Institut für Ur- und Frühgeschichte Kiel

Geschichte

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Bereits im Jahr 1836 wurde in Kiel das "Museum vaterländischer Alterthümer" gegründet, das als Provinzial-Museum zugleich auch Universitätsinstitut war. Eng verbunden mit diesem Museum und der Urgeschichtsforschung in Schleswig-Holstein ist der Name Johanna Mestorf (1829-1909): Seit 1873 war sie Kustodin am Museum, wurde 1891 als erste Frau in Preußen an die Spitze eines staatlichen Museums und Universitätsinstituts berufen und 1899 zur Professorin ernannt. 1929 wurde Gustav Schwantes Direktor des Museums und unterrichtete auch an der Universität Kiel, seit der Einrichtung eines Lehrstuhls für Vor- und Frühgeschichte im Jahre 1937 als ordentlicher Professor.
Auf den Netzwerken der 1920er Jahre etablierte sich seit den 1930er Jahren eine ur- und frühgeschichtliche Archäologie, die nicht nur dem Nationalsozialismus eng verbunden war war, sondern mit ihren Deutungsmustern entscheidend zur Legitimierung der Rasse- und Siedlungspolitik des "Dritten Reiches" beitrug (eine ausführliche Darstellungen finden Sie hier).
Ein eigenständiges Seminar gründete sich nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Museum - dessen Gebäude im Krieg völlig zerstört worden war - nach Schloß Gottorf in Schleswig verlegt wurde. Als Nachfolger von Schwantes übernahm 1947 Ernst Sprockhoff die Leitung des Instituts, ihm folgten Georg Kossack, Hermann Hinz, Bernhard Hänsel, Michael Müller-Wille und Alfred Haffner. Seit 1965 ist das Fach mit zwei Professuren besetzt, die jeweils die Urgeschichte und die Frühgeschichte in Forschung und Lehre vertreten.
2003 wurde der Lehrstuhl mit dem Schwerpunkt "Frühgeschichte" mit Ulrich Müller, 2004 der Lehrstuhl für Urgeschichte mit Johannes Müller besetzt. Zudem ist Claus von Carnap Bornheim ordentlicher Professor für Ur- und Frühgeschichte, und den Schwerpunkt "Stadtarchäologie" vertritt Manfred Gläser als Honorarprofessor. Mit der Einrichtung der Professuren für Umweltarchäologie (Wiebke Kirleis) und Archäozoologie/Isotopenforschung (Cheryl A. Makarewicz) wird die naturwissenschaftliche Archäologie seit 2008/09 deutlich unterstrichen. Dem trägt auch die Doppelmitgliedschaft in beiden Fakultäten Rechnung: Als Mitglied sowohl der Philosophischen als auch der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät besteht seit mehreren Jahrzehnten ein besonderes Profil in der Kombination naturwissenschaftlicher und kulturwissenschaftlicher Methodik.