, der ehemals die sandige Insel nnw vom
nächsten Moränenrücken trennte, ist sowohl auf dem Luftbild erkennbar
(Abb. 3; vgl. Abb. 6) als auch durch Bohrungen und in den Grabungsschnitten
erfasst.
Auf
den Terrassensanden des Plateaus sind Braunerden und Parabraunerden entwickelt,
an seiner W-, S- und SW-Seite wird es von Torfen des ca. 5m tiefer liegenden
Niederungsmoores des Samica-Tales umgeben. Die Samica-Niederung wurde im 19.
Jahrhundert meliorisiert; Seekreidebildungen weisen darauf hin, dass hier
bis vor ca. 150 Jahren mindestens zeitweilig ein stehendes Gewässer
existierte. Aufgrund der Torfprofile ist davon auszugehen, dass die Grenzen
dieses stehenden Gewässers spätestens ab der mittleren Bronzezeit in etwa der
heutigen 70m-Höhenlinie entsprachen (vgl.Abb.2). Somit ist mit einem ca. 33ha
großen stehenden Gewässer zu rechnen, dass sich in N-S Richtung östlich vor
dem halbinselartigen Sporn befand. Ursprünglich verlief der Ausfluss in einer
heute noch erkennbaren länglichen Depression, die sich nw Bruszczewos im Gelände
abzeichnet. Kleinere Wasserstellen und Tümpel befinden sich rezent an drei
Stellen im Bereich des ehemaligen Sees. Die Feuchtbodenbefunde, die in den
Kampagnen 2000-2001 ergraben wurden, sind dem Sporn östlich vorgelagert und
befinden sich somit zwischen Sporn und ehemaligem See (Abb. 6).
Abgesehen
von der Melioration im 19. Jahrhundert wurde das Gelände erneut 1932
umgestaltet. Ein zusätzlicher, zumeist wasserführender Drainagegraben
wurde ca. 1km ssw des Fundplatzes von der begradigten Samica abgezweigt
und flussparallel angelegt (s. Abb. 2). Er biegt
erst an der Terrassenkante des Fdpl. 5, dem natürlichen Relief folgend,
nach NNW ab und bewässert dort einen neuen Fischteich. Dieser Graben, u.a.
durch Weiden und Pappeln markiert (vgl. Abb. 3), muss immer wieder ausgegraben
werden. Durch entsprechende Arbeiten im Areal der Fundstelle kommt es zu Störungen
archäologischer Straten. Die
intensive agrarische Nutzung des Plateaus führt durch Bodenerosion ebenfalls
zur Zerstörung archäologischer Befunde. Es besteht aber wegen der Weide- und
Wiesennutzung des Niedermoortorfes ein Interesse der lokalen Grundbesitzer an
einem hohen Grundwasserstand.
Kulturelle
Lage
Die
Funde und Befunde auf dem Fundplatz Bruszczewo 5 reichen von der Frühbronzezeit
bis in die römische Kaiserzeit. Unser Interesse bezieht sich zunächst auf die
Frühbronzezeit, da sich die Siedlungsstelle in der nordöstlichsten
Siedlungskammer der Aunjetitzer Kultur, der sogenannten Koscian-Gruppe befindet
(vgl. ROMANSKA 2000). Diese Gruppe markiert eine Siedlungskammer im oberen
Verlauf der Obra und weist herausragende Fundplätze auf (Abb. 4-5). Etwa 13km
nnw Bruszczewos befindet sich die reich ausgestattete Hügelgräbernekropole von
Leki Male, Gdm. Poniec (zusammenfassend KNAPP 2001), 4km sö das Aunjetitzer
Grab von Kleszczewo, Gdm. Osieczna (zus. ZICH 1996, 569 Q40). Nördlich der Obra
kennen wir den reich ausgestattet Depotfund von Granowo (SARNOWSKA 1969, 171ff.
Abb. 51-52,a-r), südlich die von Szczodrowo (SARNOWSKA 1969, 202 Abb. 67c-e),
Kokorzyn (SARNOWSKA 1969, 181 Abb. 54h-j), Naclaw (SARNOWSKA 1969, 193 Abb.
61g-h), Przysieka Polska (SARNOWSKA 1969, 197f. Abb. 64b-g; ZICH 1996, 573 Q98)
und Bojanowo Stare (SARNOWSKA 1969,
170 Abb. 50f.).
Abb.
4 Die Lage des Fundplatzes Bruszczewo am nö Rand des Aunjetitzer
Siedlungsgebietes. Die großpolnischen Fundplätze n der Schlesischen Gruppe
markieren in etwa die räumliche Ausdehnung der Koscian Gruppe. Zur Verbreitung
der Gruppen der mitteleuropäischen Frühbronzezeit vgl. auch
STRAHM 1996.
Abb.
5 Befestigte Siedlungen und andere Fundplätze der großpolnischen Frühbronzezeit.
1 Slopanowo; 2 Biskupin 2a; 3 Bruszczewo; 4 Pudliszki; 5
Leki Male. Legende: Kreise Aunjetitzer Fundplätze; Quadrate Trzciniec
Fundplätze; Sterne befestigte Siedlungen; Dreieck besondere Gräber (Nachweise
s. Text).
Bei
den Altfunden von Przysieka Polska und Bojanowo Stare, die auf der nö bzw. sö
Seite des rekonstruierten Sees in Zusammenhang mit Maßnahmen zum Eisenbahnbau
1886 in jeweils nur ca. 1,5 km Entfernung von Bruszczewo 5 gefunden wurden (Abb.
2), handelt es sich möglicherweise nicht um Depots, sondern um Gräber. Die
Gegenstände von Przysieka Polska befanden sich "etwa fünf Ellen tief in
der Erde und waren mit einem Haufen Steinen von verschiedener Größe zugedeckt.
Der Steinhaufen lag 2 Fuß tief unter der Oberfläche" (ERZEPKI 1887, 27).
Mit drei Dolchen (davon ein Vollgriffdolch in Hohlgusstechnik hergestellt),
einem Randleistenbeil, einem Randleistenmeißel mit rhombisch verbreiteter
Mittelrippe und einer gelochten Bernsteinperle hätten wir eine reiche
Bestattung vorliegen. Lokaltopographisch dürfte sich mit den Funden von
Przysieka Polska und Stare Bojanowo ein Deponierungs- oder Bestattungsareal der
frühbronzezeitlichen Siedlungslandschaft von Bruszczewo andeuten. Ob darüber
hinaus direkte Bezüge zwischen Leki Male und Bruszczewo als einziger bisher
bekannter befestigten Siedlung der Koscian-Gruppe bestanden, muss z.Z. noch
offen bleiben.
Neben
der lokalen und kleinregionalen kulturellen Topographie reiht sich Bruszczewo
offensichtlich in ein Netz befestigter frühbronzezeitlicher Siedlungen im
westlichen Warthegebiet ein, die von Klosinska (KLOSINSKA 1997, 18ff.)
vorgestellt wurden (Slopanowo, Bruszczewo,
Pudliszki). Hinzu kommt Biskupin, Fpl. 2a (GROSSMAN 1998). Abb. 5 vermittelt ein
Modell zentralörtlicher Positionen befestigter Siedlungen in der Grenzlage
zwischen Trzciniec und Aunjetitz.
Die
Ausgrabungen
Die
Ausgrabungen durch Z. Pieczynski (Archäologisches Museum Poznan) 1964-1968
erfassten etwa ein Drittel des zentralen Mineralbodenareals des Fundplatzes
(Abb. 6). Die in Vorberichten publizierten Ergebnisse wurden im Rahmen einer
Magisterarbeit an der Universität Poznan neu aufgearbeitet (SILSKA 2001). Z.
Pieczynski ergrub insgesamt 5640m2. Dabei wurde sowohl ein kreuzförmiger
Suchschnitt angelegt als auch eine zusammenhängende Fläche, bestehend aus
insgesamt 23 Schnitten, aufgedeckt. Ein weiterer Schnitt am östlichen Rand des
Plateaus diente dazu, die vermeintlichen Befestigungsstrukturen zu untersuchen.
Über 4000 Keramikeinheiten, 3200 Tierknochen, 300 Rotlehme, ca. 30
Silexartefakte, ca. 50 Felsgesteinartefakte und 10 Bronzeobjekte kamen zutage.
Diese stammen aus dem Oberboden, den 81 Grubenbefunden, den Pfostenlöchern und
einigen Schichtzusammenhängen.
Eine genaue Zuordnung der Funde zu einzelnen Befunden ist nur noch partiell möglich.
Neben der Fundaufarbeitung wurden botanische Großrestanalysen, osteologische
Bestimmungen und 14C-Datierungen vorgenommen.
Abb.
6 Die Grabungsflächen nach Grabungskampagnen. Neben den Grabungsflächen sind
die Grenzen der kolluvialen Bodenakkumulationen zum Spornrand bzw. im nördlichen
Graben markiert (graue Grenzen).
Die
Aktvitäten durch J. Czebreszuk (Universität Poznan) 1995-1998 umfassten sechs Schnitte und kleinere Sondagen, die
einerseits auf dem Plateau weitere Flächen berührten, andererseits im
Grabenbereich gezielt stratigraphische Grabungen vornahmen.
Ein Borhprogramm begleitete die Grabungen, mit dem im 8 x 8 m Raster der
Aufbau des oberflächennahe Untergrundes ergründet wurde (Abb. 7). Neben den
Grubenbefunden und Pfostenlöchern auf dem Plateau, die den Ergebnissen
Pieczynskis entsprachen, konnten im Bereich des Grabens
Befestigungsstrukturen, teilweise unter Feuchtbodenerhaltung, aufgedeckt werden.
Neben kleineren Vorberichten wurden die Ergebnisse in einer Abschlussarbeit
an der Universität Poznan vorgelegt (ROMANSKA 2000).

Abb.
7 Eine 3-D Höhenmodell mit Grabungsschnitten (w
Die
gemeinsamen polnisch-deutschen Unternehmungen 1999-2001 zielten darauf ab,
erstens die Grabenstruktur in verschiedenen Bereichen der Siedlung genauer zu
erfassen, zweitens im zentralen Mineralbodenbereich weitere Befunde aufzudecken
und drittens im Feuchtbodenareal, falls Befunde vorhanden sind, eine
Feuchtbodengrabung zu installieren. Dafür wurden sechs weitere Schnitte
angelegt, die sich auf das Plateau bezogen, drei Schnitte, die das Grabenareal
berührten und drei weitere, die sich auf den Feuchtbodenkomplex der Niederung
bezogen (Abb. 6). Begleitet wurden die Aktivitäten im Feuchtbodenareal durch
ein weiteres Bohrprogramm, das sowohl ein Höhen- als auch ein
Kulturschichtmodell lieferte (DUCKE 2001). In den Jahren 2000 und 2001 wurde auf
der Grabung eine Schlämmanlage installiert. Das grundsätzliche Ziel bestand
darin, die interne Siedlungstopographie einer befestigten Aunjetitzer Siedlung
zu modellieren und die unter Feuchtbodenbedingungen gegebenen Möglichkeiten zur
Rekonstruktion von Wirtschaft und Umwelt auszuschöpfen.
Zur
Zeit werden die Grabungsergebnisse ausgewertet; in diesem Vorbericht soll kurz
ein Überblick über die grundsätzlichen Siedlungsstrukturen mit Schwergewicht
auf den Feuchtbodenareale gegeben werden.
Die
Befunde
Trotz
der erheblichen Erosionsprozesse, die ausweislich der kolluvialen Sedimente mit
mittelbronzezeitlichen Fundmaterial frühestens am Ende der Frühbronzezeit
einsetzten, konnten wichtige Strukturen der Siedlung erfasst werden. Es handelt
sich dabei um drei Areale bzw. Befundgruppen, die im folgenden getrennt
vorgestellt werden sollen: erstens den vor allem von Pieczynski erfassten
Zentralbereich der Siedlung, zweitens das Grabenareal im N und NW und drittens
die Feuchtbodenstrukturen im Osten (Abb. 8).
Abb.
8 Grabungsschnitte und Befunde. Markiert sind Gruben und Befestigungen. Legende:
rot Gruben ohne Hinweise auf Metallverarbeitung; gelb Gruben mit Hinweisen auf
Metallverarbeitung; schwarze Linien (durchgezogen) Befestigung; schwarze Linien
(gestrichelt) rekonstruierte Befestigung; Zahlen/Buchstaben im Text erwähnte
Schnitte; grau Grenzen der kolluvialen Akkumulationen.
Die
Innenfläche
In
einem zentralen Areal des Plateaus befinden sich 82 Gruben und zahlreiche
Pfostenlöcher, die aufgrund des Fundmaterials der Frühbronzezeit zugewiesen
werden können (Abb. 9). Sowohl durch die Grabungsschnitte Pieczynskis als auch
die neueren Grabungen wurden zumindest im N und NW, wahrscheinlich auch im O des
Plateaus die Grenzen der Fläche mit Gruben und Pfostenlöchern erreicht.
Offensichtlich wird ein Abstand von ca. 20m zum Graben bzw. zum Hangabfall
eingehalten. Obwohl die zumeist nur geringe Mächtigkeit der frühbronzezeitlichen
Gruben und die bereits angesprochene kolluviale Grabenverfüllung auf einen
erhebliche Bodenabtrag hinweisen, dürfte es sich bei diesem Regelabstand nicht
um eine Folge der Erosion handeln. Andernfalls wäre der Abstand zum Graben in höheren
und niedrigeren bzw. steileren und flacheren Bereichen der rezenten und der
erbohrten subrezenten Oberflächen unterschiedlich ausgefallen.
Abb. 9 Die Innefläche des Plateaus mit Gruben, Pfostenlöchern (graue Kreise) und Steinsetzungen (schwarz). Metallverarbeitung ist in gelb gekennzeichneten Gruben und Fläche M/W nachgewiesen. Legende: vgl.Abb. 8.
Die Gruben haben bei einem Schwankungsbereich zwischen 0,30 und 4,34m
zumeist einen Durchmesser von 0,9-1,5m, sie sind oft nur noch 20-40cm tief, nur
selten über 1m. Die Verfüllung besteht zu zwei Dritteln aus einheitlich
wirkenden Braunerden mit hohem Humusanteil, ab und an durch Steinsetzungen
unterbrochen. Nur bei Grube 78 handelt es sich um eine halb angeschnittene
trapezförmige Struktur, die eine Feuerstelle aufweist. Möglicherweise haben
wir es mit einer subterranen Hüttenanlage zu tun, deren Gräbchen auf einer Länge
von 4,40m und einer Breite von noch 2,40m, ursprünglich wohl ebenfalls etwa 4m,
erfasst wurde (ROMANSKA 2000; SILSKA 2001).
Die 111 aufgefunden Pfostenlöcher lassen sich nur zum Teil chronologisch
ansprechen. Auch wenn sich einzelne lineare Reihen rekonstruieren lassen, ist
die Rekonstruktion von Hausgrundrissen nicht möglich.
Die Metallobjekte und Gussformen, die Pieczynski mit der angesprochenen
"Metallwerkstatt" verbunden hat (Abb. 10), stammen aus ganz
unterschiedlichen Arealen (SILSKA 2001). So fanden sich der Gusstiegel (Abb.
10,10), eine Tondüse (Abb. 10, 5), ein Probierschälchen (Abb. 10,7), drei
Keramikuntersetzer (Abb. 10,6) und die steinerne Gussform für den Armring (Abb.
10,10) im Bereich von Schnitt W außerhalb der Gruben (vgl. Abb. 9). Weitere
Tondüsen und Geräte wurden in der randlich gelegenen Grube 67 bzw. dem
Wallschnitt am östlichen Rand der Plateausiedlung entdeckt (Abb. 10). Auffällig
bleibt, dass diese Objekte aus Randbereichen des Grubenareals oder aber von
einem grubenfreien Areal innerhalb der Siedlung (Schnitt W)
stammen. Dies kann sicherlich als ein weiteres Element der räumlichen
Organisation der Siedlung (Metallhandwerk am Siedlungsrand oder im Bereich eines
freien Platzes) verstanden werden. Die Metallanalysen zeigen, dass es sich
sowohl um ein silberreiches als auch ein silberarmes Kupfer mit Zinnwerten bis
zu 6% handelt (Rassmann, pers. Mitt.).
Abb.
10 Verschiedene Objekte zur Metallproduktion.- 1-4 Zinnbronze; 5-9. 11-13
Keramik; 10 Stein (M 1:4; Nachweise s. Text).
Als typisch frühbronzezeitliche Grube soll hier Objekt 20 vorgestellt werden. Es handelt sich um eine ca. 50cm tiefe, unregelmäßige Verfärbung, die im oberen Drittel eine Feuerstelle aufweist (Abb. 11).

Abb.
11 Grube 20. 1 Humus, leicht verbleicht (dunkelgrau); 2 Humus, mittel verbleicht
(grau); 3 Humus, stark verbleicht (hellgrau); 4 Sand; 5 Schicht mit verbranntem
Material; 6 Keramik; 7 Knochen; 8 Steine; 9 Lehmestrich. Datierung: Ki-5905
3340+-40BP, Holzkohle.
Obwohl keine Aunjetitzer
Tasse nachgewiesen ist, entsprechen die Keramikformen Zich Typ 8C4, Zich Typ 8C2
und wohl auch Zich Typ 8B1 (Abb. 12, 12-14) und Zich Typ 21B (Abb. 12, A15).
Damit sind Aunjetitzer Vorratsgefäße, Griffleisten-
und Knubbenbecher vertreten. Im Rahmen der Zichschen Chronologie würde es sich
hier eher um jüngere Formen handeln (ZICH 1996, 328ff. Abb. 11). Dagegen können
wir die Becher mit ausladendem Rand (Abb. 12, 1-3) mit Trzciniec Phase 1
assoziieren (vgl. MAKAROWICZ 1998, Taf. 20-27). Demnach wäre die Grube in etwa
in das 20.-18. vorchristliche Jahrhundert einzuordnen (vgl. MAKAROWICZ 1998b,
57ff.).
Abb.
12a Grube 20. Keramik.
An Tierknochen wurden aus dem zentralen Bereich 2322 Knochen bestimmt,
von denen 91,4% Haustieren zugeordnet wurden (SOBOCIÑKI 1977). Domestizierte
Rinder (45,7%), Hausschweine (27,80%) und Caproviden (13,26%) dominieren gegenüber
Pferden (1,8%), Hunden (2,8%), Auerochsen (1,4%), Hirschen (2,15%), Rehen
(1,33%), Wildschweinen (2,45%) und Bibern (0,8%). Hasen, Marder, Bären,
Wildkatzen und Vögel sind mit weniger als 0,2% vertreten. Die an zehn Proben
vorgenommen Getreidebestimmungen (KLICHOWSKA 1971) ergaben neben Tritcum
dicoccum (n=390; Weizen) in geringen Anteilen Triticum monococcum (n=5;
Einkorn), Hordeum vulgare (n=7; Gerste), Hordeum sp. (n=1) und an Unkräutern
Equisetum arvense (n=3; Feldschachtelhalm), Rumex acetosa (n=1; Gemeiner
Ampfer), Polygonum convolvulus/ aviculare (n=3; Knöterich), Chenopodium album
(n=7; Weißer Gänsefuß), Veronica hederifolia (n=3; Ehrenpreis) und Avena
fatula (n=1; Hafer).
Die 14C-Daten aus den frühbronzezeitlichen Gruben verweisen auf eine
relativ lange Belegungszeit, deren Schwerpunkt wohl vom 18. bis zum 16.
vorchristlichen Jahrhundert anzunehmen
ist (s. Anhang). Zahlreiche Gruben mit Lausitzer Keramik belegen eine
Siedlungskontinuität bis mindestens in die mittleren Bronzezeit, was durch
weitere 14C-Daten unterstützt wird. Das gesamte Fundmaterial und sämtliche
Befunde des zentralen Siedlungsplateaus sollen in der Abschlusspublikation
vorgelegt werden. Davon betroffen sind sowohl
die Bestände der Altgrabungen als auch die vom Ende des letzten Jahrhunderts (ROMANSKA
2000;SILSKA 2001). Darunter fallen auch 90 Feuersteingeräte, 109
Felsgesteinartefakte (u.a. 23 Mahlsteinfragmente) und 124 Knochenartefakte.
Der
Graben
Bereits mit Hilfe des Bohrprogrammes konnte die Existenz eines Grabens
verifiziert werden, der im Luftbild durch Bewuchsmerkmale sichtbar ist: eine
schwarzhumose, lehmig-tonige kolluviale Ablagerung trennt in einer Breite von
10-22m und mit einer Tiefe von 4m das Plateau vom n und nw anschließenden Moränenhügel
(Abb. 3 u. 8). Vergleichbare Kolluvien finden sich auch im SW, S und W des
Sporns. Sie bestehen aus Material, welches vom Plateau erosiv abgetragen wurde.
Aufgrund der Mächtigkeit der Kolluviuen konnte eine ursprüngliche Höhe des
gesamten Plateaus von 75,5m rekonstruiert werden.
Der eigentliche Graben wurde in den Schnitten 7 im N, 10 im NNW und 17 im
Westen erfasst (Abb. 8). Ein durchgehendes Profil liegt aus Schnitt 7 vor. Der
Graben ist hier in seiner gesamten Breite von 21m und seiner Tiefe von 3,5m
ausgegraben (Abb. 13; die Nummerierung im folgenden Text bezieht sich auf die
Abb.). Abgesehen vom humosen Oberboden (12) und dem verbaunten Unterboden (11)
liegen mehrere kolluviale Schichtpakte vor (3-9), deren Feinstruktur durch
horizontale Sandeinlagerungen und Steinlagerungen auf temporär bestehende
Laufhorizonte hindeutet. Das Fundmaterial aus diesen Schichtpaketen ist bei (9
und 10) mit mittelalterlichen, bei
(7 und 8) mit kaiserzeitlichen und bei (3-6) mit Lausitzer Scherben durchsetzt,
so dass hier ein natürlicher Verfüllprozess des Grabens rekonstruiert werden
kann. Als Störungen dieses natürlichen Prozesses können die Lausitzer (3) und
die mittelalterliche Grube (10) angesprochen werden. Bei (2) handelt es sich um
tonig-lehmigen Untergrund mit unterschiedlichen Rinnenbildungen, der sich zur
Lausitzer Zeit unter
Wassereinwirkung anlagerte, möglicherweise auch Grabaktivitäten markiert.
Abb.
13 Das Grabenprofil in Schnitt 7, Ostwand (Erläuterungen im Text). 1
sandig-lehmiges Substrat (grau-gelb); 2 gelber Sand mit organischen Beimengungen
(Hölzchen, Blätter); 3 lehmiges Bodensubstrat mit Sand (grau); 4 Sand mit
lehmigem Bodensubstrat (grau); 5 dunkelbrauner Sand mit hohem Humusanteil und
horizontalen Ortsteinbändern (dunkelbraun); 6 toniger Lehm mit Beimischung
organischer Substanzen (dunkelgrau); 7 lehmiges Substrat (dunkelbraun); 8
toniger Lehm (schwarz); 9 grauer Lehm mit Ortsteinbändern; 10
lehmiges Mischsubstrat (schwarz, dunkelgrau) ; 11 grauer Lehm mit
Ortseinbändern (hellgrau); 12 humoser Pflughorizont; 13 Anstehendes (fluviatile
Sande).
Frühbronzezeitliche
Scherben stammen aus dem Schichtpaket (1), einer komplexen Stratenbildung aus
tonig-lehmigen, muddeartigen, feinsandigen Bändern und Holzkohleschichten. Das
Schichtpaket wird zusätzlich gestört durch Pfostensetzungen mit Pfostenverzügen,
die zu zwei Palisadenzäunen aus
eng gestellten Pfosten gehören (Abb. 13-15). Während die innere Befestigung
eine Tiefe von 3,80m (69,6m ü.NN) erreicht, befindet sich die äußere auf
einem Unterkantenniveau von 4,50m (68,9m ü.NN) unter der heutigen Oberfläche.
An der inneren Pfostenreihe endet eine extrem lehmig-tonige Schicht, die sich an der
Grenze zum natürlich anstehenden periglazialen Terrassensand hangwärts findet.
Abb. 14 Das Grabenprofil in Schnitt 7, Ostwand während der Ausgrabung.

Abb.
15 Die Befestigungsstruktur der äußeren Pfostenwand in Schnitt 7.
Die äußere Pfostenreihe reicht unter den heutigen Grundwasserspiegel,
so dass sich unter Luftabschluss Reste von Eichenpfosten erhalten haben. Über
eine 14C-Datierung war ein Einhängen der Sequenz mit Schlagkante auf 1923
v.Chr. möglich. Weitere 14C-Daten zeigen, dass der Hauptteil der Sedimentation
des Schichtpaktes im 18. und 17. vorchristlichen Jahrhundert anzusetzen ist (s.
Anhang).
Die Sedimentationsprozesse der Kolluvien und die Rinnenbildung auf der
Sohle verweisen darauf, dass der Graben -zumindest zeitweise- wasserführend
war. Offensichtlich ist hier ein natürlicher o-w verlaufender Graben an seinem
südlichen Hang durch eine Doppelbefestigung als Zugangshindernis am Ende des
20. vorchristlichen Jahrhunderts ausgebaut worden. Im 18. und 17. Jahrhundert
zeigen sich erste Kolluvienakkumulationen, - vom Plateau wird Bodenmaterial an
und über der Befestigungskonstruktion abgelagert. Spätestens im 16.
Jahrhundert ist eine weitere, erhebliche kolluviale Ablagerung zu bemerken, die
durchschnittlich zu einer Niveauerhöhung um 70-80cm führt. Das Auffüllen des
Grabens wird durch ein erneutes Nachgraben in der römischen Kaiserzeit
unterbrochen; im Mittelalter erfolgt dann die wesentliche Auffüllung.
Auch in Schnitt 10 wurde eine komplexe Stratigraphie ergraben, die sich
am äußersten Rand des über Bohrungen hier nachweislich auslaufenden Grabens
befindet (Abb. 16). Erneut fanden sich unter dem humosen Oberboden (1) und dem
verbraunten Unterboden (2) Ablagerungen kolluvialer Natur, die nur selten durch
Störungen unterbrochen waren. Diese Schichtpakete bargen vor allem
kaiserzeitliche Keramik (3, 4). Auch findet sich eine 70-80cm mächtige
Ablagerung mit Lausitzer Keramik, die in das 16. vorchristliche Jahrhundert
datiert (5). Eine darunter liegende Brandschicht von 3-10cm Mächtigkeit mit
bereits frühbronzezeitlichen Scherben datiert in den Übergang von 17. zum 16.
Jahrhundert (8, 10). Schließlich folgen torfhaltige Lagen (19) und Sandbänder
in Hell-Dunkler-Wechsellage (20) mit frühbronzezeitlicher Keramik, die
Feuchterhaltung aufweisen. Diese Befunde gehören dem 17. und 18. vorchristliche
Jahrhundert an (s. Anhang) und lassen sich mit den Befunden im
Feuchtbodenbereich korrelieren.
Abb.
16 Das Ostprofil in Schnitt 10. 1 humoser Pflughorizont; 2 grauer Lehm mit
Ortseinbändern (grau); 3 dunkelgrauer Sand; 4 hellgraues Lehmsubstrat; 5
dunkelbrauner Sand mit hohem Humusanteil und horizontalen Ortsteinbändern
(dunkelbraun); 10 toniger Lehm (dunkelgrau); 8 Asche- und Holzkohlehaltiger
dunkelgrauer toniger Lehm; 19 sandiger Lehm mit hohem organischem Anteil
(Holzschnipsel); 20 Torf- und Sandbänder mit organischen Anteilen
(Holzschnipsel); 21 Anstehendes (fluviatale Sande).
Die Struktur des gewachsenen Bodens zeigt einerseits Reste
fluviatil-erosiver Wassereinwirkung mit verstürzten Sandblöcken, was für
periglaziale Vorgänge (Dauerfrost) anzunehmen ist, andererseits Hinweise auf
anthropogene Terrassierungen. Auf einer solchen unteren Terrasse konnte eine
auslaufende Pfostenreihe aufgedeckt werden, die wahrscheinlich den Rest der
inneren Befestigung aus dem 15m nnw liegenden
Schnitt 7 darstellt. Die Niveaus der Pfostensetzungen stimmen überein. Die Füllsubstanz
der Pfostenlöcher in Schnitt 10 entspricht Befund 19, so dass wir hier mit
einer Verfüllung im 17. Jahrhundert rechnen können. Dies entspricht den jüngeren
Datierungen des Schichtpaketes (1) aus Schnitt 7. Im Gegensatz zu Schnitt 7 gibt
es in Schnitt 10 keine Hinweise auf eine kolluviale Akkumulation frühbronzezeitlicher
Bodenablagerungen. Statt dessen sind die Befunde 19 und 20 unter
Feuchtbodenbedingungen sedimentiert worden. Die darüber liegende Brandschicht
(8) am Übergang vom 17. zum 16. vorchristlichen Jahrhundert verweist auf ein
katastrophales Ereignis, das aber vielleicht nur einen Teil der Gesamtsiedlung
erfasst hat.
Auch in Schnitt 17 fand sich auf gleichem Höhenniveau wie in den
Schnitten 7 und 10 eine mit horizontal liegenden, bogenförmigen Spannruten
eingezogene Pfostenreihe, die den Befunden aus beiden genannten Schnitten
entspricht. Damit lässt sich für den Grabenbereich eine wohl durchgehende
Befestigungsstruktur rekonstruieren, die offensichtlich im 20. vorchristlichen
Jahrhundert errichtet wurde (vgl. Abb. 8). Ob diese Befestigung auch im südlichen
Teil der ehemaligen Insel vorliegt, muss offen bleiben. Brandschichten und
Grabenverfüllungen zeigen, dass mit einer durchgehenden Besiedlung bis weit in
die mittlere Bronzezeit zu rechnen ist.
Die
Feuchtbodena
Östlich
anschließend an das Plateau bzw. den Graben konnten Feuchtbodenbefunde erfasst
werden, die erhebliche Aktivitäten im seewärtigen Bereich anzeigen. Nachdem
1999 eine erste Sondage entsprechende Hinweise ergab, wurde über ein
Bohrprogramm die Ausdehnung einer frühbronzezeitlichen Kulturschicht (KS)
erfasst (DUCKE 2001, 171). Danach
ist damit zu rechnen, dass auf mindestens 70m Länge, aber nur 10-25m Breite in
N-S Ausrichtung mit der Erhaltung dieser KS zu rechnen ist (Abb. 17). Bohrungen
in anderen Arealen hatten negative Resultate, so das es sich hier sicherlich um
den einzigen Bereich des Fundplatzes mit einer unter Luftabschluss erhaltenen frühbronzezeitlichen
KS handelt.
Abb.
17 Die Rekonstruktion der frühbronzezeitlichen Kulturschicht im
Feuchtbodenareal über das Bohrprogramm des Jahres 2000. Neben dem Höhenmodell
und den Schnittgrenzen (vgl. Abb. 8) sind die Areale mit frühbronzezeitlichem
Kulturschichtpaket (grau) eingezeichnet, wie es aufgrund der Bohrungen erkannt
wurde.
In Schnitt 15 konnten insgesamt sieben Flächen geöffnet werden, von
denen sich eine aufgrund eines Wurzelwerkes als gestört erwies (Abb. 18). In
diesen Flächen wurde ein N-S verlaufendes Befestigungssystem ergraben, das
offensichtlich westlich des spornartigen Plateaus vor dem Ufer des ehemals
stehenden Samica-Gewässers verlief. Zwei regelmäßige Pfostenreihen mit
horizontalliegenden, bogenförmig eingezogenen Spannruten wurden weiterhin im
Suchschnitt 20 und mehr als 50m südlich im Schnitt 17 entdeckt, so dass von
einer durchgehenden, uferparallelen Befestigung auszugehen ist.
Abb.
18 Die Befestigungsstruktur in Schnitt 15.
Der Befund in Schnitt 15 besteht aus drei Reihen von Palisadenzäunen, die in einem Abstand von 1,80/1,90m bzw. 2,90m achsenparallel verlaufen. Bei den beiden landseitigen Befestigungen handelt es sich um Einzelpfostenreihen mit horizontalliegenden Stangen bzw. bogenförmig eingezogenen Spannruten, bei der seewärtigen um eine Doppelpfostenreihe mit dazwischen horizontalliegenden Spalthölzern. Aufgrund der Dendrodatierungen haben alle drei Reihen gleichzeitig bestanden. Ausbesserungsarbeiten wurden noch im darauffolgenden und übernächsten Jahr durchgeführt (Abb. 19).
Abb.
19 Die relativen Fälldaten dendrochronol
Es ist sehr junges Holz mit nur 30-80 Jahrringen verarbeitet worden, offensichtlich aus einem recht jungen Uferwald. Bei den Pfosten, die noch einen Durchmesser von 30-50cm aufweisen, handelt es sich um Eichen, nur vereinzelt auch Eschen oder Erlen (Abb. 20).

Abb.
20 Die Holzarten der Pforsten in Schnitt 15. Legende: grün Eiche; blau Erle;
gelb Esche; hellblau Pappel/Weide; violett Ulme (nach K.-U. Heussner).
Als Rund- oder Spalthölzer wurden die Stämme mit Metallgeräten bearbeitet; sie besitzen längliche Schlagfacetten (Abb. 21).

Abb.
21 Einige Pfostenspitzen aus dem Feuchtbodenareal (Zeichnung: Chr. Schilz). M:
1:10.
Die fertigen
Pfosten wurden grundsätzlich im Abstand von ca. 1m aneinandergereiht. Bei den
bis zu 3m langen Holzstangen, die die Spannruten bilden, handelt es sich um
Pappel/Weide oder Ulme (Abb. 20). Bei zwei auffälligen liegenden Hölzern
erkennen wir abgebrochene Eichenpfosten aus der mittleren Pfostenreihe, so dass
durchaus von einer ehemals mindestens 3,50m hohen Konstruktion ausgegangen
werden kann. Die noch bis zu 40cm Höhe vertikal erhaltenen Spannrutenwände
wurden teilweise verspült (Abb. 22-23). Die regelmäßige Anlage der
Befestigung unterscheidet diese von einfachen Zäunen und lässt u.a. an eine
regelrechte Palisadenfunktion denken. Verschiedentlich seewärts vorgelagerte
Gerölle werden als Trittsteine interpretiert, die aufgrund der
stratigraphischen Position mit den Befestigungsreihen in Verbindung gebracht
werden müssen.
Abb.
22 Eine verspülte Faschinenwand in Schnitt 15, Quadrant 7.

Abb.
23 Blick auf die beiden landwärtigen Befestigungen in Schnitt 15, Quadrant 6.
Die dendrochronologische Datierung durch K.-U. Heussner führte zu einer
lokalen Standardkurve von 103 Jahren, die nur schwer in regionale Jahrringkurven
einzuhängen ist. Aufgrund eines wiggle-Matchings von 14C-Daten aus dem Pfosten
87 wurde klar, dass das Fälldatum in das 19. vorchristliche Jahrhundert fällt.
Aus dendrochronologischer Sicht datiert die Waldkante in das Jahr 1888 v.Chr.
oder, mit etwas geringerer Wahrscheinlichkeit, in das Jahr 1814 v.Chr.
Die beschriebene Befestigungsstruktur ist eingebunden in eine anthropogen
beeinflusste Niedermoorstratigraphie, die idealisiert folgende
vertikalstratigraphische Abfolge vom Hangenden zum Liegenden aufweist (Abb. 24):
Abb.
24 Das Nord- und Südprofil aus Schnitt 15.
H1 (Bef. 1): Humoser Auflagehorizont (Bef. 1);
H2 (Bef. 5): Vertorfte Segge, teilweise mit Bruchwald durchsetzt;
H3/KS1 (Bef. 9): Lockeres sandhaltiges Sediment, von einzelnen dünnen
Schilflagen (1-2 cm) und Bruchwald durchsetzt. Zahlreiche Holzartefakte,
Tierknochen und Keramik (Lausitz) übersteigen den Mengenanteil der eigentlichen
Schicht. Getreide, Nüsse, Wasserpflanzenreste sind nachgewiesen. Nach S. Karg
liegt ein Spülsaum vor; der Fundreichtum ohne Baustruktur spricht für
Abfalllagen.
H4/KS2 (Bef. 14): Krümelig-sandige Schicht, darin Schilftorfe,
zahlreiche Funde (Lausitz), organische Reste;
H5/KS3 (Bef. 35): Ähnlich Befund 14, jedoch sehr stark durchsetzt mit
organischem Material. Dieses tritt fleckartig auf und besteht aus feinen
Pflanzenfasern, Resten von Gras und Birkenrinde sowie kompakten Miststücken,
ist dunkelbraun und mit weißen Sandkrümeln durchsetzt. Häufig sind die
organischen Flecken schichtartig strukturiert, stark an Stroh- oder Graslagen
erinnernd. Die Schicht nimmt horizontalen Bezug zu zwei durch horizontalliegende
Stangen stabilisierte Pfostenreihen, u.a. durch eingelagerte graue, graugrüne
und graublaue Tonlinsen. Funde: Holzkohle, Keramik, Tierknochen, hoher Gehalt
von Getreide (verkohlt, Gerste, Hafer, Wassernuß), sowie Haselnüsse, weiterhin
Käfer und Fliegenlarvenreste.
H6 (Bef. 20): Grauer Sand;
H7/KS4 (Bef. 34): Mittlerer Feinsand von grau-brauner Farbe, durchsetzt
von gröberen organischen Resten- enthält Scherben und Tierknochen, selten
Silex, Holz und Wurzelreste in größeren Mengen (s.u./ Holz: Rundholz,
entrindet, in größerem Durchmesser, Teile der Reuse?). Einheitliche Färbung,
gute Sortierung des Sandes, leicht humos, Holzkohle in Spuren bis zu größeren
Bröckchen. Hafer und wenige Gerstekörner, Spindelreste sind nachgewiesen.
H8 (Bef. 22): Torfband, steril;
H9 (Bef. 23): Sandschicht, steril;
H10 (Bef. 31) Hellgraues Sandsediment, sortiert, homogen; z.T. Kleinkies,
organisches Material, soweit vorhanden, in kleinen bis kleinsten Stücken,
Humusanteil sehr gering.
Sofern
nicht anders vermerkt, sind alle Horizonte mit Funden durchsetzt. Allerdings
werden vier als Kulturschichten (KS) bezeichnet, da hier eine Ablagerung am Ort
angenommen wird. Von H2 bis H4 handelt es sich um Horizonte mit
mittelbronzezeitlichen Funden. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese als
Abfall in den Bruchwald-, Schilf- oder Seggentorf abgelagert wurden. Dabei ist
immer wieder eine gewisse Einflussnahme des nahen Gewässers nachweisbar, z.B.
aufgrund der Sandablagerungen in H4. Im Laufe des Torfwachstums wurden so vor
allem Lausitzer Keramiken und
Tierknochenabfälle eingelagert. Von H5 bis H7 liegen frühbronzezeitliche Funde
vor, deren Deponierungsgeschichte unterschiedlich ist. H5 ist eine Schicht aus
organischem "Mist", der an die Befestigungsstruktur angelagert wurde.
14C-Datierungen ergaben einen Zeitansatz im 19. Jahrhundert, was die
vertikalstratigraphisch feststellbare Gleichzeitigkeit mit der Holzkonstruktion
bestätigt. Dagegen verweisen die
Schichtkomponenten von H6 und H7 erneut auf Wassereinfluss,- im Fall von H6 wohl
eine kurzfristige Seeeinwirkung; bei H7 die Einlagerung in stehendes Gewässer.
Die
Funde
Keramik
Typologisch ist - beim derzeitigen Stand der Auswertungen - kein
Unterschied im keramischen Bestand der Horizonte H5/KS3 bis H7/KS4
festzustellen. Aufgrund der vertikalstratigraphischen Position und der 14C- und
Dendrodatierungen ist davon auszugehen, dass die Ablagerung des Schichtbestandes
im 19. vorchristlichen Jahrhundert stattfand. Während bei H7/KS4 und H6 eine
Ablagerung der Funde in feuchtem Milieu unter Wassereinwirkung anzunehmen ist,
muss H5/KS3 in halbfeuchtem Zustand vor die Befestigungsanlage geschüttet
worden sein.
Das
keramische Material, das von Christoph Schilz bearbeitet wird, erinnert nur
partiell an Aunjetitzer Formen (Abb. 25-27). Aus den vorgestellten
Schichtzusammenhängen in Schnitt 15 liegen eine bauchige, zweigliedrige Tasse (Zich
Typ 2 B; vgl. ZICH 1996, 57; Abb. 26,4), S-profilierte Becher (Abb. 27, 3. 7),
weitmundige Becher mit ausladendem oder ausbiegendem
Rand (Abb. 27, 1-2. 6) und Knickwandbecher (Abb. 27, 4) vor. Wir finden
steilwandige, S-profilierte Töpfe mit Schlickrauhung
(Abb. 25, 3; vgl. BARTELHEIM 1998, 21), weitmundige, unprofilierte Töpfe
(Abb. 25, 2.4), bauchige Töpfe mit ausbiegendem Rand und enger Halszone (Abb.
25, 6-7), schließlich auch ungegliederte Ösentöpfe (Abb. 27, 5; vgl. ZICH
1996, 81). Bei den offenen Gefäßen
kennen wir geradwandige und bauchige Schüsseln mit ausbiegendem Rand (Abb. 26,
3) und weite Schüsseln mit Mündungssaum (Abb 26, 5; vgl. ZICH 1996, 100).
An Vorratsgefäßen liegen solche mit Schlickrauhung vor (Abb. 26, 1-2).
Ein vollständig erhaltener Tonlöffel ergänzt die Gefäßformen (Abb. 27,8).
Die Keramik ist extrem verzierungsarm. Wir verweisen auf
vertikal angebrachte Strichbündelgruppen auf einem bauchigen Topf (Abb.
26, 3), Leistenzier aus horizontal angebrachten Leisten unterhalb des Randes
(Abb. 25, 1), vereinzelt Knubben und
textilgerauhte Keramik.
Abb.
25 Keramik aus Schnitt 15 (Zeichnung: Chr. Schilz). M: 1:3.
Abb.
26 Keramik aus Schnitt 15 (Zeichnung: Chr. Schilz). M: 1:3.
Abb.
27 Keramik aus Schnitt 15 (Zeichnung: Chr. Schilz). M: 1:3.
Während
horizontale Leistenzier und Gefäße mit stark ausladendem Rand sowohl Trzciniec
als auch einem jüngeren Aunjetitz zugeordnet
werden können (vgl. MAKAROWICZ 1998; ZICH 1996, 328f.), finden sich vertikale
Strichbündelgruppen unter einer horizontalen Ritzlinie als Aunjetitzer
Zierelement (vgl. z.B. ZICH 1996, Taf. 65, 6G1). Sowohl der Ösentopf vom Typ
Leki Male als auch die rundbauchige, zweigliederige Tasse verweisen typologisch
auf eine Position im Übergangsbereich zwischen älterer und jüngerer
Keramikentwicklung. Dies würde z.B. der Zichschen Stufe 2 für die
mittelschlesiche Aunjetitz Gruppe (vgl. ZICH 1996, Beilage 11) entsprechen.
Steinartefakte
und Steingeräte
Eine
weitere Fundgruppe bilden 76 Steinartefakte, bzw. Steinfragmente aus den frühbronzezeitlichen
Schichten, die von Peter Honig bearbeitet werden.
Darunter fallen u.a. auch einige kleinere Gerölle , die Abplatzungen und
Hitzesprünge aufweisen und grau verfärbt sind. Reibsteine aus Sandstein zeigen
Rotfärbung. Auffallend sind auch die häufigen Hitzespuren der rötlich bis weißen,
krakelierten Feuersteine.
Klopfsteine
wurden aus Quarz oder aus mittelkörnigem, gleichkörnigem Gneis hergestellt
worden. Sie sind im Längs- bzw. Queraufriss kantengerundet bis stark gerundet,
in der Aufsicht länglich und meist "birnenförmig" (z.B. Abb. 28,
1-2. 4. 9-10). Die vollständig erhaltenen Klopfsteine sind nicht nur an beiden
Stirnseiten durch Klopfen gleichmäßig
abgerundet, sondern angesichts der z.T. facettenartig abgesetzten fein
aufgerauten Felder vermutlich auch zum Reiben - im funktionalen Sinne wie bei
einem Mörser - verwendet worden. Dabei wurde der Stein in einer Richtung oder
kreisend geführt, welches gerade im
Aufriss eher runder Gerölle zu rundherum verlaufenden Reibspuren (z.B. Abb.
28,6) geführt hat. Die Klopfsteine wiegen meist zwischen 400 und 900 g.
Abb.
28 Steine und Steingeräte aus Schnitt 15 (Zeichnung: P. Honig). M: 1:3.
Sieben
z.T. größere Fragmente an Mahlsteinen (Abb. 28, 3. 7) mit Schichtzuweisung datieren frühbronzezeitlich. Sie
bestehen stets aus grobkörnigen Gneisen, die in der Umgebung, z.T. in Form mächtiger
eiszeitlicher Gerölle, bzw. Findlinge vorkommen. Die Gneise setzen sich im
wesentlichen aus Feldspat, Quarz und Glimmer zusammen. Einige größere Stücke
zeigen deutliche Hitzespuren und neigen dazu, sich in die Millimeter großen
Bestandteile, poliedrische Quarze- und Glimmerplättchen aufzulösen. Stärker
verbrannte Mahlsteine waren schon im Sediment völlig aufgelöst. Auch
unverbrannte Mahlsteine besitzen eine starke Fragmentierung (ca. 10g).
Offensichtlich liegt hier der Nachweis für Mahlsteinrecycling zur Gewinnung der
Magerungsbestandteile der Keramik vor. Daneben sind Läufer bekannt (Abb. 28, 5.
8).
Obwohl
das Material insgesamt verlagert und in situ keine Werkplätze (Feuerstellen,
Steinkonzentrationen, etc.) festgestellt werden konnten, dürfen die
glimmerhaltigen Mahlsteinfragmente, die sich entlang der Befestigung
konzentrieren, zumindest indirekt als Anzeichen für die in der Nähe vollzogene
Keramikherstellung gewertet werden. In Wassernähe waren zudem Tonvorkommen
leichter zu erschließen.
Eine
weitere Fundgruppe stellen die, allerdings meist nicht artefiziellen Feuersteine
dar. Diese sind stark kantenverrundet, zeigen Hitzespuren bzw. Frostbrüche und
nur in seltenen Fällen eindeutige Modifikationen. Vermutlich ist die Masse der
Feuersteine auf ein natürliches Feuersteingeröllvorkommen, das möglicherweise
für Hitzesteine genutzt wurde, zurückzuführen. Unter den Feuersteinen konnten
20 Silices als Artefakte ausgeschieden werden. Ein Kernrest ist durch Frostbruch
beschädigt (Abb. 28,13). Die wenigen Klingen sind von unregelmäßiger Form
(z.B. Abb. 28,12). Die atypische Pfeilspitze ist aus einem Klingenabschnitt mit
unifacialer Steilretusche gearbeitet (Abb. 28,11).
Tierknochen
und Knochenartefakte
Neben
Keramik und Steinen liegt eine ausgeprägte Knochen- und Hirschgeweihindustrie
vor, u.a. mit 23
Hirschgeweihhacken, die in den wenigen Quadratmetern gefunden wurden. Auch der
Anteil an Tierknochen, die von D. Makowiecki bearbeitet werden, ist hoch. So
liegen 2075 bestimmbare Knochen vor, von denen 82,2% Haustieren angehören,
14,6% Wildtieren. Bei den Haustieren dominieren - teilweise anders als auf dem
Plateau - Hausrind (791 Kn.) gegenüber Caproviden (519 Kn.) und Hausschwein
(312 Kn.). Wildschwein (93 Kn.), Rothirsch (84 Kn.), Reh (53 Kn.) und Pferd (53
Kn.) sind eher schwach vertreten, auch Hund (30Kn.) und Biber (21 Kn.). Aufgrund
der Altersgliederung einiger Kieferknochen können für die drei wichtigen
Haustierarten erste Hinweise auf deren Nutzung erhalten werden. So dürften
Rinder vor allem zum Fleischbedarf und als Arbeitstiere gehalten worden sein
(Werte: 10 juvenil; 8 subadult; 18 adult). Schweine dienen im Trend für den
Fleischbedarf (Werte: 16 juvenil; 14 subadult; 7 adult); Schafe weisen
offensichtlich eine gemischte Haltung für Fleisch, Milch und Wolle auf (Werte:
9 juvenil; 6 subadult; 12 adult).
Holzartefakte
Aus
den frühbronzezeitlichen Schichten stammt eine Fischreuse (Abb. 29a), die z.Z.
in Bearbeitung ist. Als weiterer wichtiger Fund kann der Boden eines
Birkenrindengefäßes angeführt werden (Abb. 29b).
Abb.
29 Fischreuse (links) und der Boden eines Birkenrindengefäßes (rechts) in situ.
Paläobotanische
Untersuchungen von Befund 35
Bei
den botanischen Analysen sind bisher kleine Mengen aus H5/K53 analysiert worden.
Großrestanalysen führt S. Karg, Pollenanalysen J.-N. Haas durch. Allgemein
muss festgehalten werden, dass eine sehr hohe Pollenkonzentration
(>>100000 / cc) und eine ausgezeichnete Pollenerhaltung vorhanden sind.
Bezüglich des Verhältnisses Baumpollen-Nichtbaumpollen zeigt sich ein für
eine Kulturschicht typisches Bild (n=542=ausgezähltes Pollen/Sporen-Total:
n=542; dabei BP 27.9 %; NBP 68.6%;
Sporenpflanzen 1.3%; Varia/Indet: 2%). In Bezug auf die Baum- und Strauchpollen
ist Pinus mit 15.3% dominant, gefolgt von Carpinus mit 3.1% und Alnus mit 2.6%.
Alle weiteren Arten zeigen Werte um 1% oder darunter (Quercus, Corylus, Betula,
Salix, Fraxinus, Tilia, Juniperus, Ilex, Ulmus, Sambucus, Acer, Picea). Das
Artenspektrum weist auf die typische Wald/Busch-Vegetation hin, wie sie für Frühbronzezeit
zu erwarten ist.
Bei
den Nichtbaumpollen ist der Panicum-Setaria-Pollentyp (=Hirse) mit 19.7%
dominant. Dies belegt die Nutzung dieser Kulturpflanze, obwohl sie in den
Makrorestanalysen bisher noch nicht aufgetreten ist. Ebenfalls vorhanden sind
Weizen-Typ-Pollen (3.7%) und Gerste (0.9%). Der Befund besticht im Weiteren mit
unüblich hohen Körbchenblüter-Asteraceae-Werten von fast 17%, die v.a. aus
Carduus/Cirsium (5.5%), Aster-Typ (5.5%) und Artemisia (5.4%) bestehen. Zusammen
mit den vielen weiteren Nichtbaumpollentypen (>20%) , die durchaus aus
Wiesenartigen Gesellschaften stammen (z.B. Succisa 0.6%), dürfte es sich
hierbei um Futterreste handeln. Exkremente finden sich in den Makro-Schlämmresten
immer wieder, und koprophile Pilzsporen sind in den Pollenproben ebenfalls
vorhanden. Damit bestätigt sich die bereits auf der Ausgrabungen vorgenommen
Ansprache als "Mistschicht".
S.
Karg konnte bei der Analyse einer Sedimentprobe (600ml) hohe Konzentrationen von
Spelzweizen und Gerste, insbesondere der Dreschrückstände nachweisen. An
Getreiden fanden sich Hordeum vulgare L. (n=14; Gerste), Tritcum dicoccum
(n=127; Emmer) und Triticum monococcum (n=5; Einkorn), an Sammelpflanzen
Apfel/Birne, Eichelschalen, Erdbeere, Körbchenblüter, an Unkräutern Trespe,
Gras, Klee, Knöterich.
Interpretation
Schnitt 1
Im
Feuchtbodenbereich existierte offensichtlich
eine palisadenartige Befestigung, die durch die dreifache Ausstattung mit
parallel verlaufenden Hindernissen eine Schutzfunktion bietet. Die
Rekonstruktionszeichnung versucht, das ursprüngliche Aussehen zu erfassen (Abb.
30). Möglicherweise ist davon auszugehen, dass der Zwischenraum der beiden
landwärtigen Pfostenwände künstlich mit Bodensubstrat angefüllt wurde. Eine
durchaus vergleichbare Befestigungssituation ist aus Trzcinica (GANCARSKI 1999)
bekannt. Auch hier liegt eine mehrreihige Befestigungsstruktur vor, die
teilweise zu einer Holz-Erde-Konstruktion aufgefüllt wurde.
Abb.
30 Rekonstruktion der Befestigung in Schnitt 15 (Zeichung: P. Honig).
Darüber
hinaus ist aber klar, dass der östlich dem Plateau vorgelagerte
Siedlungsbereich gleichzeitig anderen Aktivitäten diente: als Areal für
Abfallbeseitigung, für die Produktion von Halbfertigprodukten bzw. zur
Rohstoffgewinnung für z.B. die Keramikproduktion, wohl auch für Fischfang und
eventuell Viehtrieb. Eine endgültige Funktionsbeschreibung wird erst nach der
Gesamtauswertung vorgenommen werden können. Klar ist, dass die in das 19.
vorchristliche Jahrhundert zu datierende Befestigungsanlage eine andere Phase
des Siedlungsausbaus darstellt als die Doppelpfostenreihe des nördlichen
Grabenbereiches: Die topographische Lage erlaubt keine gleichzeitige Nutzung,
falls wir von der Wasserführung des Grabens ausgehen.
Zusammenfassung
und Ausblick
Obwohl
die Auswertungen noch nicht abgeschlossen sind, können wir die frühbronzezeitliche
Siedlung Bruszczewo 5 aufgrund der Ausgrabungsergebnisse bereits jetzt als eine
Fundstelle beschreiben, die zahlreiche Informationen zur frühbronzezeitlichen
Siedlungsorganisation liefert: Im zentralen Plateaubereich erkennen wir
den Regelabstand des besiedelten Areals von der Außenbefestigung; darüber
hinaus die periphere Plazierung des Metallhandwerkes. Mit den
Befestigungssystemen im Graben bzw. am Rande der Samica-Niederung wird ein
Wehrsystem erkennbar, das bisher für die Frühbronzezeit noch nicht aus
Feuchtbodenbefunden bekannt ist. Es finden sich Hinweise auf die
multifunktionale Nutzung des Niederungsbereiches, u.a. für die Gewinnung von
Rohstoffen zur Keramikverarbeitung. Auch hier deuten sich also räumliche
Differenzierungen in der Gesamtsiedlung an.
Die
typologische Ansprache des Fundmaterials in die jüngere Phase der Aunjetitzer
Kultur entspricht den absolutchronologische Daten. Allerdings dürften die
Eingrenzung des Fundplatzes durch die Befestigungssysteme im späten 20. und 19.
vorchristlichen Jahrhundert am Beginn der chronologischen Entwicklung stehen,
die Radiokarbondaten aus dem zentralen Plateaubereich verweisen auf eine länger
währende Aufsiedlung bis in das 16. Jahrhundert. Eventuell ist ein
kontinuierlicher Übergang in die mittlere Bronzezeit gegeben.
Neben
der Metallproduktion konnte eine intensive Getreidewirtschaft und ausgeglichene
Haustierhaltung nachgewiesen werden. Die bisher vorliegenden botanischen
Ansprachen verweisen auf eine anthropogen offen gehaltene Landschaft, aus der an
Bauhölzern nur relativ dünne Stämme zur Verfügung standen.
Der Vergleich der im wesentlichen durch Prospektionen nachgewiesenen
Fundstellenverteilung des Endneolithikums, der Frühbronzezeit und der mittleren
Bronzezeit zeigt die Aufsiedlung einer Kleinregion, in die sich die ergrabene
Fundstelle dynamisch einreiht (Abb. 31).
Abb.
31 Fundplatzverteilung in der prospektierten Umgebung von Bruszczewo 5 (dm.
4km). Legende: braun Endneolithikum; violett Frühbronzezeit; blau Lausitz;
Rhombus Einzelfund; Stern Siedlungsfund; Kreuz Grabfund; Kreis Fundlokalisation
unsicher.
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ROMANSKA, Materialy archeologiczne
z osady wczesnobrazowej w Bruszczewie stanowisko 5, woj. Wielkopolskie (sezon
1995-1997. Ungedr. Magisterarbeit Poznan (Poznañ 2000).
SARNOWSKA
1969
W.
SARNOWSKA, Kultura Unietycka w Polce. I (Wroclaw.Warszawa.Kraków 1969).
SILSKA
2001
P.
SILSKA, Osadnictwo wczesnobrazowe na stanowisku nr 5 w Bruszczewie, gm. Smigiel
w swietle badañ z lat 1964-68Ungedr. Magisterarbeit Universität Poznan (Poznan
2001).
SOBOCIÑKI
1977
M.
SOBOCIÑKI, Material kostny zwierzêcy w wykopaliskach osady z II okresu epoku
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Fontes Archaelogici Posnaniensis 15, 75-77, 1977,
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STRAHM, Le Bronze ancien dans le sud-ouest de l'Allemagne. In: C. MORDANT/O.
GAIFFE (Hrsg.), Cultures et sociétés du Bronze ancien en Europa (actes du
colloque Clermont-Ferrand 1992) (Paris 1996)
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1996
B.
ZICH, Studien zur regionalen und chronologischen Gliederung der nördlichen
Aunjetitzer Kultur. Vorgesch. Forsch. 20 (Berlin/New York 1996).
Anhang
Zur
absolutchronologischen Datierung des Siedlungsgeschehens in
Brusczczewo 5
Kontext
und Anzahl der bisherigen Datierungen
Vom
Fundplatz liegen bisher 33 14C-Datierungen und 12 Dendrodatierungen vor (Liste
1), die aus unterschiedlichen Siedlungsbereichen und verschiedenen
Grabungsaktivitäten stammen. Neben stratigraphischen Sequenzen von
Radiokarbondaten konnten mit Hilfe des wiggle-matching auch Pfosten
absolutchronologisch positioniert und dendrochronologisch datiert werden.
Stratigraphische
S
Sc
Aus
Schnitt 7 kennen wir 4 verwertbare Daten (Liste 1). Die Sequenz beginnt mit dem
14C-datierten Eichenpfosten der äußeren Befestigung zwischen 2120-1880 v.Chr.
Zwei Benutzungphasen (Befund 5 u. Befund 22) werden zwischen 1750-1600/1550
v.Chr. datiert, ein höher liegender Lausitzer Befund 1680-1520 v.Chr. Eine
stratigraphische Kalibration, bei der im Programm Oxcal die stratigraphische
Position der Proben zueinander zur Korrektur der 14C-Spannen eingesetzt wird,
reduziert das Geschehen auf folgende Zeitabschnitte:
Pfosten
2040-1820
Bef.
5 (FBZ)
1740-1650
Bef.
22 (FBZ)
1685-1605
Bef
13? (MBZ)
1620-1525
Die
Pfostendatierung unterscheidet sich also um mindetens 80 Jahre von den
FBZ-Schichten. Mithilfe der radiometrischen Datierung konnte der Pfosten in das
Jahr 1923 v.Chr. dendrochronologisch positioniert werden (Labor Krakau).
Schnitt
10
Aus
Schnitt 10 liegen 7 verwertbare Daten vor (Liste 1). Die Sequenz beginnt mit
torfhaltigen, frühbronzezeitlichen Schichten zwischen 1880-1690 v.Chr. , überlagert
von einer frühbronzezeitlichen Brandschicht zwischen 1740-1620 v.Chr. Eine
Schicht mit Lausitzer Keramik folgt bereits um 1690-1520 v.Chr. Auch hier führt
die entsprechende stratigraphische Kalibration zu einer Korrektur der
14C-Spannen.
Bef.
20 (FBZ)
1795/1695-1755-1680
Bef.
19 (FBZ)
1695-1610
Bef.
12 (FBZ)
1690-1570
Bef.
8 (FBZ)
1680/1550-1650-1520
Bef.
5 (MBZ)
1640-1510
Daten
aus Flächenbefunden des Mineralbodenareals
Aus
dem Mineralbodenbereich liegen einige Datierungen von Gruben vor (Liste 1). Die
Datierungen bewegen sich vor allem im 17. und 16. vorchristlichen Jahrhundert.
Daten
aus dem Feuchtareal
Im
Dendrolabor des DAI Berlin wurde von K.-U. Heussner eine lokale Dendrokurve für
die Fundstelle Bruszczewo aufgebaut. Von 71 untersuchten Hölzern konnten
aufgrund der geringen Jahrringzahlen nur 12 für die Kurve verwendet werden. Für
den Pfosten 87 aus Schnitt 15 (78 Jahrringe) wurden 14C-Daten angefertigt (Liste
1), deren wiggle-matching durch C. Weninger (Köln) eine Datierung in das 19.
vorchristliche Jahrhundert ergab. Mithilfe dieser Datierung lässt sich das
Datum 03 der lokalen Jahrringsequenz in das Jahr 1888 oder 1814 v.Chr. datieren
(Marco Spurk, Universität Hohenheim, Jahrringlabor). Die Wahrscheinlichkeit für
das Jahr 1888 v.Chr. ist leicht erhöht (Gleichläufigkeit 74%, t-Wert 3,6 statt
Gleichläufigkeit 71%, t-Wert 3,8).
Zwei
Daten für den Befund 35 in Schnitt 15 ergaben Datierungen ebenfalls in das 19.
vorchristliche Jahrhundert. Der stratigraphisch gegebene Zusammenhang zwischen
der Befestigungsanlage und Schicht 35 wird damit sehr wahrscheinlich.
Liste
1
Radiokarbondaten
vom Fundplatz Bruszczewo 5
Datierungen
für Schnitt 15, Pfosten 87 und Befund 35
Erl-3137
3584+-43 BP Holz (Esche) P87 Innen (5 Jahrringe von 78Jr.)
Erl-3138
3524+-41 BP Holz (Esche) P87 Außen, (5 Jahrringe an Waldkante von 78Jr.)
Dendrodatum
1888 oder 1814 v.Chr.
Erl-4560
3557+-43 BP Hafer Befund 35
Erl-4561
3525+-48 BP Hafer Befund 35
Datierungen
von Schnitt 10, Profil
Kiew-7827
3310+-60bp Tierknochen Befund 5
Kiew-7824
3390+-60bp Tierknochen Befund 8
KN-5293
3390+-42bp Holz Befund 8
Kiew-7826
3280+-60 Tierknochen Befund 12
Kiew-7825
3270+-60 Tierknochen Befund 19
KN-5294
3436+-31 Holz (Eiche, 15 Jahrringe)
Befund 20
KN-5291
3475+-46 Holz (Hasel) Befund 20
Datierungen
aus Schnitt 7, Profil
Kiew-6546
3405+-35 Holz Befund 25
Gd-10791
3520+-150 Holz (Eiche) Befund 25
Rome-1153
3620+-60 Holz (Eiche) Befund 25
Kiew-6547
3375+-40 Sedimentprobe Befund 5
Kiew-6548
3360+-40 Tierknochen Befund 22
Kiew-5606
3320+-40 Tierknochen Sondage 1996 (Befund 13?)
Rome-1285 3305+-55 Holz Befund Flechtwerk zw. Pfosten
Frühbronzezeitliche
Gruben
Kiew-5611
3240+-50 Tierknochen Schnitt 3, Befund 1A/95 (Siedlungsgrube)
Kiew-5904
3290+-45 Holzkohle Schnitt 4, Befund 14/96 (Siedlungsgrube)
Kiew-5905
3350+-40 Holzkohle Schnitt 5, Befund 20/96 (Siedlungsgrube)
Rome-1284
3230+-55 Holzkohle Grube
1999 (Siedlungsgrube)
Rome-1286
3405+-60 Holzkohle Grube 1999 (Siedlungsgrube)
Lausitzer
Gruben
Kiew-5907
2450+-50 Eicheln Befund 2/95 (Siedlungsgrube)
Kiew-5906
1280+-70 Holzkohle Befund 1/95 (Siedlungsgrube)
Mittelalter
Kiew-5609
1280+-70 Holz Befund 1/95 (Holz unter "Steinbefestigung")
Kiew-5610
1540+-5610 Holz Befund 1/95 (Holz unter "Steinbefestigung")
"1.
Wall Pieczynskis"
GrN-5981
3600+-55bp unbekannt keine nähere Befundbeschreibung (Ausgr.1964-1968)
"2.
Wall Pieczynskis"
GrN-5985
3470+-30bp unbekannt keine nähere Befundbeschreibung (Ausgr.1964-1968)
"3.
Wall Pieczynskis"
GrN-5984
3410+-35bp unbekannt keine nähere Befundbeschreibung (Ausgr.1964-1968)
Gruben
aus der Grabung Pieczynskis
GrN-5047
3320+-40 unbekannt Grube 53 (Ausgr. 1964-1968)
GrN-6142
3315+-55 unbekannt Grube 37 (Ausgr. 1964-1968)
GrN-6141
3295+-40 unbekannt Grube 55 (Ausgr. 1964-1968)