Editorial
von Professor Jörn Eckert
Museumstagung in St. Petersburg, Juristischer Sommerkurs in Ekaterinburg, molekularbiologische Summer School für junge russische Wissenschaftler ... die Liste der Projekte, die die Kieler Universität derzeit in Russland und mit dortigen Partnern verwirklicht, ist lang. Russland ist der wichtigste der östlichen Nachbarn, zu denen die »Universität an der Ostsee« traditionell sehr enge Verbindungen pflegt. Bereits während des Kalten Krieges fanden Kieler Wissenschaftler und Verwaltungsfachleute gute Kontakte zu den Kollegen jenseits des Eisernen Vorhangs. Nach dem Fall der Mauer fiel es leicht, hier anzuknüpfen und dann auch Hilfestellung bei den vielfältigen Umstrukturierungen zu leisten.
Inzwischen steht man auch in Russland und den anderen östlichen EU-Anrainerstaaten wieder auf eigenen Beinen. Einige Wissenschaftlergruppen, etwa in einzelnen Bereichen der Molekularbiologie, sind dabei, sich in die internationale Liga hochzuarbeiten. Zunehmend bereichert das Riesenreich im Osten die Arbeit der »Universität an der Ostsee«. Die Dynamik, ja Gründerzeitstimmung, die gegenwärtig dort herrschen, geben Raum für kreative Ideen. Davon können wir in Deutschland derzeit allemal etwas lernen.
Von der guten Ausbildung und Intelligenz des wissenschaftlichen Nachwuchses profitieren deutsche Universitäten schon seit Jahren. Viele junge Russen lassen sich für ein Studium oder eine wissenschaftliche Karriere in Deutschland werben. Übereinstimmend berichten deutsche Professoren von der hohen Motivation, enormen Integrationsfähigkeit und der Zielstrebigkeit ihrer Doktoranden und Habilitanden aus Osteuropa. Auch dieser »Brain Drain« hat natürlich mehr als eine Seite. Fest steht jedoch, dass wir nicht nur beim Erdbeerpflücken und Spargelstechen auf die Kräfte aus Osteuropa angewiesen sind.
Das hohe Engagement der Kieler für die Ostseeanrainer jenseits der EU ist eine Investition in deren, aber auch in die eigene Zukunft.
Professor Dr. Jörn Eckert
Rektor
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