Mit den eigenen Waffen
Unser Immunsystem bietet grundsätzlich verschiedene Strategien zur Abwehr von Krebserkrankungen. Das eröffnet neue Perspektiven in der Krebstherapie.
Die bewährten Therapien gegen Krebserkrankungen wie Chemotherapie und Bestrahlung sind weitgehend ausgereizt. Entscheidende Impulse für die Therapie könnten dagegen von einer positiven Beeinflussung des Immunsystems ausgehen, zusätzlich zu den bestehenden Therapien. Für Professor Dietrich Kabelitz gibt es Grund zu der Hoffnung, dass man in zehn bis zwanzig Jahren einen Durchbruch bei der Immuntherapie von Krebserkrankungen erreicht haben könnte. »Zentrale Frage hierbei ist: Warum ist das Immunsystem nicht in der Lage, die Krebszellen als Feinde zu erkennen und abzutöten?«, so der Direktor des Instituts für Immunologie. Die Gründe für die Toleranz des Immunsystems gegenüber den Krebszellen sind vielfältig. Krebszellen sind aus normalen, gesunden Körperzellen entstanden, auf ihrer Zelloberfläche tragen sie nur wenige Merkmale, die sie von Körperzellen unterscheiden. Sie tragen sozusagen eine Tarnkappe. Außerdem fehlt den Abwehrzellen, anders als bei einer Entzündungsreaktion, das Signal der Gefahr, das sie in Alarmbereitschaft setzt und nach dem Feind suchen lässt.
Hinzu kommt, dass viele Tumorzellen Botenstoffe produzieren, die das Immunsystem aktiv unterdrücken. Bekannt ist zum Beispiel der immunsuppressive Botenstoff TGF-beta (transforming growth factor). Diese hemmenden Faktoren erklären vielleicht auch, warum bisherige Versuche zur therapeutischen Krebsimpfung nicht so erfolgreich waren.
Kabelitz: »Möglicherweise reicht es nicht aus, das Immunsystem nur zu stimulieren. Vielleicht muss man auch hemmende Komponenten aus dem Immunsystem wegnehmen.« Viele Tumoren aktivieren regulatorische TZellen, früher nannte man sie Suppressorzellen, um eine Immunantwort abzustellen. Diese Zellpopulation sorgt normalerweise für eine gewisse immunologische Toleranz, die wichtig ist, um Autoimmunerkrankungen zu vermeiden. »Möglicherweise würden therapeutische Krebsimpfungen besser funktionieren, wenn man diese Suppressorzellen vorher wegnimmt«, spekuliert der Kieler Immunologe.
Eine Methode, die bereits angewandt wird, um die Abwehrreaktion gegen Krebszellen zu verstärken, ist der Einsatz von im Labor hergestellten Antikörpern. Sie binden an bekannte Tumorantigene auf Krebszellen und bremsen das Krebswachstum. Zur Krebsbehandlung sind beispielsweise die Antikörper »Rituximab« und »Trastuzumab« als Medikamente zugelassen. Rituximab zielt gegen Tumorantigene auf Krebszellen von Tumoren des Lymphsystems und von lymphatischen Leukämien, Trastuzumab wird bei manchen Formen von Brustkrebs verwendet. Er richtet sich gegen den wachstumsstimulierenden »Her2/neu-Rezeptor« auf den Brustkrebszellen und hemmt dadurch deren Wachstum. »Bei der Behandlung von Brustkrebspatientinnen hat der Einsatz von Trastuzumab einen deutlichen Fortschritt gebracht, der sich auch in der Lebenserwartung bemerkbar machte«, berichtet Dr. Felix Hilpert von der Universitätsfrauenklinik.
Eine Strategie, die schon seit rund 15 Jahren angewandt wird, ist die Impfung mit inaktivierten Tumorzellpräparaten des Patienten. Verlässliche Daten zur Wirksamkeit dieser Verfahren gibt es jedoch nicht. »Ich will aber nicht ausschließen, dass es im Einzelfall auch geholfen hat«, so Kabelitz. Dieses Verfahren wird von Firmen und Spezialpraxen angeboten und muss privat bezahlt werden. Ebenfalls fragwürdig sind die verschiedenen Methoden, mit denen eine allgemeine Steigerung des Immunsystems angestrebt wird. Kabelitz: »Dass ein gesunder Lebensstil auch dem Immunsystem gut tut, ist unbestritten. Ich halte von allen anderen immunstimulierenden Methoden nicht sehr viel.« Im Einzelfall könnten solche Methoden der alternativen Krebstherapie auch Nachteile haben. Daher sollte eine Immunstimulation nur unter kontrollierten Bedingungen erfolgen. (ne)
Schutz vor Gebärmutterhalskrebs durch neue Impfung
Die US-amerikanische Zulassungsbehörde hat im Juni den ersten Impfstoff gegen Humane Papillomaviren (HPV) zugelassen. HPV-Infektionen verursachen Warzen im Genitalbereich, die zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) führen können. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs auf Infektionen mit HPV zurückgehen. Der gentechnisch erzeugte Impfstoff Gardasil vom Arzneimittelhersteller Merck wurde weltweit bei 21.000 Frauen getestet. Demnach wehrt das Mittel die entscheidenden Typen der sexuell übertragenen Papillomaviren fast 100-prozentig ab. Die vorbeugende Behandlung mit Gardasil besteht aus drei Injektionen, die über sechs Monaten verabreicht werden. Gardasil ist gegen vier Typen des Erregers wirksam. Am anfälligsten für die Papilloma- Infektion sind Teenager und junge Frauen unter 25. Ein zweiter Impfstoff gegen dieselben Krebs auslösenden Viren, Cervarix von GlaxoSmithKline, wird Ende 2006 erwartet. Für beide Impfstoffe ist auch die EU-Zulassung beantragt.
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