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unizeit Nr. 39 vom 09.12.2006, Seite 8  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Fairantwortung

Fair gehandelte Produkte gibt es mittlerweile in jedem großen Supermarkt. Erzeuger aus Entwicklungsländern erhalten hierfür einen besseren Preis als über den herkömmlichen Handel. Außerhalb dieses geschützten Marktes sind die Welt­handelsbeziehungen jedoch alles andere als fair.


Kaffeepflückerin aus Costa Rica Foto: gepa Fair Handelshaus

Kaffee ist nach Erdöl weltweit das zweitwichtigste Handelsprodukt. Doch anders als beim Erdöl können die Produzenten in der Regel davon nicht reich werden. Der Weltmarktpreis für Kaffeebohnen ist so tief gesunken, dass er in vielen Ländern nicht einmal die Produktionskosten deckt und die Existenz vieler Kleinbauern bedroht ist. Für viele Kaffeebauern in Entwicklungsländern ist der »faire Handel« daher überlebenswichtig. Denn Organisationen des fairen Handels garantieren den Produzenten Mindest­preise, die meist über dem Weltmarktpreis liegen, sowie eine langfristige Lieferbeziehung. Darüber hinaus gewähren sie auf Wunsch auch die Vorfinanzierung von Ernten. Der faire Handel fördert gezielt die besonders benachteiligten kleinbäuerlichen Familien und deren Selbsthilfeinitiativen, und er läuft ohne Zwischenhandel. Gelder aus dem fairen Handel werden für Bildungs- und Sozialprogramme, Maßnahmen zur Frauenförderung, Qualitätsverbesserungen in der Produktion, die Umstellung auf den organischen Anbau und für Kleinkreditprogramme verwendet.

Teeernte in Sri Lanka.
Foto: TransFair Deutschland e.V.

Kaffee ist der Klassiker des Sortiments fair gehandelter Produkte. Mittlerweile ist das Angebot stark gewachsen. Allein das »Fair Handelshaus gepa« bietet rund 1.800 Produkte an. Dazu gehören Süßigkeiten, Säfte, Reis und Bananen ebenso wie Taschen, Haushaltswaren und Fußbälle. Und seit neben Welt- und Bioläden auch viele Supermärkte die Produkte führen, ist es viel einfacher geworden, den fairen Handel zu unterstützen. Zu erkennen sind die Produkte an dem international einheitlichen Fairtrade-Siegel, das in Deutschland von dem gemeinnützigen Verein TransFair e. V. in Köln vergeben wird. TransFair handelt nicht selbst mit Waren, sondern vergibt sein Siegel an Firmen, die sich vertraglich verpflichten, die Kriterien des fairen Handels einzuhalten und dies auch kontrollieren zu lassen. Diese Auszeichnung wird nach strengen Regeln vergeben. Dazu zählen soziale Absicherung und faire Löhne für die Arbeiter sowie die Einhaltung der Menschenrechte und das Verbot von Kinderarbeit. Laut TransFair profitierten insgesamt rund 531 Bauernkooperativen und Plantagen in 55 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas vom fairen Handel. Darin seien rund eine Million Bauern und Arbeiter vertreten.

Hubert Reckmann vom Kieler Handelshaus FairHandeln! lässt sich fair gehandelten Kiel-Kaffee schmecken. Foto: pur.pur

Davon unabhängig müssten aber auch die Beding­ungen des Welthandels insgesamt gerechter werden. Professor Abdulai tritt für eine Liberalisie­rung des internationalen Handels ein. Dazu zähle zum Beispiel der Abbau von Exportsubventionen und Handels­beschränkungen. »Grundsätzlich können die Entwicklungsländer landwirtschaftliche Rohstoffe günstiger produzieren als die ent­wickelten Länder. Dieser Vorteil wurde aber zum Teil in der Vergan­genheit durch interne Preisstützungen in der west­lichen Welt aufgehoben.« Darüber hinaus sei es für Entwicklungsländer wichtig, nicht nur Rohstoffe, sondern zunehmend auch weiterverarbeitete und damit höherwertige Produkte exportieren zu können. Die Industrieländer schützten sich jedoch durch Einfuhrzölle vor verarbeiteten Produkten aus Entwicklungsländern. Abdulai: »Erst wenn die Industrieländer ihre Märkte öffnen und damit den Entwicklungsländern den Zugang ermöglichen, kann von einem fairen und freien Weltmarkt gesprochen werden. Hierbei muss man anerkennen, dass sich die Europäische Union in den vergangenen Jahren bereits stark für einen fairen und freien Handel zwischen den europäischen Industrieländern und den Entwicklungsländern eingesetzt hat.«

Bei einem Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung »Ethik der Landwirtschaft und Ernährung« setzt sich der Kieler Ernährungsökonom mit den komplexen Welthandelsbeziehungen im Agrarsektor auseinander. Der Titel seines Vortrags am 13. Dezember lautet: »Wie liberal und fair ist der Weltagrarhandel?« (ne)

Weitere Informationen: www.transfair.org
Fair gehandelter Kaffee für Kiel

Unter dem Namen »Kiel-Kaffee« bietet das Kieler Handelshaus FairHandeln! GmbH einen fair gehandelten Kaffee aus kontrolliert biologischem Anbau an. »Der Kaffee wächst natürlich nicht in Kiel. Er stammt aus kleinbäuerlichem Anbau in Kolumbien«, erklärt Hubert Reckmann, Geschäftsführer von FairHandeln!. »Durch spezifische Stadtabfüllung und eine kieltypische Verpackung wollen wir den Kauf attraktiver machen und den Absatz von fair gehandeltem Kaffee erhöhen.«

Das Kieler Handelshaus hält direkten Kontakt zu allen Erzeugern. So kann für jede Sorte die genaue Herkunft angegeben und die Verwendung der Gelder exakt belegt werden. »Der "Kiel-Kaffee" ist nur eine von insgesamt 12 Kaffee- und Espressosorten, die wir selbst entwickelt haben. Unsere Produkte sind hier in Kiel in rund 80 Verkaufsstellen, vor allem Supermärkten, vertreten.« Eine Liste aller Verkaufsstellen befindet sich auf der Internetseite. Ein zweiter Schwerpunkt des Unternehmens ist die Versorgung von Großverbrauchern wie Kantinen und Cafés mit fair gehandeltem Kaffee und üblichen Serviceleistungen. Übrigens: In Kiel wächst (doch) Kaffee. Im Botanischen Garten kann man sich davon überzeugen. (ne)

Weitere Informationen: www.kiel-kaffee.de
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