CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePresseUnizeitNr. 39Seite 8
unizeit Nr. 39 vom 09.12.2006, Seite 8  voriger  Übersicht  Übersicht  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Impfung gegen Gürtelrose

Etwa 400.000 Deutsche erkranken jedes Jahr an Gürtelrose. Ein neuer Impfstoff kann das Erkrankungsrisiko halbieren.


Die Wirksamkeit des neuen Impfstoffs (Zostavax®) wurde in einer Studie mit knapp 39.000 Teilnehmern im Alter von über 60 Jahren nachgewiesen. Die Teilnehmer waren je zur Hälfte mit dem Lebendimpfstoff oder mit einem Plazebo geimpft worden. In den darauf folgenden drei Jahren entwickelten 957 von ihnen eine Gürtelrose, 315 in der Gruppe der Geimpften und 642 in der Plazebogruppe. Damit reduzierte die Impfung das Risiko für einen Krankheitsausbruch um gut die Hälfte. Wer trotz Impfung eine Gürtelrose entwickelte, hatte einen leichteren Krankheitsverlauf und weniger Komplikationen. Darüber hinaus wurde das Risiko, langfristige Nervenschmerzen zu entwickeln, um zwei Drittel gesenkt. Professor Ralf Baron, der Kieler Experte für neurologische Schmerzsyndrome von der Klinik für Neurologie, hat die Studiendaten schon lange verfolgt. »Ich halte die Impfung gegen Gürtelrose für sinnvoll, auch wenn man die Erkrankung damit nicht komplett verhindern kann. Die Impfung wurde gut vertragen. Es gibt lokale Reaktionen an der Impfstelle, aber keine ernsten Impfzwischenfälle.« Die Impfung zur Vorbeugung gegen Gürtelrose ist für Personen ab einem Alter von 60 Jahren vorgesehen.

Meist tritt der schmerzende und juckende Hautausschlag in der zweiten Lebenshälfte auf, wenn das Immunsystem nachlässt. Auslöser der Gürtelrose sind Windpockenviren (Varizella-Zoster-Viren). Sie können nach einer Windpockenerkrankung jahrelang in den Nervenzellen schlummern und erst Jahre oder Jahrzehnte später aktiv werden. Werden sie reaktiviert, entwickelt sich eine Gürtelrose (Herpes zoster). Erkranken können also nur Menschen, die im Laufe ihres Lebens Windpocken hatten oder dagegen geimpft wurden.

Charakteristisch hierfür ist ein bläschenartiger Hautausschlag, der sich gürtelförmig ausbreitet und fast immer von Schmerzen begleitet ist. Häufigste Komplikation ist die postherpetische Neuralgie. Sie tritt nach Abheilen des Hautausschlags auf und ist mit Nervenschmerzen verbunden, die Monate und sogar Jahre anhalten können. »Durch eine frühe und effektive Behandlung der akuten Erkrankung kann jedoch verhindert werden, dass die Schmerzen chronisch werden«, beruhigt Baron. »Das Für und Wider dieser Impfung muss jeder selbst abwägen. Wer eine Gürtelrose bekommt, wird aber sicher sagen, hätte ich mich doch impfen lassen.«

Der Impfstoff gegen Gürtelrose wurde im Mai von der europäischen Kommission zugelassen. Anfang nächsten Jahres soll er in die deutschen Apotheken kommen. (ne)
Zum Seitenanfang  voriger  Übersicht  Übersicht  REIHEN  SUCHE   Druckfassung



Zuständig für die Pflege dieser Seite: Pressestelle der Universität   ► presse@uv.uni-kiel.de