SIEDLUNGSARCHÄOLOGIE IM ZENTRALBALKAN:
OKOLISTE UND BUTMIR
| In Bosnien laufen die Ausgrabungen
der Römisch-Germanischen Kommission Frankfurt (Knut Rassmann) und der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Johannes Müller) in Zusammenarbeit
mit dem Bosnisch-Herzegovinischen Landesmuseum Sarajevo (Zilka Kujundzič)
seit 2002. Etwa 50 km nördlich von Sarajevo wird im Kanton Visoko ein Tell ausgegraben, der im Ort Okoliste an der Bosna liegt (445m
über NN). Das Grabungsteam setzt sich zusammen aus bosnischen und
deutschen Studenten, die die Siedlungsschichten bisher in 6 Schnitten a 5x5m
ergraben haben. Die Grabung dient u.a. der Ausbildung
bosnisch-herzegovinischer Studentinnen und Studenten, um die im Krieg
zerstörte Archäologie wieder zu beleben. In einem Bohrprogramm und mit einem Höhenraster wurden die erheblichen Ausmasse der Fundstelle erkannt. Der Tell hat einen Durchmesser von ca. 400m und gehört damit zu einer der größten Anlagen auf dem Balkan. Direkt unter der heutigen Oberfläche beginnen bereits die neolithischen Siedlungsschichten, die im Zentrum eine Mächtigkeit von mehr als 3m aufweisen. Bisher konnten verschiedene Herdplatten, eine Werkstatt zur Herstellung von Beilen und einzelne Lehmwände von mindestens zwei Häusern ergraben werden. Die Funde sind der Butmir-Gruppe zuzuordnen, die von 5500-4800 v.Chr. in Zentralbosnien existierte und eine wichtige Rolle im Kommunikationssystem zwischen Zentralbalkan und Adria spielte. Die Kampagne 2002 begann am 1. September und wurde nach sechs Wochen abgeschlossen. Die Ausgrabung wurde naturwissenschaftlich vor Ort begleitet durch den Dipl.-Geogr. Wilfried Schulz und die Paläobotanikern Dujanka Kučan. Ziel ist es, Hinweise zu den Siedlungsstrukturen am Übergang zur Kupferzeit aufzudecken, Hinweise zu technologischen Veränderungen und sozialen Prozessen zu erhalten und Aussagen zum Verhältnis Mensch-Umwelt zu treffen. Dafür konnte eine weitere Sondage im namengebenden Fundplatz Butmir am Flughafen von Sarajevo durchgeführt werden. |
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