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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 29 vom 09.04.2005, Seite 5  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Zwischen Ablehnung und Normalität

Eine aktuelle Studie am Institut für Pädagogik hat analysiert, wie sich die Situation von Schwulen und Lesben in Schleswig-Holstein in den letzten Jahren verändert hat.


Das allgemeine gesellschaftliche Klima für gleichgeschlechtliche Paare hat sich gebessert – in Schleswig-Holstein und anderswo.
Foto: ddp / Timm Schamberger

»Ich bin schwul – und das ist gut so.« Der Ausspruch des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit, mit dem er sich 2001 vor seinen Parteigenossen zur Homosexualität bekannte, ist mittlerweile legendär. Geschadet hat dem bis dahin relativ unbekannten SPD-Politiker dieses Outing nicht, eher im Gegenteil. Sein Mut und seine Offenheit brachten ihm viele Sympathien ein, über Nacht wurde er berühmt. Wowereit gewann die Wahl in Berlin und regiert seitdem dort. Das Beispiel Wowereit zeige, so Professor Uwe Sielert vom Institut für Pädagogik, dass schwul oder lesbisch sein heute nicht mehr zur Diskriminierung führe. Ob Homosexualität als interessantes Detail oder als Makel empfunden werde, hänge auch von der sozialen Stellung ab.

Bereits 1997 haben Sielert und sein Team im Auftrag des Ministeriums für Justiz, Frauen, Jugend und Familie die Situation von Lesben und Schwulen in Schleswig-Holstein, insbesondere ihre Erfahrungen mit Diskriminierung erhoben. Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Studie entwickelte das Ministerium ein komplexes Aktionsprogramm zum Abbau der Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung. Hierzu gehörte unter anderem die intensive Kooperation mit der Evangelischen Kirche. In Schleswig-Holstein wurde so unter anderem parallel zur staatlichen Anerkennung eine kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften erreicht. Weitere Maßnahmen der Landesregierung finden sich in ihrer Familienpolitik, in der Jugendhilfe und im System Schule wieder.

Wie sich die Lage von Lesben und Schwulen in Schleswig-Holstein dadurch verändert hat und in welchem Maße es seitdem gelungen ist, Diskriminierung abzubauen, hat eine Forschergruppe um Sielert in einer Follow-up-Studie in Zusammenarbeit mit dem Ministerium untersucht. Die Erziehungswissenschaftler befragten 2004 insgesamt 25 Schlüsselpersonen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (Familie, Schule, Jugendhilfe, Kirche und Justizvollzug). Sielert: »Wir haben Schlüsselpersonen in den Einrichtungen gesucht, die etwas zur Situation von Lesben und Schwulen sagen können und von denen die meisten gleichzeitig relativ neutral oder unverdächtig dem Thema gegenüberstanden. Also keine Aktivisten, die ihre Aktionsarbeit bestätigt wissen wollten. Diese haben wir befragt, nach der Art und Weise, wie mit dem Thema schwul und lesbisch sein in der Einrichtung umgegangen wird.« Prominenteste Interviewpartner waren die Bischöfin Maria Jepsen und Schleswig-Holsteins Justiziministerin Anne Lütkes.

Die Auswertung der ›Experten‹-Interviews ergab, so Sielert, dass Diskriminierung subtiler passiert, weniger öffentlich. »Das allgemeine gesellschaftliche Klima, zumindest unter dem Aspekt der politischen Korrektheit, hat sich gebessert. Man sagt nicht mehr öffentlich, dass man etwas gegen Schwule oder Lesben hat, sondern macht das anders deutlich. Ein überraschendes Ergebnis war, dass sich Jungen, so die Einschätzung aus der Jugendhilfe und den Schulen, zunehmend abfällig über Homosexualität äußern. Sie verbinden damit aber weniger konkrete Personen, sondern ein Verhalten, was sie als ›nicht männlich‹ bezeichnen.«

Die Situation in schleswig-holsteinischen Schulen habe sich gegenüber der Erststudie von 1997 wenig verändert. »Das Thema wird im Unterricht möglichst vermieden. Schwule und lesbische Lehrkräfte haben große Probleme, sich als solche zu erkennen zu geben.« Weit vorangeschritten sei demgegenüber der Abbau von Diskriminierung in der Nordelbischen Kirche. (ne)

www.sielert.uni-kiel.de
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