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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 38 vom 21.10.2006, Seite 8  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Schlau laufen

Regelmäßige Bewegung hält uns auch geistig auf Trab. Dabei muss es nicht unbedingt ein Dauerlauf sein. Aktivität jeder Art fördert die geistige Fitness.


Der Markt hat sich eingestellt auf die Angst der Menschen vor dem geistigen Abbau. So gibt es neben einer Fülle von Kursen zum Gedächtnistraining ein großes Angebot an Denk- und Knobelspielen für den PC. Sie heißen Dr. Grips Gehirntrainer, IQ Expander oder so ähnlich und trainieren nach Angaben der Hersteller mit Spielen und Übungen räumliches und logisches Denken sowie Auffassungsgabe und Gedächtnis.

Aber man muss nicht unbedingt das Gehirn anstrengen, um die Geisteskraft zu erhalten. Auch körper­liche Aktivitäten trimmen die grauen Zellen. »Je länger man aktiv bleibt im Alter, desto weniger gibt es die Einbußen an kognitiven Leistungen, wozu natürlich auch das Gedächtnis zählt«, berichtet Jan-Peters Janssen. Der Professor (em.) für Sportpsychologie eröffnet am 6. November die Ring­vorlesung »Alter, Gesundheit und aktiver Lebensstil« mit einem Vortrag über den Nutzen von Bewegung fürs Gedächtnis im Alter.

Aber auch bereits an Demenz erkrankte Patienten profitieren noch von Bewegung und sollten daher nach ihren Möglichkeiten mobilisiert werden, empfiehlt Janssen. So untersuchte eine Studie den Effekt einer musischen Bewegungstherapie bei Menschen mit Demenzerkrankungen in Pflegeheimen. Zu den Übungen gehörten zum Beispiel rhythmisch klatschen, Lieder singen und sich im Takt der Musik bewegen. Das Ergebnis: So lange das Programm läuft, können sich die Heimbewohner im Alltag besser orientieren. Sie sind zum Beispiel in der Lage, alleine zum Essen zu gehen. Janssen: »Wenn das auf diesem Level möglich ist, durch Aktivität eine Verbesserung der kognitiven Leistung insgesamt zu erreichen, dann ist das natürlich bei Gesunden nicht anders.« Umgekehrt gäbe es auch die Beobachtung, dass Patienten nach einem längeren stationären Aufenthalt im Krankenhaus hinterher Schwierigkeiten hätten, sich im Alltag zurecht zu finden.

Foto: photocase

Den Zusammenhang zwischen Bewegung und Hirnfunktion hat eine Fülle von Studien in den vergangenen 40 Jahren untersucht. Dr. Arthur Kramer und sein Team von der University of Illinois haben diese Untersuchungen in einer Metaanalyse unter die Lupe genommen. Sie kommen zu dem Schluss, dass sportliche Betätigung den Alterungsprozess des Gehirns verlangsamt und Menschen dabei hilft, ihre geistigen Fähigkeiten bis ins hohe Alter zu bewahren. Sogar vor gefürchteten Demenzerkrankungen, wie der Alzheimerschen Erkrankung, können körperliche Aktivitäten langfristig schützen, folgern die amerikanischen Wissenschaftler aus den Studienergebnissen. Welche körperliche Aktivität sich besonders intensiv oder besonders schnell auf die Hirnfunktion auswirkt, ist jedoch noch nicht erforscht. Wichtig ist aber, dass Sport Freude macht. Wer sich schlecht gelaunt auf dem Fahrrad abstrampelt oder nur missmutig durch Feld und Flur hechelt, erzeugt Stress und Stresshormone, die wiederum den Gehirnzellen schaden.

Der belebende Effekt sportlicher Betätigung ist zum einen auf eine verbesserte Hirndurchblutung zurückzuführen. Bewegung bringt den Kreislauf in Schwung und führt dazu, dass die Zellen des Gehirns besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. »Im Alter ist die Gehirnzirkulation oft schlechter«, so Janssen. »Das kann man durch Aktivität verbessern. Wenn man den normalen Bewegungspegel des Alltags ein wenig erhöht, jeden Tag eine halbe Stunde spazieren geht oder joggt, dann ist die Zirkulation besser. Darüber hinaus funktioniert auch die Verschaltung der Nervenzellen untereinander besser. Dadurch bleiben die Möglichkeiten erhalten, auf Gewohntes zurückzugreifen.« Ebenfalls wichtig: Beim Radfahren, Walken oder in der Gymnastikgruppe ist das Gehirn ständig im Einsatz. So liefern Gespräche, neue Bekannte, ungewohnte Bewegungsabläufe und vielfältige Sinnes­eindrücke, wie Bäume am Wegesrand, Vogelgezwitscher oder wechselnde Musik Denkfutter.

Foto: photocase

Was passiert, wenn wir von der Außenwelt abgeschnitten sind und diese Sinneseindrücke fehlen, haben Studien in Isolierkammern untersucht. Janssen: »In diesen Isolierstationen hört und sieht man nichts, man darf sich nicht bewegen und muss ruhig sein. Und selbst, wenn man ein Lied vor sich hinträllert, wird das durch die Isolierung geschluckt, man hört keinen Ton. Die Probanden hielten es meist nicht sehr lange aus in dieser Umgebung, obwohl sie für den Aufenthalt bezahlt wurden.« Vor und nach dem Aufenthalt in den Kammern mussten die Probanden Aufgaben lösen. Das Ergebnis: Nach vier, fünf Stunden Isolierung fallen die Leistungen deutlich ab. Das heißt, auch bei jungen, gesunden und geistig aktiven Leuten führt Isolierung, Ruhe und Unbeweglichkeit zum Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit. (ne)
Gedächtnistraining mit Gregor Staub
Gregor Staub, der erfolgreiche Gedächtnistrainer aus Erlenbach bei Zürich, stellt sein Programm »Mega Memory©« am 7. November von 16 bis 18:30 Uhr im Audimax vor. Bei dem kostenlosen Schnupperkurs erfahren die Teilnehmer mit praktischen Übungen, wie sie sich Namen, Zahlen oder Termine besser merken können. Die Veranstaltung dient als Einblick in die Methode. Die Mega Memory Techniken können Interessierte als Selbstlehrgang oder im Seminar erlernen.

Im Internet: – www.careercenter.uni-kiel.de – www.gregorstaub.com
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