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unizeit Nr. 40 vom 27.01.2007, Seite 8  voriger  Übersicht  Übersicht  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Optionen? Aber sicher!

Geldanlage mit Optionspapieren? Otto Normalsparer wendet sich mit Grausen ab. Zu Unrecht, findet der Betriebswirt Sven Meincke.


Foto: pur.pur

Wer von Börsengeschäften mit Optionen hört, denkt an Horrorgeschichten über windige, nicht selten in den blanken Ruin mündende Spekulationen mit Schweinebäuchen in Südamerika. Doch dies ist nur die düstere Seite der Medaille. In Wirklichkeit, so betont Sven Meincke, können Optionen auch für sicherheitsbewusste Kapitalanleger eine rundum empfehlenswerte Sache darstellen. Der Laie mag darüber staunen, doch der Fachmann wundert sich mitnichten. Meincke, der am Lehrstuhl für Finanzwirtschaft von Professor Peter Nippel eine Dissertation zu diesem Thema verfasst hat, veranschaulicht das mit einem plastischen Beispiel. »Eine Vollkaskoversicherung fürs Auto ist vereinfacht ausgedrückt nichts anderes als eine Option«, betont der Nachwuchswissenschaftler, der nach Einschätzung seines Doktorvaters seine Sache in dieser Dissertation »richtig gut gemacht« hat.

Aber wie ist das genau gemeint mit der Vollkaskoversicherung? Autofahrer X vereinbart in diesem Fall mit der Versicherungsgesellschaft Y im Prinzip eine Garantie für die Rücknahme seines Fahrzeugs unter bestimmten Bedingungen und innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Sollte sein Fahrzeug bei Glatteis gegen den Baum fahren, würde er sich demzufolge der beruhigenden Gewissheit erfreuen, seinen materiellen Schaden ersetzt zu bekommen.

Ein bisschen anders, aber eben doch ähnlich, ist es mit Optionsgeschäften. Die können in Form von Call- oder Kaufoptionen getätigt werden, aber auch in Form von Put- oder Verkaufsoptionen. Anleger erwerben dabei im Grundsatz das Recht, eine Aktie, einen Rohstoff oder auch einen Index-Fonds innerhalb einer festgelegten Zeit, die meist ein bis zwölf Monate beträgt, zu einem festgesetzten Preis zu erwerben beziehungsweise abzugeben. Schließt also, um beim berüchtigten Schweinebauch zu bleiben, tatsächlich jemand eine Kaufoption für dieses Erzeugnis ab und liegt der vereinbarte Preis am Stichtag unter dem Weltmarktpreis, so hat der Anleger ein wahrlich fettes Geschäft gemacht.

Dazu mag Sven Meincke jedoch nicht raten, zumal bei solchen hochspekulativen Geschäften gern mit Waren gehandelt wird, die man überhaupt nicht besitzt. »Ich schließe ja auch keine Kaskoversicherung für ein Auto ab, das mir nicht einmal gehört«, erläutert der Finanzfachmann. Grundregel für seriöse Optionsgeschäfte sollte deshalb sein, diese Papiere nur in Kombination mit anderen Wertpapieren oder Waren zu handeln. Am besten sollten das laut Meincke Index-Fonds, die sich zum Beispiel auf den Dax beziehen, oder ähnliche Papiere sein. Die sind genauso zusammengesetzt wie der zugrunde gelegte Index und insofern äußerst transparent. Kauft Anleger A also heute beim Stand von vielleicht 6500 Punkten einen Dax-Fonds und ist sich einigermaßen sicher, dass der Dax in einem halben Jahr nicht über die Marke von 7000 Punkten klettert, so kann er diesen Deal mit dem Verkauf einer Kaufoption abrunden. Das klingt komplizierter, als es ist, bedeutet es doch nichts anderes, als dass über die Börse ein Geschäftspartner mit entgegengesetzter Erwartungshaltung vermittelt wird. Um beim Beispiel zu bleiben: Ein Anleger B genannter Optimist traut dem Dax locker die 7500 zu und freut sich – falls er Recht behält – über einen netten Gewinn. Denn schließlich hat er ja das Recht (aber keineswegs die Pflicht) erworben, den am Ende dann mit 7500 Euro dotierten Indexfonds von Anleger A für schlappe 7000 Euro zu erwerben.

Andererseits guckt auch A nicht rundum dumm aus der Wäsche, denn er hat sich von B die Kaufoption mit einer Gebühr von, sagen wir, 300 Euro vergüten lassen. Dieses Geld gleicht den Gewinnausfall durch den unerwartet stark gestiegenen Dax wenigstens zum Teil aus und steht zudem für die tröstliche Gewissheit, dass Anleger A auch dann noch ganz gut dagestanden hätte, wenn der Wert seines Papiers sich rückläufig entwickelt hätte. Wäre der Index etwa von 6500 auf 6300 Punkte gepurzelt, so hätte A aufgrund der eingenommenen Gebühr immer noch 100 Euro Gewinn gemacht.

Dass dies nicht nur exemplarisch, sondern durchaus regelmäßig funktioniert, hat Meincke in seiner Doktorarbeit mit zahlreichen Modellrechnungen und auch auf Grundlage tatsächlicher Börsen­geschehnisse nachgewiesen. Demnach gilt grundsätzlich: Wer Aktienkäufe mit Optionen kombiniert, reduziert damit seinen Maximalgewinn, vermindert aber auch die Verlustgefahren. Insofern gilt die Losung »Weniger Risiko durch Optionen« zumindest unter Beachtung der beschriebenen Grundregeln.

Und wirklich kompliziert, so betont Meincke, ist die Umsetzung der beschriebenen Strategie auch nicht. Vielmehr wird sie in Form so genannter Discount-Zertifikate an der Börse in verbrauchergerechte Produkte umgesetzt. mag
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