Hautnah
Beim Hautkrebs-Check suchen Ärzte nach dem »hässlichen Entlein«, dem Leberfleck, der anders aussieht als die anderen. Die Vorsorgeuntersuchung sollte jährlich wiederholt werden.

Foto: pur.pur
»Das ist natürlich schwer einzusehen«, so Hauschild. Zumal das »Modellprojekt zur Erprobung der Bedingungen eines Hautkrebs- Screenings in der gesetzlichen Krankenversicherung « in Schleswig-Holstein bewiesen hat, dass das Vorsorgeprogramm funktioniert und von der Bevölkerung gut angenommen wird. Die Deutsche Krebshilfe hatte gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) von Juni 2003 bis Juli 2004 alle über 20-jährigen Schleswig-Holsteiner zum kostenlosen Hautkrebs-Screening aufgerufen. Mehr als 366.000 Menschen nutzten diese Möglichkeit. Die Erstuntersuchung, eine standardisierte Ganzkörperuntersuchung, erfolgte bei Ärzten aller Fachrichtungen, die im Hinblick auf die Krebserkennung geschult worden waren. Bei verdächtigen Befunden sollten die teilnehmenden Ärzte die Betroffenen an einen Hautarzt überweisen, da nur der Facharzt den Verdacht abklären und weitere Maßnahmen vornehmen kann.
Die hohe Beteiligung in der Bevölkerung hat das Modellprojekt zur weltweit größten Studie zur Hautkrebsprävention gemacht. Über 3000 bösartige Hautkrebserkrankungen, darunter 568 maligne Melanome, wurden hierbei entdeckt und umgehend behandelt. Bei den anderen Fällen handelte es sich um weißen Hautkrebs, also Basalzellkrebs oder Stachelzellkrebs. Das maligne Melanom, der schwarze Hautkrebs, zählt zu den gefährlichsten Krebserkrankungen. Wenn er nicht in einem frühen Stadium entfernt wird, kann der Tumor streuen, das heißt es bilden sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen. Dies kommt beim weißen Hautkrebs kaum vor.

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Damit der Hautkrebs in einem frühen und damit gut behandelbarem Stadium erkannt wird, empfehlen die Experten eine jährliche Vorsorgeuntersuchung. Vom Kopf bis zu den Fußsohlen sucht der Arzt hierbei nach verdächtigen Stellen. »Diese Ganzkörperuntersuchung dauert 20 bis 30 Minuten«, sagt Dr. Stephan Lischner, niedergelassener Hautarzt in Kiel. Lischner setzt, wie auch die Uni-Hautklinik, bei seiner Untersuchung auf die neueste Diagnosetechnik, die digitale Auflichtmikroskopie mit Videoauswertung. »Wenn ich auffällige Stellen finde, mache ich zunächst mit der Kamera eine Übersichtsaufnahme. Anschließend werden die verdächtigen Hautpartien mit 20- bis 70facher Vergrößerung eingescannt und analysiert.«
Auf dem Bildschirm schaut sich der Kieler Dermatologe, der am Modellprojekt beteiligt war, die Struktur der Leberflecke zusammen mit dem Patienten genau an. »Die Entscheidung, ob ein Leberfleck raus muss oder nicht, mache ich aber nicht von der Entscheidung des Computers abhängig«, versichert Lischner. »Für mich ist es sozusagen eine zweite Meinung. Außerdem kann ich dem Patienten am Bildschirm besser veranschaulichen, was mit dem Leberfleck los ist.« Wichtig sei zudem die Möglichkeit der Verlaufskontrolle. Bei regelmäßigen Kontrollterminen werde überprüft, ob sich der eingescannte Leberfleck verändert hat. Nach Meinung von Professor Hauschild könne der Computer die Diagnostik und Verlaufskontrolle zwar erleichtern, entscheidend sei aber nach wie vor die Blickdiagnose mit dem bloßen Auge und dem Handdermatoskop. »Das hängt natürlich auch davon ab, wie geschult das Auge ist«, so Hauschild. Dabei haben die Hautärzte eine hohe Trefferquote. »Wenn der Hautarzt den Verdacht auf ein Melanom äußert, bestätigt sich das in der feingeweblichen Untersuchung des entnommenen Gewebes in etwa 90 Prozent«, so Lischner.
Ob und in wieweit die jährliche Vorsorge- Untersuchung künftig als Kassenleistung erbracht werden kann, hängt vom »Gemeinsamen Bundesausschuss« der Kassen und Ärzte ab. Dieser berät derzeit darüber. Eine Entscheidung soll nächstes Frühjahr vorliegen. Professor Eckhard Breitbart vom Elbeklinikum Buxtehude, der an den Beratungen des Bundesausschusses teilnimmt, wagt keine Prognose. Für den zweiten Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention ist klar, dass das Projekt rundum erfolgreich war. »Wir haben ganz viele Fälle von Hautkrebs erkannt, den Diagnosezeitpunkt nach vorne verlegt und Kosten eingespart. Das heißt aber nicht automatisch, dass das Screening auf Hautkrebs deshalb eingeführt wird.« (ne)
Weitere Informationen: www.unserehaut.de
Bildschirmanalyse

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Mit einer Kamera und dem Mikroskopvorsatz kann der Arzt mikroskopische Aufnahmen des Muttermals mit 20- bis 70-facher Vergrößerung in ein Computerprogramm einspeisen. Das eingescannte Pigmentmal wird dann nach der ABCD-Regel ausgewertet. Mit Hilfe von Referenzdaten errechnet der Computer, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es sich bei der untersuchten Hautveränderung um ein malignes Melanom (schwarzen Hautkrebs) handelt. Bisher haben jedoch nur wenige Hautärzte dieses Gerät in ihrer Praxis. Und die Patienten müssen den zusätzlichen Aufwand bezahlen. Für den normalen Hautkrebs- Check mit dem Handdermatoskop müssen Patienten 20 bis 30 Euro bezahlen. Etwas teurer wird es mit dem »Fotofinder«.
Selbsttest auf schwarzen Hautkrebs
Pigmentmale (auch Leberflecken oder Muttermale genannt) entstehen im Laufe des Lebens. Sie können auch genetisch bedingt und angeboren sein. Meist handelt es sich um harmlose Hautveränderungen. Sind Form und Farbe von Pigmentmalen unregelmäßig, kann es sich allerdings um die Vorstufe eines bösartigen Melanoms handeln, die unbedingt vom Arzt untersucht werden muss. Auch angeborene Muttermale können zu einem malignen Melanom entarten. »30 Prozent der Melanome entstehen auf einem vorbestehenden Leberfleck, und 70 Prozent entstehen auf Haut, wo vorher kein Leberfleck war«, erklärt der Kieler Hautarzt Dr. Stephan Lischner. Veränderungen an den Leberflecken kann jeder bei genauer Beobachtung selbst entdecken. Wenigstens zwei- bis dreimal im Jahr sollte man sich daher von Kopf bis Fuß selbst untersuchen. Man sollte sich in Ruhe anschauen, am besten mit Hilfe eines Handspiegels, und zwar ganz methodisch von vorne und hinten: Kopf, Kopfhaut und Ohren, Hals, Oberkörper, Achseln, Arme, Hände und Fingerzwischenräume, Po, Genitalbereich, Beine, Füße, Zehenzwischenräume und Fußsohlen. Die ABCDE-Regel hilft gefährliche Veränderungen zu erkennen:
– Asymmetrie des Pigmentmals (nicht kreisrund oder oval)
– Begrenzung unscharf oder unregelmäßig
– Colorit (Farbton) sehr dunkel oder unregelmäßig
– Durchmesser größer als fünf Millimeter
– Erhabenheit innerhalb des Mals
Verdächtig ist außerdem, wenn ein größeres Mal neu auftaucht oder ein bestehendes sich zu verändern beginnt, beispielsweise nässt, juckt, blutet, druckempfindlich oder entzündet ist.
Doch nicht nur ein ungewöhnliches Pigmentmal auf der Haut ist verdächtig. Auch dunkle Verfärbungen an der Sohle oder unter einem Nagel, die plötzliche Ablösung eines Nagels oder eine langwierige schmerzlose Nagelwallentzündung können melanomverdächtige Anzeichen sein. (ne)
– Asymmetrie des Pigmentmals (nicht kreisrund oder oval)
– Begrenzung unscharf oder unregelmäßig
– Colorit (Farbton) sehr dunkel oder unregelmäßig
– Durchmesser größer als fünf Millimeter
– Erhabenheit innerhalb des Mals
Verdächtig ist außerdem, wenn ein größeres Mal neu auftaucht oder ein bestehendes sich zu verändern beginnt, beispielsweise nässt, juckt, blutet, druckempfindlich oder entzündet ist.
Doch nicht nur ein ungewöhnliches Pigmentmal auf der Haut ist verdächtig. Auch dunkle Verfärbungen an der Sohle oder unter einem Nagel, die plötzliche Ablösung eines Nagels oder eine langwierige schmerzlose Nagelwallentzündung können melanomverdächtige Anzeichen sein. (ne)
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