Friedrich von Esmarch
Der berühmte Kriegsarzt war 1854 bis 1898 Direktor des Chirurgischen Klinikums in Kiel. Esmarch führte viele neue Methoden für die Kriegs- und Unfallmedizin ein und war Mitbegründer der Ersten Hilfe in Deutschland.

Friedrich von Esmarch, geboren 09.01.1823 in Tönning, gestorben 23.02.1908 in Kiel. Foto: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek
Im Jahr 1848 promovierte Esmarch zum Doktor der Medizin, nachdem er an den Universitäten von Kiel und Göttingen studiert hatte. Ab 1854 war er als Nachfolger Strohmeyers, dessen Schwiegersohn er wurde, Direktor des Chirurgischen Klinikums in Kiel, wo er sich besonders mit der Kriegschirurgie befasste. Im Krieg erwarb er sich große Verdienste um die Lazarette. Esmarch nahm als Chirurg an den Kriegen 1948, 1864, 1866 (Deutsch-Dänische Kriege) und 1870/71 teil. Seine Erfahrungen dort gingen unter anderem in sein umfassendes Handbuch der Kriegschirurgischen Technik (1877) ein. Das ist nur eins seiner zahlreichen Werke über Kriegschirurgie und Erste Hilfe. »Er hat auf mehreren Gebieten der Chirurgie Bahnbrechendes geleistet«, so Andree. Die Abbindung von Oberarm und Oberschenkel zur Blutstillung als Erste Hilfe-Maßnahme bei Verletzungen oder zur Vorbereitung von Operationen wurde nach ihm ›Esmarch’sche Blutleere‹ genannt. »Diese Geschichte mit der Blutleere, was man bis dahin nicht gemacht hatte, ist so einfach wie genial.«
1870 wurde Esmarch Generalarzt und beratender Chirurg der Armee. Er entwickelte sich zu einem der bedeutsamsten Unfallchirurgen und hat sich später auch einen Namen gemacht als Mitbegründer der Ersten Hilfe in Deutschland.
Im Sommer 1881 hielt sich Esmarch in London auf und lernte die »St. John’s Ambulance Association« kennen. Diese Rettungsorganisation hatte überall in England Sanitätsschulen eingerichtet und freiwillige Helfer für den Rettungs- und Sanitätsdienst ausgebildet. Nach seiner Heimkehr begann Esmarch Anfang 1882 mit den Vorbereitungen zu einem ersten deutschen Samariterkursus in Kiel. In diesem Zusammenhang entstand auch sein Werk »Die erste Hülfe bei plötzlichen Unglücksfällen – Ein Leitfaden für Samariter-Schulen«, das zu den bekanntesten Erste-Hilfe-Leitfäden gehörte, in den folgenden Jahrzehnten schließlich in fast 30 Sprachen übersetzt wurde und im Jahre 1931 seine 50. Auflage erlebte. Es folgte am 5. Mai 1882 die Gründung des »Deutschen Samariter-Vereins« in Kiel. Damit gab er den entscheidenden Anstoß zum Aufbau von Unfall- und Krankenhilfsdiensten in anderen Städten Deutschlands.

Das Ehrengrab befindet sich auf dem Parkfriedhof Eichhof, Feld 27 Nr. 1 Foto: Sandra Ogriseck
Der Medizinhistoriker Andree kann aber auch Negatives über Esmarch berichten. So hat er seinen Assistenten und Oberarzt, Professor Gustav Adolf Neuber, 1883/84 aus der Chirurgischen Klinik verdrängt. Neuber war sehr unzufrieden mit den damaligen Operationserfolgen. Zu seiner Zeit starben viele Menschen an den Folgen der Operation, an Wundinfektionen. Seine Verbesserungsvorschläge konnte er aber unter Esmarch nicht durchsetzen. Andree: »Esmarch sieht in dem fähigen Neuber einen Konkurrenten, und sie können nicht mehr miteinander.« Daraufhin kaufte Neuber im Jahr 1885 das Wohnhaus am Königsweg 8 und baute es zu einer Klinik um. Dort verwirklichte er, weltweit als erster, hygienische Grundsätze, die heute noch als bahnbrechend für das keimarme Operieren gelten.
Esmarch wurde 1903 anlässlich seines 80. Geburtstags zum Ehrenbürger der Stadt Kiel ernannt, wegen seiner Verdienste um Stadt, Krankenpflege und Lazarettwesen. Nach ihm ist in Kiel eine Straße und ein Heim des Arbeiter-Samariter-Bundes benannt. (ne)
www.uni-kiel.de/uc/klinik_geschichte.html
Der berühmte Esmarch’sche Handgriff ist auch heute noch wichtig in der Rettungsmedizin. Durch das von ihm beschriebene Schieben des Unterkiefers vor den Oberkiefer werden die oberen Atemwege von bewusstlosen bzw. narkotisierten Patienten freigehalten. Damit kann dann sowohl deren noch vorhandene Spontanatmung, als auch deren künstliche Beatmung mit Maske oder Atemspende ermöglicht werden.
Ebenfalls auf Esmarch geht der Begriff der Blutleere zurück: Beine oder Arme eines Patienten werden gehoben und mit druckvollem Streichen wird Blut aus den Gliedern getrieben. Von außen nach innen wird die Extremität mit einer Gummibinde umwickelt oder mit einer Druckluftmanschette versehen, um Blutungen bei Verletzungen oder einer Operation zu vermindern. Die von ihm propagierte Anwendung der Eiskühlung zur Behandlung von Prellungen oder Abszessen trug ihm den liebevollen Spitznamen "Fiete Isbüddel" (Friedrich Eisbeutel) ein. ne
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