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unizeit Nr. 37 vom 15.07.2006, Seite 1  Übersicht  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den Vereinigten Staaten ist eine Debatte über die Evolutionstheorie entbrannt. Dies alarmiert die Wissenschaft. Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften hat zusammen mit 66 weiteren Akademien eine Stellungnahme zur Lehre der Evolution herausgegeben. Darin fordern die Unterzeichner, dass die experimentellen Ergebnisse und Erkenntnisse über die Ursprünge und die Entwicklung des Lebens auf der Erde weder verschleiert noch verneint werden dürfen. Weiter heißt es: Eltern und Lehrer sollten darauf achten, dass Schulkinder einen Zugang zu wissenschaftlich gesicherten Informationen über die Evolution haben.

»Wozu diese Warnung?«, mag sich manch einer fragen. Das ist doch wohl selbstverständlich! Leider nicht mehr, zumindest nicht in den Vereinigten Staaten. Immer mehr Bundesstaaten gehen dazu über, in den Schulen die Lehre unwissenschaftlicher, kreationistischer Theorien zu verlangen, die von der Existenz eines intelligenten Schöpfers ausgehen, der alle Lebewesen unmittelbar, ohne Vermittlung durch die Geschichte der Natur kreiert habe. Charles Darwins Evolutionstheorie gilt dort geradezu als »unanständig «. Auch an deutschen Schulen nimmt der Einfluss der Evolutionsignoranten zu. Unser Gespräch mit Professor Thomas Bosch auf Seite 3 legt davon Zeugnis ab.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Wissenschaft? Verlieren Wissenschaftler ihre Glaubwürdigkeit, wenn an Schulen ideologische Sichtweisen wissenschaftlichen Erkenntnissen vorgezogen werden? Wie sollen Kinder ein Verständnis für Naturvorgänge entwickeln, wenn man ihnen die Methoden und Entdeckungen der Naturwissenschaft vorenthält? Die PISA-Diskussion erscheint vor diesem Hintergrund in einem ganz neuen Licht.

Es mögen Randerscheinungen sein, wenn Familien ihre Kinder nicht zur Schule schicken, weil man sie nicht der Evolutionslehre aussetzen will. Aber sie sollten zu denken geben. Deshalb ist die Initiative der Wissenschaftsakademien richtig und wichtig. Aber sie reicht vermutlich nicht aus.

Ich würde mir wünschen, dass sich auch Theologen und Kirchenleute lauter zu Wort meldeten. Denn im Kern geht es vor allem um die Annahme, dass sich naturwissenschaftliche Erkenntnis und der Glaube an einen Schöpfergott ausschließen. Der Herausforderung, die Texte der Bibel mit der naturwissenschaftlichen Erkenntnis zusammenzubringen, kann die moderne Theologie sich doch allemal stellen!

Professor Thomas Bauer
Prorektor
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