Die Zypernfrage
Der Weg Zyperns in die Europäische Union war lang und schwierig. Jetzt lastet das Zypern-Problem auf den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Dr. Hauke Stöwsand hat sich in seiner Promotion mit dem rechtlichen Rahmen des EU-Beitritts von Zypern befasst.

Grafik: pur.pur
Zypern wurde im Mai 2004 zusammen mit neun anderen Staaten in die EU aufgenommen. Gemeinschaftsrecht gilt jedoch nur im Südteil der Insel. Der Süden ist Mitglied der EU und Teil des gemeinsamen Marktes mit weitgehend barrierefreiem Handel. Dieser basiert in hohem Maße auf dem gegenseitigen Vertrauen der Mitgliedsstaaten. Stöwsand: »Der türkische Norden ist nicht Teil des gemeinsamen Marktes, und die zyprischen Behörden im Südteil der Insel haben keine Kontrolle über den Nordteil. Um den Binnenhandel zwischen Nord- und Südzypern trotzdem zu ermöglichen und die Wiedervereinigung zu fördern, wurde ein Protokoll mit Sonderregeln in den Beitrittsvertrag aufgenommen. Die EU will den Handels- und Personenverkehr zwischen beiden Teilen der Insel durch das Protokoll garantieren, aber auch kontrollieren.« Durch den Handel zwischen den beiden Inselteilen soll wieder eine Vertrauensbasis zwischen den Volksgruppen geschaffen werden. »Dadurch, dass man den Wohlstand im Norden fördert, soll auch die Verständigung untereinander verbessert werden«, erklärt der Jurist.
Der Weg dahin ist jedoch noch weit. Konflikte gibt es vor allem um den Direkthandel zwischen Nordzypern und der Gemeinschaft, was sich auch auf die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei als Schutzmacht Nordzyperns auswirkt. Die Türkei und Nordzypern streben den Direkthandel Nordzyperns mit der Gemeinschaft an. Durch das Beitrittsprotokoll lassen die Verträge Direkthandel aber nur zu, wenn darüber Einstimmigkeit zwischen den EU-Mitgliedsstaaten herrscht. Dagegen sperrt sich jedoch die Republik Zypern. Auf der anderen Seite will Zypern, das eine der größten Handelsflotten der Welt hat, auch Häfen in der Türkei anlaufen. Die Türkei blockiert aber ihre Häfen wegen der internationalen Isolation Nordzyperns, für die sie direkt die Regierung der Republik Zypern verantwortlich macht. Wie sich die Situation weiter entwickelt, vermag auch Stöwsand nicht vorherzusagen. »Es ist noch nicht absehbar, was kommt. Die Regierung der Republik Zypern hat sich zumindest bereit erklärt, den Direkthandel zwischen Nordzypern und der Gemeinschaft innerhalb des nächsten halben Jahres zu ermöglichen. Jetzt muss man abwarten, ob es dabei bleibt. Wenn nicht, wird sich auch an der Haltung der Türkei nichts ändern. So lange wird es in den Beitrittsverhandlungen keine entscheidenden Fortschritte geben können.«
Kerstin Nees
Das Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht an der Universität Kiel, vertreten durch Institutsdirektor Professor Andreas Zimmermann, gehört zum Kieler Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft«. Zum Weiterlesen: Hauke Stöwsand: Zyperns Beitritt zur Europäischen Union. Vom Antrag auf Mitgliedschaft bis zum Protokoll der Beitrittsakte. Frankfurt/Main 2007
Die Teilung Zyperns
Im Jahr 1960 entließ Großbritannien Zypern in die Unabhängigkeit. Drei Jahre später kam es zu Gewaltausbrüchen zwischen den griechischstämmigen und den türkischstämmigen Bevölkerungsgruppen Zyperns. In den folgenden Jahren schwelte der Konflikt vor sich hin und konnte auch durch Friedenstruppen der Vereinten Nationen nicht gelöst werden. 1974 besetzte die türkische Armee nach einem von der griechischen Militärjunta unterstützten Putschversuch gegen Präsident Makarios den nördlichen Inselteil, um – offiziell – die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen. Seither ist Zypern eine zweigeteilte Insel. Im griechisch-zyprischen Südteil der Insel übt die Regierung der von den Vereinten Nationen (UN) als Vertretung für ganz Zypern anerkannten Republik Zypern die effektive Hoheitsgewalt aus. Die 1983 im türkisch-zyprischen Nordteil der Insel ausgerufene »Türkische Republik Nordzypern« wird – außer von der Türkei – international nicht anerkannt.
Nach dem Beitrittsgesuch der Republik Zypern zur EU im Jahr 1990 und dem Beginn der Beitrittsverhandlungen im März 1998 verband sich damit die Hoffnung, durch Aufnahme Zyperns in die EU auch zu einer Lösung des Zypernproblems zu gelangen. 2002 beschloss der Europäische Rat in Kopenhagen die Aufnahme der Republik Zypern in die EU. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, legte ein Referendum über eine Wiedervereinigung vor (»Annan-Plan«). Dieses wurde jedoch von rund 75 Prozent der griechischen Zyprer 2004 in einer Volksbefragung abgelehnt, während knapp 65 Prozent der türkischen Zyprer dafür stimmten. Im Mai 2004 wurde die gesamte Insel Mitglied der Europäischen Union, wobei die Geltung des Europäischen Rechts (Acquis Communitaire) im nördlichen Teil der Insel, in dem die Behörden der Republik Zypern keine Hoheitsgewalt ausüben, bis zu einer Lösung des Zypernkonfliktes ausgesetzt ist.
Nach dem Beitrittsgesuch der Republik Zypern zur EU im Jahr 1990 und dem Beginn der Beitrittsverhandlungen im März 1998 verband sich damit die Hoffnung, durch Aufnahme Zyperns in die EU auch zu einer Lösung des Zypernproblems zu gelangen. 2002 beschloss der Europäische Rat in Kopenhagen die Aufnahme der Republik Zypern in die EU. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, legte ein Referendum über eine Wiedervereinigung vor (»Annan-Plan«). Dieses wurde jedoch von rund 75 Prozent der griechischen Zyprer 2004 in einer Volksbefragung abgelehnt, während knapp 65 Prozent der türkischen Zyprer dafür stimmten. Im Mai 2004 wurde die gesamte Insel Mitglied der Europäischen Union, wobei die Geltung des Europäischen Rechts (Acquis Communitaire) im nördlichen Teil der Insel, in dem die Behörden der Republik Zypern keine Hoheitsgewalt ausüben, bis zu einer Lösung des Zypernkonfliktes ausgesetzt ist.
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