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unizeit Nr. 33 vom 10.12.2005, Seite 1  Übersicht  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

landauf, landab erschallt der Ruf nach einer Reformierung der Studiengänge, seit sich die europäischen Regierungen 1999 in Bologna darauf verständigt haben, das Hochschulsystem in Europa zu vereinheitlichen. Die Umstellung auf die Studienabschlüsse Bachelor und Master, die in Bologna beschlossen wurde, bedeutet eine erhebliche Kraftanstrengung. Leicht wird in der täglichen, mühevollen Kleinarbeit, die mit der Neustrukturierung einhergeht, vergessen, warum wir uns dieser Prozedur eigentlich unterziehen müssen.

Es gilt zunächst einmal, den erklärten politischen Willen von Landtag und Landesregierung umzusetzen. Der inhaltliche Haupteffekt liegt in einer Neustrukturierung des Studiums. So sehr man deren verschulende Tendenzen vornehmlich aus Sicht der Geisteswissenschaften auch bedauern mag, liegt der Vorteil darin, dass zukünftige Studierende fest an die Hand genommen werden. Klare Vorgaben, was zum Erreichen des Abschlusses geleistet werden muss, münden in ein System aus studien­begleitenden Prüfungen, das sehr früh eine Einschätzung der eigenen Leistungen erlaubt.

Der neue, erste, auf ein Berufsfeld hinführende Abschluss eines Bachelors bereits nach zwei bis drei Jahren birgt darüber hinaus für alle, die entdecken, dass sie nicht der geborene Wissenschaftlertyp sind, die Chance, trotzdem einen Abschluss zu erwerben, anstatt die Uni – wie bisher häufig in derartigen Fällen – ohne Examen zu verlassen. Auch ein Wechsel der Fachrichtung macht sich mit einem ersten Abschluss besser als ohne.

Eine weitere Hilfestellung sieht der Bachelor dadurch vor, dass er die Erkundung eines Berufsfeldes durch Praktika und die Vermittlung von praktischen Fähigkeiten, wie Sprachen, Rhetorik, Moderation usw., zur Pflicht macht. In unserem »Blickpunkt« bringen wir den Leserinnen und Lesern die neuen Studiengänge, ihre großen Chancen gerade für den individuellen Lebensweg der Studierenden, aber auch ihre Schwierigkeiten nahe.

Wir werden den »Bologna-Prozess« sehr kritisch begleiten. Denn viele Vorzeichen deuten darauf hin, dass er zu einer Provinzialisierung des Studiums führen könnte, obwohl er eigentlich auf das schiere Gegenteil, eine Europäisierung des Studien- und Arbeitsraumes, zielt.

Professor Gerhard Fouquet
Prorektor
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