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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 39 vom 09.12.2006, Seite 2  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Prädikat: Traumvorlesung

Ein »Sehr Gut« für den Professor? An der Kieler Uni werden nicht nur Studierende, sondern auch immer mehr Lehrer benotet und Schwachstellen aufgedeckt.


Die Professoren Till Requate und Hans-Heinrich Driftmann haben es schwarz auf weiß und eingerahmt in ihren Büros hängen: die Auszeichnung »Traumvorlesung« der Fachschaft Wirtschafts- und Sozial­wissenschaften. Schaut man genauer auf die »Zeugnisse« der Professoren, erkennt man ihre Paradefächer: bei Requate Vorlesungsaufbau und -vorbereitung, und bei Driftmann Praxisnähe, denn in diesen Fächern haben sie eindeutig Bestnoten erreicht. »Und das, obwohl ich weder ein Witzereißer noch ein Notenschenker bin«, beteuert Requate.

An der CAU ermitteln derzeit zwei Fakultäten regelmäßig und vergleichbar die Qualität von Vorlesungen: Bei den Rechtswissenschaften heißt dieses Verfahren »Prüf den Prof« und bei den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften »Traumvorlesung«. Dafür verteilen die Studierendenvertreter aus den Fachschaften am Ende eines jeden Semesters Bewertungsbögen an alle Vorlesungsteilnehmer. Die Bögen fragen anonym nach der Vorbereitung des Professors, der Verständlichkeit der Vorlesung und nach der Ausdrucksfähigkeit des Professors. Die Fachschaftsvertreter sammeln diese Bögen auch unmittelbar wieder ein, und so liegt der Rücklauf bei mehr als traumhaften 90 Prozent.

»Da kommen schon mal mehrere Kisten voller Traumvorlesungs-Fragebögen zustande, die alle ausgezählt werden müssen«, erklärt Sascha Frömmrich von der Fachschaft WiSo. Mittels einer Statistiksoftware werden diese Zählergebnisse zu Noten zusammengeführt, die in einem Heft veröffentlicht werden. Alle Professoren haben die Möglichkeit, mit den Fachschaften die Ergebnisse auszuwerten und Probleme zu erkennen. Dabei zeige sich immer wieder: Den Profs liegt die Meinung ihrer Schützlinge am Herzen, wenn auch nicht jede Kritik immer bierernst genommen werden muss. »Ein Professor, der zuvor ausschließlich orangefarbene Hemden bevorzugte, trug nach einer Bemerkung durch die Traumvorlesung nur noch grüne«, schmunzelt Sascha Frömmrich. Zusätzlich zu den Ergebnissen der Befragung erhalten die besten Professoren die Urkunde »Traumvorlesung«: Requate erhielt diese Auszeichnung für seine Grundstudiumsvorlesung »Grundzüge der Mikroökonomischen Theorie« und Driftmann für seine Hauptstudiumsvorlesung »Unternehmenspolitik«.

Die Befragung nach der Qualität der Vorlesungen nennt man im Fachjargon »Lehrveranstaltungs­evaluation« oder neudeutsch »Studierendenfeedback«. Michael Erdmann, Studierendenfeedback­koordinator an der CAU, erklärt, warum regelmäßige und vergleichbare Befragungen so wichtig sind: »Nur, wenn man in ein und demselben Fach über längere Zeit Erfahrungswerte sammelt, kann man die Ergebnisse interpretieren. Unterschiedliche Fächer kann man nicht miteinander vergleichen, denn in einem unliebsamen Fach hat es der Lehrer immer schwerer als andere, bestes Beispiel: der Mathelehrer«.

Auch Professor Requate hält die Vorlesungsbewertung durch die Studierenden für »absolut absolut notwendig, um den Unterricht methodisch zu verbessern.« Diese Chance habe er genutzt: Das richtige Redetempo habe er sich aus einer früheren Evaluation zu Herzen genommen, und er stellt das Vorlesungsmaterial wunschgemäß schon eine Woche früher zur Vorbereitung ins Netz. Der ständige Dialog mit den Studierenden eint ihn mit Traumprofessor Driftmann, der ebenfalls auf die Lernbedürfnisse seiner Studierenden eingeht. Sein Credo: »Auch Wissenschaft lebt von der Kundenorientierung.« (zi/so)
Studierendenfeedback
Das Studium soll international zugänglicher und auch vergleichbarer werden, so verlangen es die neuen europäischen bildungspolitischen Richtlinien, derer sich auch das neue Landeshochschulgesetz annehmen wird. Gleichzeitig soll die Qualität in der Lehre stetig verbessert werden. Hier kommt die Lehrveranstaltungsevaluation (Studierendenfeedback) ins Spiel, die dazu beitragen soll, die Vorlesungen annähernd objektiv vergleichbar zu machen und vor allem zu verbessern. Das fordert auch das Land von den Universitäten. An der CAU sollen bis 2007 alle Fakultäten diese Evaluationen regelmäßig und so weit wie möglich selbstständig einführen, ein Evaluationsexperte der Universitätsverwaltung begleitet sie dabei. Er hilft, die Verfahren aufeinander abzustimmen und stetig zu verbessern. Jetzt wurde zentral ein EDV-System angeschafft, das grundsätzlich allen Fakultäten zur Verfügung steht und die Auszählungen der Fragebögen vereinfachen soll. Ziel ist es, durch regelmäßige Befragungen Erfahrungswerte zu sammeln und so ein gesamtes Qualitätsbild der Kieler Universität zu zeichnen. (zi)
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