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unizeit Nr. 33 vom 10.12.2005, Seite 2  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Bologna-Express

Bis 2010 soll er abgeschlossen sein: Der Umbau aller Studiengänge auf die neuen Abschlüsse Bachelor und Master. Die Vorbereitungen in Kiel laufen auf Hochtouren.


Foto: Kröger/Dorfmüller

Fünf Jahre vor dem Zieltermin gewinnt die Studienreform in Deutschland an Schwung, wie die neuesten Daten der Hochschul­rektorenkonferenz belegen. Danach bieten die deutschen Hoch­schulen im aktuellen Wintersemester insgesamt knapp 3800 Bachelor- und Master-Studiengänge an, 29 Prozent mehr als im Sommersemester 2005. Deutschlandweit führen mittlerweile ein Drittel aller Studiengänge zu den Abschlüssen Bachelor oder Master.

Warum die Umstellung? Studienabschlüsse und im Ausland erbrachte Leistungen sollten europaweit vergleichbar sein. Darauf haben sich die europäischen Bildungsminister 1999 in der »Erklärung von Bologna« verständigt. Bis 2010 soll ein einheitlicher europäischer Hochschulraum geschaffen sein. Die europaweite Einführung des angelsächsischen Zwei-Phasen-Studienmodells mit Bachelorund Master-Studium ist die wesentlichste Neuerung. Ziel des Bologna-Prozesses ist, vergleichbare Studienstrukturen zu schaffen, gegenseitige Studienleistungen anzuerkennen und bestimmte Qualitätsstandards im Studium zu gewährleisten. Mehr Internationalität soll das neue System bringen und die Studenten schnell und zielorientiert auf das Berufsleben vorbereiten.

In Kiel hat die Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät bereits 2000 komplett auf die neuen Abschlüsse umgestellt. In den anderen Fakultäten sind es vor allem einzelne Fächer, die man bereits jetzt als Bachelor oder Master studieren kann.

In zwei Jahren könnte das Bild aber bereits ganz anders aussehen. In allen Instituten, die Lehrer ausbilden, arbeiten die Wissenschaftler zur Zeit intensiv an der Umgestaltung der Studiengänge. Der Grund: Da Lehramtsanwärter zwei Fächer studieren müssen, die in verschiedenen Fakultäten angesiedelt sein können, kann die Umstellung nur fakultätsübergreifend erfolgen. »Aus studienorganisatorischen und kapazitären Gründen müssen die mit den Lehramtsfächern verbundenen Diplom- und Magisterstudiengänge zeitgleich umgestellt werden«, erklärt Dr. Rosemarie Winterfeld, bei der die Fäden zur Einführung der neuen Studiengänge in der Verwaltung zusammenlaufen. »Insofern bleibt uns gar nichts anderes übrig, als den großen Wurf zu machen und die Bachelor- und Master-Abschlüsse in annähernd sämtlichen Fächern auf einmal einzuführen.« Dieser große Wurf ist für das Wintersemester 2007/08 vorgesehen. Abstimmungsschwierigkeiten bei der Kultusministerkonferenz (KMK) sowie die nicht ganz einfache, von der Politik gewünschte Verzahnung von Lehrerstudium und Referendariat halten den Prozess aber immer wieder auf, so dass die als Pilotprojekt geplante Einführung eines neuen Bachelor- und Master-Studiengangs Biologie voraussichtlich nicht wie vorgesehen im Wintersemester 2006/07 starten kann. Dabei ist das neue Studienmodell für das Fach Biologie bereits recht weit gediehen. »Wir bieten als Grundausbildung einen Bachelor of Science in Biologie an. Im Masterprogramm kann man sich dann auf verschiedene Bereiche wie Genetik und Mikrobiologie, Morphologie und Systematik oder Entwicklungsbiologie spezialisieren«, berichtet Professor Frank Kempken vom Botanischen Institut. Als zusätzliche neue Angebote sind im Bachelor-Studium Module zur Biochemie, Meeresbiologie, Ökologie und Humanbiologie sowie Rechtliche Grundlagen und Ethik geplant.

Auch alle anderen betroffenen Institute erarbeiten zurzeit die Module für die neuen Studiengänge, deren Inhalte genau beschrieben werden müssen. Den groben Rahmen hierfür geben die Kultusministerkonferenz (KMK) und die beiden zuständigen Landesministerien vor. Dabei gibt es inhaltliche (mehr Praxisbezug, Schlüsselqualifikationen und internationale Ausrichtung) und formale Vorgaben. In der Verwaltung beschäftigt sich eine eigens dafür ins Leben gerufene Projektgruppe unter Leitung des für die Lehre zuständigen Prorektors, Professor Gerhard Fouquet, seit 2004 fast ausschließlich mit der Umstellung der Studiengänge. Dazu Winterfeld: »Unsere Aufgabe besteht darin, die Fächer bei der Umsetzung der politischen und rechtlichen Vorgaben zu unterstützen, sie zu beraten und den Fachbereichen bei der Abstimmung untereinander zu helfen. Hierzu haben wir bereits verschiedene Workshops zu generellen Fragestellungen angeboten. In der jetzigen Phase wird zusammen mit jedem Fachvertreter erörtert, ob die Modulbeschreibungen den Vorgaben entsprechen und welche kapazitären Auswirkungen die Umstellung haben wird. Anschließen wird sich die Fertigstellung einer für alle Fächer geltenden Prüfungsverfahrensordnung, die durch gemeinsam mit den Fachvertretern zu erarbeitende fachspezifische Bestimmungen ergänzt werden muss.«

Eine gewaltige Anstrengung verlangt die neue Prüfungsverwaltung. Denn eine wesentliche Neuerung bei den Bachelor- und Master-Studiengängen sind die studienbegleitenden Prüfungen, die alle zum Examen zählen. Viele kleine Modulprüfungen statt weniger großer Fachprüfungen gegen Ende eines Studienabschnitts (Vor- oder Hauptdiplom) abzulegen, bedeutet für viele Studierende eine höhere Lernmotivation. Die gleichmäßige Verteilung der Prüfungen soll zudem die Studienzeit verkürzen. Ziel der Reform ist auch, einen Wechsel zwischen verschiedenen Hochschulen (im In- oder Ausland) durch den mit dem Bestehen eines jeden Moduls verbundenen Erwerb von Leistungspunkten zu erleichtern.

»Es muss dazu allerdings ein riesiges Prüfungsverwaltungssystem aufgebaut werden, denn jede Prüfung, sei es als Klausur, mündliche Prüfung oder Seminararbeit, muss unter Examensbedingungen ablaufen«, erklärt die Leiterin des Referats für Studium und Prüfung. Studierende müssen sich zu den Prüfungen anmelden, bei Krankheit muss ein Attest vorgelegt werden, die Ergebnisse müssen erfasst werden. »Was früher einfach mit einem Schein erledigt war, wird jetzt sehr viel komplizierter. In der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät war es nur durch die Online-Funktion möglich, einen Berg von 5000 Anmeldungen innerhalb von einer Woche zu bearbeiten.«

Trotz allem hält Winterfeld die Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge für sinnvoll. »Eine große Chance sehe ich darin, dass man jeden Studiengang genau unter die Lupe nimmt und berufsfeldbezogene Lernziele definiert. Mit interessanten Master-Kursen und internationaler Ausrichtung hat man außerdem die Möglichkeit, gute Studierende anzuziehen. Wir können hier vielfältige und reizvolle Angebote schaffen, die zur Profilbildung der Universität beitragen.« (ne)

Im Internet: www.hrk-bologna.de
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