Schmelzende Jagdgründe
Wenn das arktische Packeis infolge der globalen Klimaerwärmung weiter schrumpft, geht die Lebensgrundlage der Eisbären verloren. Die Naturschutzorganisation WWF befürchtet, dass es bald keine Eisbären mehr gibt.

Foto: Uni Kiel / Institut für Polarökologie
»Die Fläche des Meereises ist für den Eisbären ausgesprochen wichtig. Er lebt auf dem schwimmenden Meereis und macht dort zu weit über 90 Prozent seine Beute«, erklärt der Kieler Polarforscher. »Wenn die Meereisfläche weniger wird, hat er weniger Zeit, um seinen Nahrungsbedarf zu decken.« Bevorzugte Beute des Eisbären sind Ringelrobben. Er lauert ihnen an ihren Luftlöchern im Packeis auf und packt zu, wenn die Robben zum Luftschnappen auftauchen. Im Wasser selbst sind die Eisbären, die auch gut schwimmen können, den Robben unterlegen. Diese sind einfach zu flink für die schweren Bären.
Den größten Teil seiner Nahrung frisst der Eisbär im Winter, von April bis Mitte Juli. Denn danach beginnt die eisfreie Zeit, seine Fastenzeit. Um diese bis zu acht Monate dauernde Zeitspanne zu überstehen, fressen sich Eisbären gewaltige Fettpolster an. Spindler: »Vor allem für die Weibchen ist das relevant. Sie brauchen große Fettreserven, wenn sie an Land gehen, um ihre Jungen in Höhlen zu setzen und sie zu säugen. Wenn sie in der kürzeren Jagdzeit nicht mehr genügend Robben fangen können, um ihre Fettreserven zu füllen, dann können sie nicht mehr genug Milch produzieren, um ihre Jungen großzuziehen.«
Aber auch die Ringelrobben könnten durch ein Schrumpfen der Eisdecke in Bedrängnis geraten, weil deren Hauptnahrungsquelle, der Polardorsch, im Bestand zurückgeht. Der Polardorsch lebt von Krebstieren, diese wiederum von Algen, die an der Unterseite der Eisschollen wachsen. Bei einer kleineren Eisfläche wird es daher auch weniger Polardorsche geben und damit auch weniger Ringelrobben. »Möglicherweise schrumpft auch von dieser Seite das Nahrungsangebot für den Eisbären«, vermutet Spindler. Aber die Robben könnten ausweichen und andere Fische fressen. Eisbären haben diese Möglichkeit nicht. »Sie brauchen sehr fettreiche Nahrung und leben daher hauptsächlich von Robben. Walrosse sind ein zu starker Gegner, und Fische sind nicht fett genug. Außerdem ist der Eisbär nicht schnell und wendig genug, um große Mengen Fisch zu fangen.«
Die Eisbären sind jedoch noch von einer ganz anderen Gefahr bedroht. »Viele Schadstoffe, Schwermetalle oder Insektizide, die wir freilassen, reichert der Eisbär sehr stark an. Über die Muttermilch bekommen vor allem die Eisbärenjungen sehr viele Schadstoffe ab, die die Fruchtbarkeit der Nachkommen einschränken können.«
Für die Polarforschung ist der Eisbär von besonderem Interesse, da er am Ende der arktisch-marinen Nahrungskette steht. Veränderungen in einem Ökosystem werden zuerst an dem Tier an der Spitze der Nahrungskette sichtbar. (ne)
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