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unizeit Nr. 28 vom 05.02.2005, Seite 5  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Von der Technologie zur Marktreife

Erfolgskriterien und Schwachstellen beim Technologietransfer zwischen öffent­licher Forschung und Unternehmen erklärt Professor Achim Walter im Interview mit unizeit.


Achim Walter, Professor für Gründungs- und Innovationsmanagement.

unizeit: Sie haben in Ihrer Habilitation untersucht, wie neuartige Technologien aus Hochschulen am besten den Weg in die Praxis finden. Wie sind Sie dabei vorge­gangen?

Achim Walter: Die Idee war zu untersuchen, was einen erfolgreichen Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auszeichnet. Dazu wurden 150 Technologietransfer-Projekte untersucht. Das Besondere an dieser Untersuchung ist, dass beide Seiten, Technologiegeber und Technologie­nehmer befragt wurden. Vor allem das Zusammenspiel zwischen den beiden Partnern hat mich interessiert, denn es ist häufig der Knackpunkt eines Projekts zwischen Forschung und Praxis, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Haben Sie jetzt ein Erfolgsrezept? Worauf muss man achten?

Es gibt nicht den einen, richtigen Weg. Erste Überlegung in einem solchen Projekt sollte aber immer sein, welche potenziellen Veränderungen auf Seiten der Unternehmen notwendig werden, um die Technologie später nutzen zu können. Es muss abgeschätzt werden, wie komplex die Aufgabe ist. Die betriebliche Anwendung einer neuen Technologie betrifft oft verschiedene Unternehmensbereiche, Mitarbeiter müssen neue Fähigkeiten erlernen. Nicht selten müssen auch die Lieferanten und Kunden dieser Unternehmen dazulernen. Von dieser Komplexität leitet sich letztlich die Intensität ab, mit der zusammengearbeitet werden muss. Die Vorgehensweise beim jeweiligen Technologietransfer muss spezifisch auf die Situation, die neue Technologie und das Empfängerunternehmen zugeschnitten werden. Der innovative Technologietransfer geht darum auch häufig schief.

Wo liegen Schwachstellen?

Der Technologietransfer muss von der Hochschule getragen und gefördert werden. Die wissen­schaftlichen Mitarbeiter der Hochschulen sind die eigentlichen Betreiber des Technologie­transfers. Sie sind die Know-how-Träger und müssen von einem frühen Zeitpunkt an mit dem Technologienehmer zusammenarbeiten. Dabei müssen sie unterstützt werden. Das ist ganz zentral. Man kann innovative Technologien nicht wie Kurzwaren aus dem Bauchladen verkaufen. Die Technologie ist häufig noch nicht auf den Markt zugeschnitten. Das kann häufig erst mit potenziellen Anwendern geschehen, in der Zusammenarbeit. Es muss geklärt werden, wer von einer neuen Technologie profitieren kann und wie ich einen geeigneten Industriepartner finde. Das ist nicht einfach, denn gerade bei den richtig tollen Technologien lassen sich konkrete Anwendungen noch nicht gleich erkennen und ihre Einsatzmöglichkeiten lassen sich von beiden Partnern noch nicht absehen.

Haben Sie vielleicht ein Beispiel dafür?

Klassisches Beispiel einer komplexen Technologie, die heute erfolgreich genutzt wird, ist der ›Molch‹. Ein riesiger Metallwurm, der Pipelines über hunderte von Kilometern per Ultraschall auf Haarnadelrisse absucht und schon einen Starauftritt bei James Bond hatte. Bis diese neue Technologie, die bei bis zu minus 40 Grad einsatzfähig sein muss, marktreif war, gab es einige Hindernisse zu überwinden. Viele neue Technologien übersteigen das Vorstellungsvermögen der Entwickler und potenziellen Nutzer erst einmal mit Blick auf das, was sie tatsächlich leisten können. Da müssen beide Parteien sehr eng zusammenarbeiten. Nach dem Prinzip »trial and error« muss man einen Schritt machen, ausprobieren und aus den Fehlern lernen, solange bis es passt, bis sich konkrete Anwendungen zeigen. Das braucht Geduld, Zeit und Vertrauen in die Fähigkeiten des jeweiligen Partners.

Haben Sie in ihrer Untersuchung vorbildliche Projekte gefunden für den Technologie­transfer?

Natürlich. Was sich aus der Untersuchung ergeben hat ist, dass ein erfolgreicher Technologietransfer sehr von bestimmten Typen von Personen abhängt. Neben den Experten für die Technologie und den Markt braucht es unbedingt Akteure, die eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft bilden. Man braucht »Beziehungspromotoren«, die als Grenzgänger agieren, die auf Seiten der Forschung und in den Unternehmen hohe Akzeptanz finden, Experten zusammenbringen und ihren Dialog unterstützen. Beziehungspromotoren sind professionelle Netzwerker, sie entwickeln und pflegen Beziehungen zu weiteren Schlüsselpersonen. Beziehungspromotoren schaffen Vertrauen, über das sie die für einen Technologietransfer erforderlichen Ressourcen mobilisieren.
Für seine Habilitationsschrift über die Erfolgsfaktoren des Technologietransfers erhielt Professor Achim Walter, Leiter des Lehrstuhls Gründungs- und Innovationsmanagement, 2004 den ersten Preis für wissenschaftliche Arbeiten der Stiftung Industrieforschung.
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