| unizeit Nr. 39 vom 09.12.2006, Seite 5 |
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Dichtender Jurist
In den meisten norddeutschen Städten gibt es eine Timm-Kröger-Straße, doch nur wenige kennen den Namensgeber. Eine Promotionsarbeit an der Juristischen Fakultät beschäftigt sich mit dem schleswig-holsteinischen Dichterjuristen.

Den norddeutschen Bauern, hier im Bild des nordfriesischen Malers Christian Carl Magnussen, galt Timm Krögers (u.) Sympathie. Foto: Kunsthalle zu Kiel
Juristen scheinen eine ausgeprägte literarische Ader zu haben. Aus ihren Reihen stammen Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Franz Kafka oder Theodor Storm. Auch Timm Kröger liebte die Dichtung. Der 1844 in Haale bei Rendsburg geborene und 1918 in Kiel verstorbene Jurist verfasste zahlreiche Novellen, die das Leben der norddeutschen Bauern schildern. Nachdem sich Kröger für die Laufbahn als Rechtsanwalt entschieden hatte, eröffnete er zunächst eine Kanzlei in Flensburg. Weitere Stationen waren Elmshorn und Kiel. Anders als bei vielen seiner berühmteren Dichterkollegen spielen in Krögers Werk juristische Themen eine entscheidende Rolle. Er beschreibt Fallgeschichten aus dem Alltag der Landbevölkerung, die er aus seiner eigenen Praxis als Notar und Anwalt kannte, etwa Streitigkeiten in Erbangelegenheiten oder die Verjährung von Straftaten. Zum Teil reichen seine Novellen ins Krimi-Genre, überwiegend beschreibt der Dichterjurist aber ein idyllisches Landleben.
Autor der Promotionsarbeit, die voraussichtlich Anfang 2007 beendet sein wird, ist Tobias Röhnelt. Er behandelt am Beispiel Timm Krögers die Wechselwirkungen von Recht und Literatur. Dieses Thema wird in den angelsächsischen Ländern bereits seit Längerem intensiv erforscht und gewinnt auch in Deutschland an Bedeutung. An der Juristischen Fakultät der Kieler Universität beschäftigt sich Professor Rudolf Meyer-Pritzl mit dem Thema. Er weckte in seinen Veranstaltungen Röhnelts Interesse für die Dichterjuristerei.

Foto: Landesbibliothek
Während seiner Forschungsarbeiten entdeckte Röhnelt im Archiv der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek juristische Aufsätze Krögers, die bislang als verschollen gegolten hatten. Über diesen aufregenden Fund hinaus fasziniert den Doktoranden vor allem die Persönlichkeit des Dichterjuristen: »Kröger hatte sich bereits an der Philosophischen Fakultät eingeschrieben, entschied sich dann aber doch für Jura, um sich eine sichere Existenz aufbauen zu können. Er hatte einen engen Bezug zur Landbevölkerung und machte sich für diese stark, sowohl in seinem literarischen Werk als auch als Jurist. In einem der juristischen Aufsätze, die ich in seinem Nachlass entdeckt habe, kritisiert er, dass unfähige Richter und Staatsanwälte aufs Land strafversetzt werden. Das sei nicht nur für die Juristen eine Strafe, sondern auch für die Landbevölkerung.«
Krögers erste Novelle erschien, als er bereits Mitte vierzig war. Insgesamt sind etwa fünfzig Novellen und Kurzgeschichten des Dichterjuristen veröffentlicht.
(js)
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