Nicht kleckern – klotzen!
Besonders erfolgreiche Unternehmen gründen meist groß. Wer klein anfängt, bleibt auch eher klein. Darauf wies die Soziologin Professor Monika Jungbauer-Gans im Gespräch mit »unizeit« hin.

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Jungbauer-Gans: Psychologen beschäftigen sich immer wieder mit dieser Thematik. Bisher gibt es jedoch keine verlässlichen Daten aus der Forschung, die belegen, dass Merkmale wie Leistungsstreben wirklich relevant sind. Wir als Soziologen stützen uns mehr auf die fachlichen Qualifikationen. Welche fachlichen Qualifikationen sollten Existenzgründer mitbringen? In den empirischen Studien, die wir gemacht haben, zeigt sich in erster Linie, dass die Branchenerfahrung ausschlaggebend für den Erfolg einer Unternehmensgründung ist. Ebenfalls wichtig ist die Berufserfahrung, wobei die ersten Jahre am meisten zu Buche schlagen. Wenn man über 30 Jahre Berufserfahrung hat, macht ein Jahr mehr oder weniger keinen Unterschied mehr. Aus unseren empirischen Daten kann man ein optimales Gründungsalter ausrechnen. Es liegt so im Bereich von 35 Jahren. Auch Führungs- und Managementerfahrung sind hilfreich bei einer Unternehmensgründung, aber weniger wichtig als die Branchenerfahrung.
Welche weiteren Faktoren sind für eine erfolgreiche Unternehmensgründung von Bedeutung?
Eine gute Planung und exakte Vorbereitung des Vorhabens hat sich in unseren Untersuchungen als signifikant herausgestellt. Wichtig ist, dass Partner und Familie das Vorhaben unterstützen. Allerdings sollte die Unterstützung nicht die Ressourcen ersetzen. Gute Indikatoren für den Geschäftserfolg sind auch Startkapital und Anzahl der Mitarbeiter am Anfang. Wenn man ein Unternehmen gründen will, sollte man in einem größeren Umfang planen und dann das Vorhaben auch entsprechend umsetzen. Man kann nicht empfehlen, erst mal klein anzufangen und sich langsam zu steigern. Das funktioniert nicht so richtig.

Jungbauer-Gans Foto: pur.pur
Hier kann ich nur spekulieren. Eine mögliche Erklärung ist, dass man Ziele nur erreichen kann, wenn man sich welche setzt. Wenn man nicht plant, wie sich das Geschäft entwickeln soll, arbeitet man nicht darauf hin. Ein Problem ist möglicherweise auch, dass man nachträglich keine Finanzierung bekommt, wenn man nicht von Anfang an eine Expansion geplant hat.
Sie haben in ihrer Promotion die Erfolgs- und Überlebenschancen neugegründeter Betriebe von Frauen mit denen von Männern verglichen. Welche Unterschiede haben Sie festgestellt?
Frauen gründen meist nicht mit einer großen Ambition, sondern eher mit einem kleinen Betrieb, oft auch nur mit einer Arbeitsstelle für sich selbst. Sie expandieren weniger stark, das heißt, sie stellen weniger Mitarbeiter ein, und wachsen weniger stark im Umsatz, verglichen mit Männerbetrieben, bestehen aber genauso lange.
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