Sehkraft erhalten
An der Kieler Universitätsaugenklinik wird eine neue Lasermethode erprobt, die Schäden an der Netzhaut schonender behandelt.

Kurz und schmerzlos: Die Laserbehandlung am Auge dauert etwa 15 Minuten. Da die Augen mit speziellen Tropfen betäubt werden, spürt der Patient nichts von der Behandlung. Hier wird die Patientin noch einmal vor der eigentlichen Operation untersucht. Foto: Tobias Everke / Agentur Focus
Ein neues Verfahren der Lasertherapie, die selektive Retina-Therapie (SRT), wird derzeit in der Kieler Universitäts-Augenklinik erprobt. Professor Johann Roider, Direktor der Kieler Universitäts-Augenklinik, hat die neue Behandlungsmethode zusammen mit dem medizinischen Laserzentrum Lübeck entwickelt. Ein speziell gefertigtes Lasergerät "schießt" hierbei wiederholt sehr kurze Laserimpulse. Damit ist es in den letzten Jahren erstmals gelungen, selektiv nur das Pigmentepithel zu behandeln und die darüber liegende Netzhaut mit den Sehzellen gleichzeitig unzerstört zu erhalten.
Während bisherige Lasertherapien an der Stelle, wo der Laser hinschießt, die Fotorezeptoren zerstören, die man zum Sehen benötigt, bleibt mit der SRT die Sehfähigkeit der behandelten Bereiche erhalten. Relevant ist das vor allem bei Schäden im Zentrum der Netzhaut (z.B. der Macula) oder im Bereich der Macula lutea, dem "gelben Fleck". »Diese Stelle des schärfsten Sehens ist nur sehr klein«, so Roider. »Sie hat einen Durchmesser von einem halben Millimeter. Und wenn wir in diesen Bereich lasern, merkt das der Patient. Es kommt zu Gesichtsfeldausfällen, und dann hat der Patient beispielsweise Probleme beim Lesen. Oder er sieht deutlich schlechter nach der Lasertherapie.« Dennoch ist die Lasertherapie notwendig, um eine drohende Erblindung zu verhindern.
Die selektive Retina-Therapie ist zur Zeit noch in der Erprobung. Roider: »Wir haben mehrere Prototypen mit einer amerikanischen Firma gebaut und evaluieren diese Geräte in einer multizentrischen Studie. An der Studie nimmt außer uns auch die Universitäts-Augenklinik Lübeck und das St. Thomas Hospital in London teil.« Patienten mit Netzhauterkrankungen infolge der Zuckerkrankheit, Venenastthrombosen und speziellen Formen altersabhängiger Makuladegeneration werden im Rahmen dieser Studie mit der neuen Lasertherapie behandelt. Diese Erkrankungen beruhen vermutlich auf einer Fehlfunktion des Retina-Pigmentepithels, also der Zellschicht unterhalb der Netzhaut. Patienten mit den oben genannte Erkrankungen können noch in die Studie aufgenommen werden. Die Laserbehandlung erfolgt ambulant und dauert etwa 15 Minuten. Die Augen werden mit anästhetischen Tropfen betäubt, so dass der Patient von der Behandlung nichts spürt.
Die Behandlungserfolge mit der selektiven Retina-Therapie sind mit denen der herkömmlichen Lasertherapie vergleichbar, wie eine Pilotstudie ergeben hat. Die Sehzellen der Netzhaut wurden, wie erwartet, nicht zerstört. Bei der diabetischen Makulopathie zum Beispiel konnte bei etwa der Hälfte der Patienten eine Verbesserung des Krankheitsbildes erzielt werden. »Dazu muss man wissen, dass das auch bei der normalen Lasertherapie nicht viel anders ist«, betont Roider. »Es kann sein, dass man die Therapie wiederholen oder auf die konventionelle Therapie umsteigen muss. Das ist eigentlich der einzige Nachteil der selektiven Retina-Therapie.« (ne)
Universitäts-Augenklinik, Hegewischstr. 2, 24105 Kiel, Tel. 0431/597-2366 oder unter
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Tatsächlich ist die diabetische Retinopathie eine der häufigsten Erblindungsursachen. Rund 12.000 Menschen in Deutschland haben dadurch ihr Augenlicht verloren. Betroffen sind vor allem ältere Bürger: Über 70 Prozent sind älter als 65 Jahre. Darüber hinaus gibt es eine große Zahl an Patienten, deren Sehen durch diabetische Retinopathie deutlich gemindert ist, so dass sie zum Beispiel nicht mehr lesen oder Auto fahren können. Jeder vierte Diabetiker in Deutschland hat Schäden an der Netzhaut. Je früher diese erkannt werden, desto besser lassen sich bleibende Sehstörungen verhindern.
Eine gefürchtete Komplikation bei der diabetischen Retinopathie ist das Ödem (Anschwellung) auf der Netzhaut. Wenn infolge der Zuckerkrankheit Flüssigkeit aus kleinen beschädigten Gefäßen fließt, kann dies ein Ödem auf der Makula hervorrufen (diabetische Makulopathie). Das führt zum Verlust des zentralen Sehens. Behandelt wird das diabetische Ödem auf der Makula mit dem Laser. Dieser verschließt die Gefäße, die Flüssigkeit verlieren. Durch diesen Eingriff kann jedoch das Sehen nicht wieder hergestellt, sondern lediglich das Sehvermögen erhalten werden, so wie es vor der Laserbehandlung bestand. Je früher Schäden an der Netzhaut erkannt werden, umso größer ist der Gewinn der Therapie.
Die häufigste Erblindungsursache in der westlichen Welt ist die altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Die Ursachen der Erkrankung sind nicht bekannt, Risikofaktoren sind unter anderem höheres Alter und Rauchen. Die AMD tritt auf, wenn aus neu entstandenen krankhaften Blutgefäßen Blut und Flüssigkeit in den zentralen Bereich der Netzhaut gelangen. Dadurch kommt es zu einer Schädigung der für den Bereich des schärfsten Sehens (Makula) notwendigen Sinneszellen und zu einem Sehverlust. Durch die AMD wird unser zentrales Blickfeld beeinträchtigt. Einen Test zur Früherkennung von Netzhauterkrankungen, den Amsler-Test, finden Sie im Internet. www.augen.de
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