CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePresseUnizeitNr. 36Seite 1
unizeit Nr. 36 vom 27.05.2006, Seite 1  Übersicht  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

an wenigen Orten wird Demokratie so intensiv gelebt wie an unseren Hochschulen. Rektorate gründen ihre Entscheidungen und Stellungnahmen auf intensiven Meinungsaustausch mit den gewählten Gremien. Nicht immer finden sie mit ihren Vorstellungen der Vertretung nach außen dort vorbehaltlose Unterstützung. Lange wurde beispielsweise in der Universität Kiel um eine angemessene Reaktion auf die Pläne der schleswig-holsteinischen Landesregierung zur Reform des Hochschulwesens gerungen. Eindeutig war die Ablehnung, auf die bestimmte Veränderungen im geplanten Hochschulgesetz stoßen und dies in allen Teilbereichen der Universität.

Sehr deutlich wurde auch die hohe Identifikation aller Gruppen mit ihrer Universität – auch wenn es in einzelnen Fragen unterschiedliche Meinungen gibt. Diese Fragen in angemessener Form zu diskutieren dient der eigenen Standortbestimmung und Selbstdefinition.

In den vergangenen Monaten haben wir intensiv und mühevoll nach einem angemessenen und politisch vertretbaren Weg gesucht, die Landesregierung davon zu überzeugen, wie destruktiv sich bestimmte Regelungen im geplanten Hochschulgesetz auswirken würden. Mit Leidenschaft haben wir die Fragen diskutiert, die unsere Existenz als Hort ausgezeichneter Forschung und Lehre betreffen.

Eine Hochschulleitung mit weitgehenden Entscheidungsbefugnissen kann man für wünschenswert halten. Wo es um die eigene Ortsbestimmung und die Definition von für alle Hochschulmitglieder verbindlichen Werten geht, ist jedoch die an unserer Universität praktizierte Demokratie unverzichtbar. Auch aus diesem Grunde ist der im neuen Gesetz geplante Universitätsrat abzulehnen, würde er doch essentielle Grundzüge der demokratischen Entscheidungsstrukturen zerstören. Die Kunst bei der Ausgestaltung eines neuen Gesetzes liegt darin, Entscheidungen zu beschleunigen und gleichzeitig ihre demokratische Legitimation durch Wahl der Gremien und der Leitung aus der Hochschule heraus zu erhalten.

Wenn als Ergebnis aus der gegenwärtigen intensiven Diskussion im Lande eine durch Eigenständigkeit und Selbstbestimmung gestärkte Universität als Hort und Nährboden für herausragende Forschung und Lehre hervorgeht, ist sie nicht umsonst gewesen.

Professor Thomas Bauer
Prorektor
Zum Seitenanfang  Übersicht  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung



Zuständig für die Pflege dieser Seite: Pressestelle der Universität   ► presse@uv.uni-kiel.de