Fußballtheater
Die Fußballweltmeisterschaft ist in aller Munde. So mancher Skandal um Schiri und Co. hat im vergangenen Jahr jedoch einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Wie ist es um den deutschen Fußball bestellt?

Man kann zur Kommerzialisierung im Profisport stehen, wie man will, zurückdrehen lässt sie sich nicht mehr. Allerdings müsse diese Ausrichtung auf wirtschaftliche Ziele mit einer Professionalisierung des Managements einhergehen, plädiert Haag, und: »Der Sport muss aufpassen, dass er Herr im eigenen Hause bleibt und nicht durch das Wirtschaftlichkeitsstreben fremdbestimmt wird.«
Das nehme inzwischen, zumal im Fußball, bereits auch medizinische Dimensionen an: Die Spieler bekämen kaum noch Zeit, um Verletzungen zu kurieren oder Krankheiten auszuheilen. Fußballspieler, die tot auf dem Rasen zusammenbrechen, hat es im vergangenen Jahr mehrmals gegeben. »Ja, sicher«, sieht der Sportprofessor hier einen Zusammenhang. »Und es kommt noch hinzu, dass man in der Zwischenzeit weiß, dass zu viel Training, zu starke körperliche Anstrengung das Immunsystem zerstören.« Die Anfälligkeit gegenüber Infekten nimmt bei Hochleistungssportlern rapide zu, wie die sportmedizinische Forschung einwandfrei erwiesen hat. »Dies ist eine Spirale, die sehr gefährlich ist, aus der wir aber nur herauskommen, wenn die Profiabteilungen der Vereine und die Führung in den Spitzenverbänden ganzheitlich denken und auch die medizinische Dimension erfassen.« Als Stichwort in diesem Zusammenhang nennt Haag den »humanen Spitzensport, den sich ja alle auf die Fahnen schreiben.«
Ideen zur Veränderung tun offenbar Not. Ist da nicht die Sportwissenschaft gefordert, sich stärker einzumischen? Die Antwort des Kieler Fachmanns ist eindeutig: »Wir erfahren immer wieder, dass der deutsche Sport – von wenigen Ausnahmen abgesehen – kein Interesse hat an Denkwerkstatt, an Ratschlägen, Diskussionen. Die Funktionäre bekunden zwar manchmal das Gegenteil, es bleibt jedoch bei Lippenbekenntnissen.«
Eine andere Möglichkeit, Strukturen besser zu ordnen, könnte eine freiwillige Selbstkontrolle der Sportvereine und Sportverbände sein. An einen derartigen Ausweg glaubt der Sportforscher Haag allerdings nicht mehr, da habe es bereits zahlreiche gescheiterte Versuche gegeben. Erfolg versprechend erscheint ihm höchstens eine Einflussnahme über die Geldgeber, etwa das Bundesinnenministerium, das den Spitzensport jährlich mit etwa 250 Millionen Euro fördert. Oder über die Sponsoren: »Sie haben den Sport in der Hand. Wenn die Sponsoren ein Handeln nach ethischen Grundsätzen fordern und überprüfen, ist das der beste Garant für das Gelingen unserer Bemühungen.« (sch)
Zuständig für die Pflege dieser Seite:
Pressestelle der Universität,
presse@uv.uni-kiel.de





