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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 30 vom 28.05.2005, Seite 1  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Ein Tor für die Kunst

150 Jahre Kunsthalle zu Kiel. Was plant Museumsleiter Dr. Dirk Luckow für die Zukunft? Was wünscht er sich, und wovon träumt er?


Neo Rauch: Moor. 2003, Öl auf Leinwand, 251 x 211 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2005, Dauerleihgabe Stifterkreis Kunsthalle zu Kiel. Foto: Kunsthalle

Die Kunsthalle der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel feiert in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag. Die erste Ausstellung im Jubiläumsjahr war »Shanghai Modern« mit über 200 Exponaten aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Dass diese Ausstellung nach Kiel kam, hat unter anderen damit zu tun, dass durch besondere Projekte das Haus immer wieder in der Presse auftauchte, bundesweit. »Da war ein großer Artikel über die Verhüllung der Kunsthalle mit türkischen Fahnen (eine Kooperation mit dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu) in der Süddeutschen«, berichtet Dr. Dirk Luckow. »Einige Tage später kam der Anruf aus München mit dem Angebot, die Shanghai Ausstellung zu übernehmen.« Anders wäre eine solch kostenintensive Ausstellung, die von drei Kuratoren vier Jahre vorbereitet wurde, für die Kieler Kunsthalle nicht finanzierbar gewesen.

»Das größte Sponsoring liegt in der Attraktivität des Hauses«, betont Luckow, der im Juli 2002 die Leitung der Kunsthalle übernahm, die zur Philosophischen Fakultät gehört. Seitdem hat der promovierte Kunsthistoriker durch seinen Mut, auch unkonventionelle Ideen umzusetzen, viel dazu beigetragen, die Anziehungskraft des Hauses zu steigern. »Mein Interesse ist es, dass die Kunsthalle zu Kiel in der ersten Liga der Museen mitspielt; als ein kleineres Haus natürlich mit geringeren finanziellen Möglichkeiten. Wir sind auf dem besten Weg dorthin.«

Das beweist auch ein weiteres Ausstellungsprojekt in diesem Jahr. Am 2. Juli kommen die angesagtesten Sammler aus Deutschland nach Kiel, um die Sammlung der Kunsthalle unter dem Titel »See history 2005. Der private Blick« neu zu strukturieren. »Interessant ist an dieser Idee«, so Luckow, »dass das Zentrum der Kunstwelt an die Peripherie kommt. In Hamburg wäre ein solches Projekt langweilig, weil sich ohnehin schon alles um die Hamburger Kunsthalle schart. Aber hier in Kiel hat es diesen unglaublichen Überraschungseffekt. Und das reizt, glaube ich, auch die Sammler daran.«

Die Lebendigkeit eines Hauses, dass es weltoffen auftritt und ein innovatives kulturelles Klima schafft, ist für Luckow der Kern seines Konzepts. »Ich habe überhaupt keine Berührungsängste, in welche Richtung auch immer. Wir haben hier sehr viele Veranstaltungen, zum Beispiel mit Unternehmen aus der Wirtschaft. Auch der Sport kommt mal zur Geltung, wie jetzt bei ,Pingpong’ zur Shanghai-Ausstellung. Wir wollen mit unserem Programm, mit unseren Sammlungsideen überzeugen. Da liegt natürlich der Schwerpunkt, aber dann und wann können wir uns auch Ausflüge in den Nicht-Kunstbereich leisten.«

Bei der Erweiterung der Sammlung setzt Luckow auf Spitzenkunst. »Wir müssen es immer wieder schaffen, zeitgenössische Kunst mit dem richtigen Gespür einzukaufen, die in einigen Jahren schon als bedeutende Werke des Bestands gefeiert werden.« Stolz ist der Museumsleiter zum Beispiel auf ein Gemälde von Neo Rauch, dessen Wert sich seit dem Kauf vor zwei Jahren mehr als verdoppelt habe, und auf zwei bedeutende Werke von Christian Rohlfs, die er für die Kunsthalle erworben hat. »Wir könnten jetzt einen Christian Rohlfs Raum einrichten, der ganz hohe Qualität hat.«

Für die Zukunft setzt er sich das Ziel, der Stadt ein Denkmal zu schaffen. »Kiel hat eigentlich kein Gebäude mehr, mit dem sich die Kieler auf Anhieb identifizieren, wie zum Beispiel die Kölner mit ihrem Dom« Mit einer attraktiven Architektur beispielsweise à la Frank O. Gehry, der das Guggenheim-Museum in Bilbao entworfen hat, sei so etwas zu erzielen. Was der Stadt Herford mit seinem neuen Museum von Gehry gelinge, könne doch auch ein Weg für Kiel sein. Ein Erweiterungsbau der Kunsthalle sei dringend nötig, da das Magazin hoffnungslos überfüllt sei und viele Meisterwerke im Depot lagerten anstatt in den Sammlungsräumen ausgestellt zu sein. Dafür möchte Luckow Architekten von Weltrang nach Kiel einladen, »unseren Standort am Meer architektonisch mit dem Wasser zu verbinden. Da sehe ich eine Riesenchance aus der Kunsthalle ein Louisiana zu machen, weswegen die Leute nach Schleswig-Holstein pilgern würden. Das Museum in Humlebæk steht schon wegen seiner exponierten Meereslage und modernen Architektur für hohen Freizeitwert«. Das würde die Attraktivität des Hauses auch für Sammler und Stifter steigern, auf deren Schenkungen und Kooperation wir zunehmend angewiesen sind.

Dr. Dirk Luckow Foto: Kunsthalle

Seine Vision: Menschen aus der ganzen Welt, die mit der Fähre in Kiel landen, würden durch einen Park vom neuen Cruise- und Ferry-Center direkt in ein Museumszentrum geleitet, um dort zwischen dem Aquarium des Instituts für Meereskunde und der Kunst zu entscheiden. Auch die städtischen Museen an der Kiellinie, die ihrerseits optimistisch in die Zukunft schauen, würden davon profitieren.

Leichter zu realisieren ist sein zweiter Wunsch für die Kunsthalle – ein Café als »Door-opener« zum Museum. Das bisherige Innenraum-Café werde zu wenig genutzt, da es ohne Blick nach draußen sei. Luckow wünscht sich ein Café-Anbau in Richtung Schlosspark mit einer eigenständigen Architektur, die unabhängig von den Öffnungszeiten des Museums eine Art Brücke zur Stadt schafft. Ein erster Architektur-Wettbewerb wurde bereits durchgeführt. Private Förderer, Stadt und Land, sind nun gefragt gemeinsam mit der Kunsthalle ein konkretes Investitionsmodell zur Realisierung zu entwerfen. ne
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