Lebensraum für Kreuzottern
Auch in der inzwischen erschienenen dritten Fassung der "Roten Liste der gefährdeten Amphibien und Reptilien Schleswig-Holsteins" wird die Kreuzotter als stark gefährdete Art eingestuft. Der Rückgang der einzigen heimischen Giftschlage innerhalb der letzten gut einhundert Jahre beträgt mindestens 62 Prozent.»Der tatsächliche Wert wird vermutlich deutlich darüber liegen, da längst nicht alle ehemaligen Vorkommen dokumentiert sind«, betont Andreas Klinge vom Ökologie-Zentrum. Hauptursache: Den Tieren fehlt es heute schlichtweg an Lebensräumen, bevorzugt Hoch- und Übergangsmoore oder Sandheiden. »Hochmoore wurden in Schleswig-Holstein seit 1880 in ihrer Anzahl um 80 Prozent, in ihrer Fläche um 90 Prozent dezimiert«, so Klinge. »Die ehemals großflächigen Zwergstrauchheiden wurden in den letzten 150 Jahren zu über 90 Prozent vernichtet bzw. aufgeforstet und fallen damit als Lebensraum aus.« Darüber hinaus wurden Kreuzottern früher auch gezielt verfolgt und getötet. Kopfprämien bis zu 50 Pfennig pro Stück führten dazu, das zum Beispiel im Kreis Kiel bis zu 2812 Kreuzottern pro Jahr erschlagen wurden, bis dieser Prämienfang in den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder abgeschafft wurde.
Heute sind die Kreuzotterbestände eher indirekt durch die qualitative Verschlechterung der verbliebenen Lebensräume gefährdet, z. B. durch Gehölzaufwuchs oder die Zerschneidung beim Straßenbau. Vermutlich tragen auch Wildschweine, die sich in Schleswig-Holstein stark ausbreiten und vermehrt in Kreuzottergebiete vordringen, zur Dezimierung einzelner Populationen bei. Um die Art nicht weiter zu gefährden, müssen laut Klinge die noch vorhandenen Lebensräume effektiver geschützt bzw. adäquat gepflegt werden. Gleichzeitig sollte die Kartierung der noch vorhanden Populationen einschließlich ihrer wichtigsten Lebensräume vorangetrieben werden. Ebenfalls wichtig sei, das Nahrungsangebot zu verbessern, indem etwa Eidechsen und Braunfrösche in ihrer lokalen Vermehrung gefördert werden.
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