Reden und reden lassen
Lehrer sollten neben vielem anderen auch Profis in puncto Kommunikation sein. Das Know-how hierfür können Lehramtsstudenten am Institut für Psychologie erwerben.

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»Lehrer müssen nicht nur Wissen vermitteln und Lernziele mit den Schülern erreichen, sondern sie müssen auch gute Beziehungen zu den Schülern und deren Eltern aufbauen und pflegen. Gerade im Zwischenmenschlichen sollten sie besonders gut sein. Vielleicht mangelt es dort bei vielen Lehrern, weil sie in der Ausbildung davon wenig mitbekommen.« Die wenigen Semesterwochenstunden, die Lehramtsstudenten im Fach Psychologie belegen müssen, reichten bei den heutigen Anforderungen nicht aus. Dabei ist das Angebot vorhanden. Der Lehrstuhl Psychologie für Pädagogen bietet verschiedene Lehrveranstaltungen an, die dazu beitragen, die zwischenmenschlichen Herausforderungen im Schulalltag zu meistern. Die meisten davon sind aber keine Pflichtveranstaltungen, so Zaunbauer-Womelsdorf, wie zum Beispiel die Seminare zu Gesprächsführung und Kommunikation.
»Gerade Lehrer brauchen kommunikative Kompetenzen, zum Beispiel fürs Elterngespräch. Darüber kann man das Vertrauen der Eltern gewinnen. Und das ist die Voraussetzung dafür, dass zwischen Lehrern und Eltern eine fruchtbare Zusammenarbeit bei Konflikten möglich ist und sich Eltern bei Problemen ihres Kindes in der Schule oder auch zu Hause überhaupt an den Lehrer wenden.« Außerdem müssten Lehrer auch gelernt haben, zwischen den Zeilen zu lesen, also die wahren Probleme hinter dem Gesagten zu verstehen.
Wie widersprüchlich Kommunikation ist, veranschaulicht ein Beispiel: Ein Lehrer sagt zu den Eltern seines Schülers: »Ihr Sohn macht mir Spaß.« Dabei meint er etwas ganz anderes, denn er macht gleichzeitig ein zerknirschtes Gesicht. Oder, der Vater sagt, »mich interessiert Ihre Meinung« und schaut dabei aus dem Fenster. Der Gesichtsausdruck beziehungsweise die Körperhaltung widerspricht den geäußerten Worten. Dadurch wirkt das Gesagte unglaubwürdig. Die nonverbalen Signale, die unser Körper zum Beispiel mit Gesicht, Händen und Haltung vermittelt, sind meistens unmittelbarer mit unserem tatsächlichen Empfinden verbunden als die sprachlichen Botschaften. Sie sind häufig ehrlicher. Wenn verbale und nonverbale Kommunikation nicht zusammenpassen, glaubt man nonverbalen Signalen deshalb eher, da sie als unverfälschter aufgefasst werden. Diese Zusammenhänge zu erkennen und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie eine tatsächliche Verständigung erreicht werden kann, das möchten die Kommunikationsexperten am Institut für Psychologie Lehramtsstudierenden in den Seminaren vermitteln. »Wir legen die theoretische Basis und vertiefen die Kenntnisse in Rollenspielen. Es ist aber kein Kommunikationstraining. Jeder muss darüber hinaus die Techniken der Gesprächsführung weiter trainieren. Übungsfelder gibt es im Alltag genug.«
Ein wichtiges Kommunikationsmittel, gerade für Lehrer, sei zu schweigen und die Eltern zum Sprechen aufzufordern. Zaunbauer-Womelsdorf: »Dabei sollte man die Eltern reden lassen und sich deren Sicht der Dinge anhören, ohne ihnen die eigenen Maßstäbe und Moralvorstellungen überzustülpen. Schließlich sollte man die Eltern nie nur mit negativen Momenten aus dem Gespräch entlassen. Wenn ein Kind in allen Fächern schlecht ist und nur in Musik gut ist, dann muss man das betonen. Den Lehrern kann man nur den Tipp geben, Eltern regelmäßig über Fragen zum eigenen Kind, zum Unterricht und zum Schulleben zu informieren. Und die Eltern sollten sich nicht schämen, Fragen zu stellen.« ne

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Wenn verbale und nonverbale Kommunikation nicht zusammenpassen, glaubt man nonverbalen Signalen deshalb eher, da sie als unverfälschter aufgefasst werden. Diese Zusammenhänge zu erkennen und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie eine tatsächliche Verständigung erreicht werden kann, das möchten die Kommunikationsexperten am Institut für Psychologie Lehramtsstudierenden in den Seminaren vermitteln. »Wir legen die theoretische Basis und vertiefen die Kenntnisse in Rollenspielen. Es ist aber kein Kommunikationstraining. Jeder muss darüber hinaus die Techniken der Gesprächsführung weiter trainieren. Übungsfelder gibt es im Alltag genug.«
Ein wichtiges Kommunikationsmittel, gerade für Lehrer, sei zu schweigen und die Eltern zum Sprechen aufzufordern. Zaunbauer-Womelsdorf: »Dabei sollte man die Eltern reden lassen und sich deren Sicht der Dinge anhören, ohne ihnen die eigenen Maßstäbe und Moralvorstellungen überzustülpen. Schließlich sollte man die Eltern nie nur mit negativen Momenten aus dem Gespräch entlassen. Wenn ein Kind in allen Fächern schlecht ist und nur in Musik gut ist, dann muss man das betonen. Den Lehrern kann man nur den Tipp geben, Eltern regelmäßig über Fragen zum eigenen Kind, zum Unterricht und zum Schulleben zu informieren. Und die Eltern sollten sich nicht schämen, Fragen zu stellen.« ne
Tipps für das Gespräch mit dem Lehrer
Wiederholter Unterrichtsausfall, eine vielleicht ungerechte Benotung, zu viele Hausaufgaben oder störende Mitschüler – es gibt zahlreiche Themen, die Eltern und Schülern im Unterrichtsalltag unter den Nägeln brennen. Die Elternsprechstunde ist dafür da, solche Dinge zu klären.
– Wenn Probleme auftreten, vereinbaren Sie frühzeitig ein Gespräch mit dem Lehrer und gehen Sie möglichst ohne Vorurteile ins Gespräch. Suchen Sie nicht nach einem Schuldigen für die Probleme, sondern nach Lösungsmöglichkeiten.
– Sie haben im Gespräch die Chance zu sagen, was sie oder ihr Kind belastet. Klagt ihr Kind über Bauchschmerzen, wenn es nur an die Schule denkt, dann sollten Sie das dem Lehrer sagen. Fühlt sich das Kind ungerecht benotet, sagen Sie genau das. - Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.
– Stellen Sie Fragen und vermeiden Sie Vorwürfe. Wenn zum Beispiel seit mehreren Wochen der Sportunterricht ausfällt, fragen Sie, wie lange die Lehrkraft noch fehlt oder wie man eine Ersatzstunde regeln könnte.
– Wenn der Lehrer zu einem Gespräch bittet, unterhalten Sie sich vor diesem Gespräch mit Ihrem Kind. Lassen Sie sich alles berichten, was wichtig ist. Notieren Sie sich Ihre Fragen und Ansichten und nehmen Sie die Notizen mit ins Gespräch. ne
– Wenn Probleme auftreten, vereinbaren Sie frühzeitig ein Gespräch mit dem Lehrer und gehen Sie möglichst ohne Vorurteile ins Gespräch. Suchen Sie nicht nach einem Schuldigen für die Probleme, sondern nach Lösungsmöglichkeiten.
– Sie haben im Gespräch die Chance zu sagen, was sie oder ihr Kind belastet. Klagt ihr Kind über Bauchschmerzen, wenn es nur an die Schule denkt, dann sollten Sie das dem Lehrer sagen. Fühlt sich das Kind ungerecht benotet, sagen Sie genau das. - Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.
– Stellen Sie Fragen und vermeiden Sie Vorwürfe. Wenn zum Beispiel seit mehreren Wochen der Sportunterricht ausfällt, fragen Sie, wie lange die Lehrkraft noch fehlt oder wie man eine Ersatzstunde regeln könnte.
– Wenn der Lehrer zu einem Gespräch bittet, unterhalten Sie sich vor diesem Gespräch mit Ihrem Kind. Lassen Sie sich alles berichten, was wichtig ist. Notieren Sie sich Ihre Fragen und Ansichten und nehmen Sie die Notizen mit ins Gespräch. ne
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