Frauen gründen anders
Wenn Frauen ein eigenes Unternehmen gründen, steckt dahinter häufig der Wunsch, Berufstätigkeit räumlich und zeitlich flexibel zu gestalten. Auch für Wissenschaftlerinnen ist die Existenzgründung eine Option.

Braunalgen (Laminaria saccharina) aus der Ostsee liefern wertvolle Substanzen für Naturkosmetika. Foto: O'Well
So wie Dr. Inez Linke. Die Kieler Meeresbiologin hat zusammen mit drei Kollegen vor fünf Jahren das Unternehmen Ocean Wellness (Wirkstoffe und Kosmetik aus dem Meer) gegründet. »Mein Hauptbeweggrund war, dass ich Familie und Beruf vereinbaren wollte. Ich kann mir als Selbstständige die Arbeitszeiten frei einteilen. An der Universität hätte ich nur die Chance auf eine befristete Projektstelle gehabt und das nicht unbedingt in Kiel, wo mein Mann eine Vollzeitstelle hat.« Jetzt arbeitet die Mutter von zwei Kindern im Alter von sechs und neun Jahren in der Regel von 8 bis 14 Uhr, ihre Kompagnons arbeiten zeitversetzt. »Das klappt sehr gut«, betont Linke. »Das Team ist aber auch ein ganz großer Faktor zum Erfolg. Darüber hinaus unterstützt mich auch mein Mann.«

In der Selbstständigkeit sehen Frauen eine gute Möglichkeit, ihre beruflichen Vorstellung zu verwirklichen und gleichzeitig für ihre Kinder da zu sein. Foto: Stock4B
Weiterhin wissenschaftlich arbeiten zu können, ist gerade für Akademikerinnen ein Anspruch, den sie in die Selbstständigkeit mitnehmen. Dieses Ziel hat Inez Linke in ihrem Unternehmen verwirklicht. »Wir waren etwa anderthalb Jahre in der Produktentwicklung aktiv, bis wir unsere Meereskosmetikserie anbieten konnten. Auch die Methode zur Gewinnung des Algenextraktes haben wir selbst erforscht. Und auch jetzt laufen wieder zwei Forschungsvorhaben: eins in Kooperation mit der Universität Lübeck, das andere mit dem IFM-Geomar.« Die Forschungstätigkeit wird unter anderem von Fördermitteln des Landes Schleswig-Holstein unterstützt, rund 40 Prozent der Kosten mussten sie jedoch selbst tragen. Doch es hat sich gelohnt. »Wir sind jetzt im ersten Jahr in den schwarzen Zahlen über den eigenen Produktverkauf«, so Linke. »Dabei ist die Kosmetikserie nur ein Standbein. In diesem Jahr verkaufen wir auch erstmals das Algenextrakt an andere Kosmetikhersteller.« Mit dem bisher Erreichten ist die Unternehmerin sehr zufrieden. »Es ist immer eine Herausforderung, und ich muss den Alltag gut organisieren. Aber man kann sich die Zeit relativ frei einteilen. Das ist schon ein Vorteil.« Einen Wermutstropfen sieht sie dennoch: »Finanziell war es in den ersten Jahren recht mager. Da hält man sich immer noch an der Vision fest, und guckt nicht nur aufs Geld. In den ersten drei Jahren hätte es sich mehr gerechnet, wenn ich zu Hause geblieben wäre und die hohen Kinderbetreuungskosten nicht angefallen wären.«
Das Modell der Gründung einer eigenen Existenz ist bei Wissenschaftlerinnen bisher noch nicht weit verbreitet. Während sich derzeit rund zwölf Prozent aller erwerbstätigen Männer selbstständig machen, liegt die Quote bei Frauen nur halb so hoch. Lediglich jedes vierte Unternehmen wird von einer Frau gegründet. Bei technologieorientierten Gründungen, insbesondere Ausgründungen aus Forschungseinrichtungen und Hochschulen, liegt der Frauenanteil sogar nur zwischen 10 und 15 Prozent. (ne)
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