Die Geschichte der Kunsthalle
Die Kunsthalle zu Kiel blickt auf 150 Jahre zurück. Dr. Peter Thurmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kunsthalle, skizziert sie für uns.

Plakate zu Veranstaltungen der Kunsthalle von 1929 bis 1969. Foto: Jürgen Haacks / Uni Kiel
VORSPIEL
»Meine Landsleute sehe ich, was Kunst und künstlerische Auffassung anbetrifft, noch sehr im Finstern wandeln; sie wollen alles mit dem Stock herausfühlen und mit den Händen greifen können.« Dieses harsche Urteil über das Kunstverständnis in seiner Heimat fällte 1844 der Holsteiner Künstler Charles Ross. Ein Jahr später unterbreitete er dem 1843 in Kiel gegründeten »Kunstverein für die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg« den Vorschlag, eine Kunstsammlung aufzubauen. Er wurde unterstützt von seinem Wiener Malerfreund Carl Rahl und dem Professor für Klassische Philologie, Peter Wilhelm Forchhammer, der 1842 ein »Kunstmuseum« mit Abgüssen antiker Skulpturen, die heutige Antikensammlung, zu Lehrzwecken für Studenten und für interessierte Bürger eingerichtet hatte. 1847 boten sich diese drei Männer als Kuratorium für die neue Kunstgalerie an. Ihrer Auffassung nach »sollen nur Gemälde neuer deutscher Künstler angekauft werden, und zwar solcher, welche sich bereits anerkannte Dienste um die Kunst erworben haben.«ANFANG
Infolge des ersten Deutsch-Dänischen Kriegs 1848-1850 nahm der Kunstverein den ambitionierten Plan erst 1854 erneut in Angriff. Gesammelt werden sollte vorwiegend schleswig-holsteinische Kunst. Dies hatte kaum weniger Brisanz als das Sammeln unter »deutschen« Vorzeichen. Denn die Kunst Dänemarks, dem Schleswig wie Holstein angehörten, blieb weitgehend ausgeschlossen. Schlimmer noch: Während Holstein und Lauenburg dem Deutschen Bund angehörten, erhob Dänemark Anspruch auf Schleswig und betrachtete das Zusammengehörigkeitsgefühl der beiden Provinzen mit Argwohn.Unter diesen Voraussetzungen ist der Anschluss der Kunstsammlung an die Kieler Universität verständlich, da diese auch für Schleswig zuständig war. Im Kunstverein engagierten sich zu einem großen Teil Professoren aus allen Fakultäten der Universität – Männer, die auch die Unabhängigkeitsbestrebungen Schleswig-Holsteins unterstützten. Mit der Annahme des Paragraph 18 der Kunstvereins-Satzung vom 22. September 1855 war die Verbindung perfekt: »Die erworbene Gemälde-Galerie bleibt ein Annex der Universität Kiel und dadurch zu ewigen Zeiten Eigenthum des Landes.«
Bereits 1854 waren Teile der Universitätssammlung dem Kunstverein leihweise überlassen worden, darunter einige hochkarätige Gemälde wie Abraham Bloemaerts »Cimon und Pero«, »König David« aus der Werkstatt Hendrick ter Brugghens oder »Barbierstube« von Adriaen van de Venne. Ebenfalls 1854 schenkte Heinrich Litzmann, der Bruder des kunstsinnigen Medizinprofessors Theodor Litzmann, als Inventarnummer 1 das Bildchen »Die Frauenbergkirche in Ellrich am Harz.« Ross und Rahl vermachten der Kunsthalle testamentarisch je ein Gemälde, einige Spitzenwerke von Dahl, Füger, Kersting, Koch und Schwind kamen innerhalb der ersten zehn Jahre in die Sammlung. Man war auf Schenkungen angewiesen. Denn es gab nicht genug Geld, um selber Werke zu erwerben, und bei allem Bürgerengagement fehlte eine kunstwissenschaftliche Beratung. Erst 1893 wurde an der Universität zu Kiel ein Lehrstuhl für Kunstgeschichte eingerichtet. Ein geeigneter Ausstellungsraum vor dem Kieler Schloss, den der König dem Kunstverein schließlich bewilligte, wurde am 31. Juli 1857 feierlich eingeweiht.
NEUANFÄNGE
1887 kündigte die Schlossverwaltung dem Kunstverein wegen Eigenbedarf. Die Folgezeit in einem Hinterhofgebäude an der Dänischen Straße, allgemein nur »Kunstscheune« genannt, wurde versüßt durch die Hoffnung auf einen eigenen Museumsbau. Denn die Tochter des Mediziners Franz Hermann Hegewisch, Charlotte, hatte 1887 in ihrem Testament ihr Grundstück auf Klein-Elmeloo am Düsternbrooker Weg zum Bau einer neuen Kunsthalle vorgesehen. Doch: Lotte Hegewisch wurde alt. Erst 1903, nach ihrem Tod, begannen die Planungen für den Neubau, der am 15. November 1909 eingeweiht wurde.So konnte auf einer gesicherten Grundlage weiter gearbeitet werden. Das Vermächtnis des langjährigen Kunstvereins-Vorsitzenden Albert Hänel 1918 mit hochwertigen Gemälden von Anselm Feuerbach bis Max Liebermann wertete mit einem Schlage die Sammlung auf.
FORTGESETZTE ANFÄNGE
Der Wiederaufbau nach den Kriegszerstörungen war 1958 mit der Fertigstellung des Eingangs- und Treppenhaustraktes abgeschlossen. 1970 bekam die bisher von den Direktoren des Kunsthistorischen Instituts der CAU geleitete Kunsthalle einen eigenen Leiter. 1986 wurde ein notwendiger Anbau dank dem engagierten Einsatz des 1978 gegründeten Stifterkreises realisiert. Die Aufgabe, das Verständnis für die jeweils aktuelle »künstlerische Auffassung« zu wecken, wie Charles Ross das im 19. Jahrhundert einforderte, bedeutet für die Kunsthalle zu Kiel im 21. Jahrhundert neue Akzentsetzungen in der Präsentation und in der Vermittlung der zeitgenössischen Kunst.
Plakate zu Veranstaltungen der Kunsthalle von 1973 bis 2002. Foto: Jürgen Haacks / Uni Kiel
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