Die Zukunft der Vergangenheit
Elektronische Datenverarbeitung und Informatik spielen in der Archäologie eine immer größere Rolle. Kiel entwickelt sich zur Hochburg der Archäoinformatik in Deutschland.

Digitale Vermessungsarbeiten auf einer Grabung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte. Foto: Institut für Ur- und Frühgeschichte
Benjamin Ducke beschäftigt sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ur- und Frühgeschichte sowohl mit Grundlagenforschung als auch mit der Praxis der Archäoinformatik. Er schildert die Vorteile der jungen Disziplin: »Mit moderner Computertechnik eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten für Publikation und Auswertung archäologischer Daten. Früher hatte man oft nur die Möglichkeit, Fundstücke zu fotografieren, zu beschreiben und in einem Buch zu veröffentlichen. Das macht bei 20.000 Scherben aber wenig Sinn. Heute können wir bei einer Ausgrabung die Daten direkt in die Datenbank eingeben und daraus eine elektronische Dokumentation machen. Mit den Daten können wir auch Multimedia-Präsentationen produzieren, die zum Beispiel in Museen verwendet werden. Die Archäoinformatik steht auch für das Bewusstsein, dass die ganz eigenen Strukturen und Potenziale archäologischer Informationen selbst von Archäologen nur unter Nutzung moderner Informationstechnologie durchdrungen werden können, genauso, wie das etwa auch für die Bioinformatik, die Geoinformatik oder die Kulturinformatik gilt.«
Eine wesentliche Grundlage für die Entstehung der Archäoinformatik stellen aber Technologien aus Nachbardisziplinen dar, wie etwa Geoinformationssysteme (GIS). Mit GIS kann man etwa einen digitalen Lageplan einer Grabungsstelle erstellen oder Karten, die eine detaillierte Übersicht über archäologische Funde und Befunde geben. Als technische Plattformen dienen der Archäoinformatik weiterhin Datenbanken, CAD-Anwendungen, Statistikprogramme und vieles mehr.

Virtuelle Rekonstruktion eines jungsteinzeitlichen Dorfes (um 4800 v. Chr., heutiges Bosnien). Foto: Institut für Ur- und Frühgeschichte
Die Archäoinformatik am Institut für Ur- und Frühgeschichte, mit der Berufung von Professor Johannes Müller 2005 eingerichtet, sei interdisziplinär ausgerichtet, sagt Ducke: »Man kann zu vielen anderen Fachgebieten Brücken schlagen, zum Beispiel zu den Ingenieurswissenschaften oder den Natur- und Geowissenschaften. Wir arbeiten auch sehr gerne mit Doktoranden der Informatik oder der Mathematik zusammen, die bei uns interessante Aufgabenstellungen bekommen und ideale Arbeitsbedingungen vorfinden.«
Die Arbeitsaussichten für Archäoinformatiker sind gut. Denn die Landesämter für Archäologie und Denkmalpflege, die Archäologen beschäftigen, wechseln zu digitalen Datengrundlagen, Dokumentations- und Arbeitsprozessen. Daneben setzen auch private Grabungsfirmen oder spezialisierte Software- Hersteller Archäoinformatiker ein. (js)
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