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unizeit Nr. 29 vom 09.04.2005, Seite 7  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Prof. Martin Visbeck

Verständnis für Ozeane


Professor Martin Visbeck bekommt regelmäßig elektronische Post aus dem tropischen Atlantik. Absender sind intelligente Messroboter, die in unterschiedlichen Meerestiefen Salzgehalt und Temperatur bestimmen und ihre Messdaten via Satellit direkt auf den Computer des Kieler Ozeanographen schicken. »Davon haben wir im tropischen Atlantik schon 40 ausgelegt, und im nächsten Jahr werden wir die Zahl ungefähr verdoppeln«, so Visbeck. »Im Gegensatz zu verankerten Messsystemen bekommen wir hiermit Daten in Echtzeit. Diese können wir sofort für Klimavorhersagen auf kurzen Zeitskalen benutzen.«

Die Messungen sollen dazu beitragen, Schwankungen im Klima besser vorhersagen zu können. Um zum Beispiel Aussagen darüber machen zu können, wann in der nächsten Saison der Monsun kommt. In einem anderen Vorhaben dokumentiert der Meereswissenschaftler in der Labradorsee, (dem Meeresstück zwischen Kanada und Grönland) über einen langen Zeitraum die Stärke des Golfstroms, des nordatlantischen Stroms und der Tiefenwasserbildung. Der Grund: »Es gibt diverse Klimamodelle, die vorhersagen, dass sich diese Zirkulation im Klimawandel abschwächen soll. Ob das tatsächlich so ist, wollen wir durch direkte Messungen überprüfen. Die bisherigen Daten (Stand 2003) zeigen das noch nicht.
Martin Visbeck, 42 Jahre. Seit Oktober 2004 Professor für Physikalische Ozeanographie im Forschungsbereich Ozeanzirkulation und Klimadynamik am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften. Geboren in Braunschweig. Studium der Meteorologie und Ozeanographie an der CAU. 1993 Promotion in Kiel. Postdoktorand am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA. Wissenschaftlicher Assistent am Lamont-Doherty Earth Observatory, Columbia University, New York, USA. 1999-2004 Professor am Department of Earth and Environmental Sciences, Columbia University.
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