Tödliche Tollwut
Tollwut ist in vielen Ländern der Welt weit verbreitet. Die größte Gefahr, sich zu infizieren, geht von streunenden Hunden aus. An der Nordseeküste wurden tollwütige Fledermäuse gefunden.

Fledermäuse können Tollwut übertragen. Daher verletzte Tiere nicht anfassen und nach einem Biss sofort zum Arzt.
Foto: ddp / Fabian Matzerath
Aufsehen erregte Anfang des Jahres der Fall einer Organspenderin, die im Dezember 2004 in einem deutschen Krankenhaus starb. Sechs Menschen hatten Organe von der Frau erhalten, die, wie später festgestellt wurde, an Tollwut erkrankt war. Man geht davon aus, dass sie sich während einer Indienreise mit dem tödlichen Virus infiziert hatte. Abgesehen von diesem tragischen Fall hat es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Fälle von Tollwut beim Menschen in Deutschland gegeben. Beide Male hätten sich die Patienten im Ausland angesteckt. 1996 starb ein Mann aus Nordrhein-Westfalen an Tollwut, der in Sri Lanka von einem Hund gebissen worden war. 2004 starb ein Mann aus Bayern, der in Indien Kontakt zu streunenden Hunden gehabt hatte.
Die Diagnose der Tollwut erfolgt durch den direkten mikroskopischen Nachweis von Virus im Speichel, in der Hirnflüssigkeit oder in den Haarfollikeln von Patienten. Eine 39-jährige Patientin, die am 23. März im Klinikum Heide gestorben ist, hatte nach ersten Untersuchungen keine Tollwut.
Die eindeutige Bestätigung dieser Diagnose kann aber erst nach dem Tod der Patientin durch Proben aus Hirngewebe erfolgen. Die Obduktionsergebnisse lagen bis Redaktionsschluss noch nicht vor.
Weltweit werden nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich 35.000 Tollwuterkrankungen beim Menschen registriert. Hauptüberträger der Viruskrankheit sind in Südostasien, Afrika und Südamerika streunende Hunde. Nicht jeder Mensch, der von einem tollwutkranken Tier gebissen oder gekratzt wird, erkrankt auch selbst daran. Doch jeder, der erkrankt, stirbt. »Tollwut ist die tödlichste Krankheit, die es gibt«, betont Dr. Eckhard Westphal vom Institut für Immunologie. »Es ist erst ein Fall bekannt geworden, wo es mit einer neuartigen Behandlungsmethode gelungen ist, ein junges Mädchen mit Tollwut vor dem Tod zu bewahren.«
Der einzige Schutz vor den tödlichen Folgen einer Infektion mit Tollwutviren ist die Impfung. Diese muss nicht unbedingt vorbeugend erfolgen. Westphal: »Wegen der langen Inkubationszeit kann oft auch noch nach einer Exposition, zum Beispiel dem Biss eines infizierten Hundes, erfolgreich geimpft werden.« Der Kieler Tollwutexperte gab allerdings zu bedenken, dass in den entsprechenden Ländern die Impfstoffe aus Kostengründen anders hergestellt würden als bei uns und meist weniger gut verträglich seien. »Das hat dazu geführt, dass die Tollwutimpfung immer noch einen so schlechten Ruf hat. Die Impfstoffe hier in Deutschland sind sehr gut verträglich, haben kaum Nebenwirkungen und bieten nach kurzer Zeit einen sicheren Impfschutz.«
Für wen eine Impfung sinnvoll ist, lässt sich am besten in einer reisemedizinischen Beratung klären, die auch am Institut für Immunologie angeboten wird. »Man kann sich auch anderweitig schützen, zum Beispiel indem man sich von streunenden Hunden fernhält. Aber Touristen, die größere Touren vorhaben oder nach Nepal zum Trekking fahren, denen legen wir eine vorbeugende Tollwutimpfung sehr ans Herz«, so Westphal. Zirka 150 Euro koste die Impfung. Manch einer verzichte deshalb darauf.
Kandidaten für eine Tollwutimpfung sind aber nicht nur Fernreisende. Auch Jäger, Waldarbeiter, Landwirte sowie Tierärzte und -pfleger sollten einen Tollwutimpfschutz erhalten. Bisher wenig bekannt sei, dass auch Fledermäuse mit Tollwut infiziert sein können. »Wir haben im letzten Jahr eine Frau von der Westküste geimpft, nachdem sie von einer Fledermaus gebissen wurde. Das Tier hatte tatsächlich Tollwut, wie die spätere Untersuchung ergab. Ohne die Impfung wäre die Frau gestorben.« Mit tollwütigen Fledermäusen müsse an der Nordseeküste gerechnet werden, von Dänemark über Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Holland bis nach Schottland. ne
Impfsprechstunde und reisemedizinische Beratung am Institut für Immunologie,
Michaelisstraße 5 (Gebäude »Alte Chirurgie«):
Di 8-10.30 Uhr, Mi 16-18 Uhr, Fr 15-17.30 Uhr, Telefon 04 31/5 97 33 69
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Di 8-10.30 Uhr, Mi 16-18 Uhr, Fr 15-17.30 Uhr, Telefon 04 31/5 97 33 69
Stichwort Tollwut
Tollwut (Rabies) ist eine akute Erkrankung des Zentralnervensystems, die durch eine Infektion mit dem Tollwutvirus hervorgerufen wird. Der Mensch infiziert sich hauptsächlich über den Speichel eines infizierten Wildoder Haustieres nach Biss- oder (seltener) nach Kratzverletzungen, nach Belecken nicht intakter oder verletzter Hautstellen durch das Tier oder wenn Speichel eines infizierten Tieres auf Schleimhäute von Augen, Mund und Nase gelangen.
Ist das Tollwutvirus in den menschlichen Organismus gelangt, wandert es langsam entlang der Nervenbahnen bis in das Rückenmark und das Gehirn, wo es sich vermehrt und sich schließlich weiter im Körper ausbreitet. Die Inkubationszeit, also die Zeit vom Anstecken bis zum Ausbruch der Krankheit, dauert zehn Tage bis viele Monate, manchmal sogar Jahre. Sie ist abhängig von der Virusmenge, dem Virusstamm und der Lage der Bissstelle. Je näher die Wunde am Zentralnervensystem liegt, desto kürzer ist die Inkubationszeit.
Tollwutkranke Tiere zeigen abnormes Verhalten, Vertrautheit, Störungen der Augenmotorik, starken Speichelfluss, heisere Stimme und Angst vorm Wasser.
Ist das Tollwutvirus in den menschlichen Organismus gelangt, wandert es langsam entlang der Nervenbahnen bis in das Rückenmark und das Gehirn, wo es sich vermehrt und sich schließlich weiter im Körper ausbreitet. Die Inkubationszeit, also die Zeit vom Anstecken bis zum Ausbruch der Krankheit, dauert zehn Tage bis viele Monate, manchmal sogar Jahre. Sie ist abhängig von der Virusmenge, dem Virusstamm und der Lage der Bissstelle. Je näher die Wunde am Zentralnervensystem liegt, desto kürzer ist die Inkubationszeit.
Tollwutkranke Tiere zeigen abnormes Verhalten, Vertrautheit, Störungen der Augenmotorik, starken Speichelfluss, heisere Stimme und Angst vorm Wasser.
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