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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 39 vom 09.12.2006, Seite 4  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Lehren lernen

Eine Studie am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) analysierte den Physikunterricht an deutschen Schulen. Die dabei aufgezeichneten Unterrichtsvideos werden jetzt in der Weiterbildung von Lehrkräften eingesetzt.


Am IPN können Physiklehrer anhand von Videoaufzeichnungen ihren eigenen Unterricht analysieren und weiterentwickeln. Foto: IPN

Liegt es tatsächlich an der Qualität des naturwissenschaftlichen Unterrichts, wenn deutsche Schüler in internationalen Vergleichsstudien schlecht abschneiden? Diese Frage lässt sich schwer beantworten, da es wenig Wissen darüber gibt, wie der Unterricht tatsächlich aussieht. Ein Forschungsprojekt zur differenzierten Beobachtung und Beschreibung des deutschen Physikunterrichts soll diese Lücke schließen. »Was im Unterricht wirklich vorgeht, ist über Leistungsmessung oder Befragung von Schülern und Lehrkräften nur sehr oberflächlich zu erfassen«, erklärt Professor Tina Seidel, die zusammen mit Professor Manfred Prenzel das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt »Lehr-Lern-Prozesse im Physikunterricht – eine Videostudie« am IPN leitet. Die Studie ist eingebettet in das DFG-Schwerpunktprogramm »Bildungsqualität von Schule« (BIQUA).

»Wir haben in zwei Projektstufen den Physikunterricht in Deutschland analysiert. Da wurden 50 Klassen in vier Bundesländern über das ganze Schuljahr hinweg untersucht«, berichtet die Juniorprofessorin am IPN. Leistungstests am Anfang und am Ende des Schuljahrs dienten dazu, die Entwicklung der Schüler und die Wirkung des Unterrichts auf die Lernergebnisse abzuschätzen. Im Verlauf des Schuljahrs wurden außerdem einzelne Unterrichtsstunden durch Videoaufnahmen dokumentiert. Befragungen der Schüler zu den aufgezeichneten Stunden ergänzten die Beobachtungen.

Bei der Analyse der Videoaufzeichnungen konzentrierten sich die Wissenschaftler vor allem auf fünf Bereiche, von denen man aus anderen Studien weiß, dass sie sich positiv auf das Lernergebnis auswirken. Hierzu zählen die Zielorientierung des Unterrichts, die Fehlerkultur und die Lernbegleitung durch den Lehrer sowie schülerzentrierte Arbeitsformen und die Rolle der Experimente. Seidel: »Wir haben uns zum Beispiel angeschaut, wie Lehrer ihre Schüler unterstützen, ob sie diese zum Nachdenken anregen und wie sie mit fehlerhaften Konzepten umgehen.« Dabei kamen sie zum Ergebnis, dass in sehr vielen Schulklassen gerade die für das Lernergebnis fördernden Merkmale nur schwach ausgeprägt waren. So wurden zum Beispiel die Ziele häufig nicht explizit genannt. Die Schüler mussten sich dann selbst erschließen, was der übergeordnete Zusammenhang war.

Der Frontalunterricht in Form von Klassengespräch und Lehrervortrag ist immer noch bei rund 80 Prozent der Klassen gängige Praxis. Ein höherer Anteil von Experimenten und gruppen­zentrierten Arbeitsformen wäre wünschenswert. Das allein reicht aber für ein besseres Lernergebnis nicht aus, sondern ist nur im Zusammenspiel mit anderen Qualitätsmerkmalen förderlich.

Außerdem bemängelte die Expertin, »dass in der Lernbegleitung die Gespräche sehr eng geführt sind und nur auf einzelne richtige Antworten gerichtet sind, anstatt zum Nachdenken anzuregen.« Auf diesen Ergebnissen baut die dritte Phase des Projektes auf, genannt LUV – Lernen aus Unterrichtsvideos für Physiklehrkräfte. »Dabei wollen wir Lehrkräften helfen, anhand der Videoaufzeichnungen ihren Unterricht zu reflektieren und weiterzuentwickeln«, so Seidel. Für die Fortbildung der Lehrer wurden die Videoaufzeichnungen in eine computerbasierte Lernumgebung gesetzt. »Das heißt, Lehrkräfte analysieren am Computer Unterrichtsvideos und bearbeiten Aufgabenstellungen zum Video. Die Aufgabenstellungen und Videobeispiele helfen Lehrkräften, lernwirksame Elemente des Unterrichts zu erkennen und richtig einzuordnen.« (ne)
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