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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 31 vom 09.07.2005, Seite 3  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Unsichere Zukunft für Eiderstedts Landwirte

Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe auf der Halbinsel Eiderstedt ist Gegenstand eines Forschungsprojekts, an dem die Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät beteiligt ist.


Noch ist nicht entschieden, ob die Halbinsel Eider­stedt als EU-Schutzgebiet für seltene Vogelarten ausgewiesen wird, wie es die ehemalige rot-grüne Landesregierung im vergangenen Jahr beschlossen hatte. Die neue Landesregierung überdenkt zurzeit die Reaktion des Landes auf die Anforderungen der EU. In einer Arbeitsgruppe soll der räumliche Zuschnitt des Schutzgebiets anhand der EU-Kriterien ergebnisoffen überprüft werden. Bis Ende des Jahres soll Klarheit herrschen, wie Landwirtschaftsminister Christian von Boetticher in einem Interview mit den Kieler Nachrichten (20. Mai 2005) erklärt hat. Die rund 300 Landwirte der Region befürchten wirtschaftliche Nachteile durch reglementierte Bewirtschaftung der als Schutzgebiete vorgesehenen Flächen. Einige sehen ihre Existenz gefährdet und haben sich in der Interessengemeinschaft "Pro Eiderstedt" organisiert.

Ein Forschungsvorhaben bringt nun Kieler Agrarwissenschaftler, die Landwirtschaftskammer, den Landwirtschaftlichen Buchführungsverband und die Landwirte aus Eiderstedt zusammen. Ziel ist, die ökonomischen, sozialen und ökologischen Folgen für die unter Vogelschutz gestellten Flächen, die Entwicklung der Betriebe und der betroffenen Familien zu ermitteln. »Langfristige einzelbetriebliche Auswirkungen von politischen Maßnahmen lassen sich schwer vorhersagen und im Nachhinein nur unvollkommen erforschen«, betont Professor Rolf Müller von Institut für Agrarökonomie. »Daher soll von Beginn an die tatsächliche Entwicklung von Betrieben im geplanten Vogelschutzgebiet auf Eiderstedt regelmäßig festgestellt und mit der Entwicklung einer Gruppe von ähnlichen Betrieben außerhalb des Schutzgebietes verglichen werden.«

Eine erste Bestandsaufnahme ist bereits erfolgt. Eine Gruppe von Landwirten hat ihre Buchführungsdaten zur Verfügung gestellt, mit denen die aktuelle wirtschaftliche Situation der Betriebe erfasst wird. Eine begleitende Befragung erfasste zusätzlich sozio-ökonomische Merkmale der Betriebe und Familien zusammen mit kurzfristigen Anpassungen der Landwirte im Vorgriff auf den sich abzeichnenden Vogelschutz. »Wir haben zum Beispiel danach gefragt, was mit der Ausbildung oder der Hofnachfolge passiert, oder ob schnell noch Grünland in Ackerland umgewandelt wurde, bevor dies verboten wird«, berichtet Arnd von Hugo, der die Befragung geleitet hat. Ein weiterer Aspekt des Projekts befasst sich mit der Bonitierung (Qualitätsbeurteilung) der Grünlandflächen, die zurzeit für den Vogelschutz vorgesehen sind. Der Grund: Die Wissenschaftler vermuten, dass die Futterqualität des Grünlandes durch eine reglementierte Bewirtschaftung leidet.

Zusammengenommen bilden diese Daten den Ausgangspunkt für eine längerfristige Untersuchung zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Vogelschutzes. Geplant ist, in gewissen zeitlichen Abständen die wirtschaftliche Situation neu zu erfassen, um Veränderungen erkennen zu können. »Die konkreten Auflagen sind zwar noch nicht bekannt. Aber wir wollen anfangen, bevor sie da sind, sonst kriegen wir einen Großteil der Veränderungen nicht mit«, so Professor Uwe Latacz-Lohmann vom Institut für Agrarökonomie. 33 Betriebe aus Eiderstedt nehmen an der Studie teil. Eine etwa ebenso starke Gruppe von Betrieben vergleichbarer produktionswirtschaftlicher Ausrichtung in Südtondern dient als Vergleichsgruppe. Diese erste Phase des Vorhabens wird von der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft finanziell gefördert. (ne)
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