Gezeichnet fürs Leben
Mode ist vergänglich – Tattoos nicht. Die Nadelstiche und ihre möglichen gesundheitlichen Folgen sollten daher gut bedacht sein.

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»Gegen ein Bauchnabel-Piercing oder einen tätowierten Armreif ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Das kann ganz schön aussehen«, findet Professor Ulrich Mrowietz von der Kieler Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Für problematisch hält der Kieler Hautarzt allerdings großflächige Tätowierungen oder Piercings in Zunge, Lippen, Brustwarzen und Intimbereich. »Wenn Frauen, die später vielleicht einmal Kinder bekommen wollen, dreifache Brustwarzen-Piercings haben, dann finde ich das schon bedenklich.« Denn, was als Schmuck gedacht war, kann in Entzündungen oder schließlich Narben enden. »Eine überschießende Narbenbildung ist eines der häufigsten Probleme, die bei Tätowierungen und Piercings auftreten«, berichtet der Kieler Dermatologe.
Daneben kann das Piercing eine Vielzahl weiterer unerwünschter Folgen haben: Die Verwendung unedler Materialien kann Allergien besonders gegen Nickel und Kobalt auslösen, an den Zähnen kann es zu Abbrüchen, Einkerbungen Einkerbungen und Oberflächenveränderungen kommen, die Zunge kann sich durch den Schmuck entzünden und Brustwarzenpiercings können eitrige Brustdrüsenentzündungen nach sich ziehen. Besondere Probleme entstehen bei allen Formen des Intimpiercings bei Männern und Frauen: Hier kommen neben Infektionen vor allem auch Ausrisse der Piercings mit verstümmelnden Verletzungen vor.
Ein schwer kalkulierbares Risiko bei Tätowierungen sind die verwendeten Farbstoffe. Mrowietz: »Es gibt derzeit keine gesetzlich festgelegten Vorschriften zur Reinheit, Qualität und Prüfung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Tätowierfarben. Seit einiger Zeit kommen zunehmend Farbstoffe zum Einsatz, wie sie beispielsweise für Autolacke verwendet werden, da diese besonders brillant und stabil sind.« Hierbei handelt es sich überwiegend um Azofarbstoffe, deren Abbauprodukte (die zum Beispiel bei der Entfernung der Tätowierung mittels Laser entstehen) krebserregend sein können. Was genau mit der Tätowierung in die Haut eingebracht wurde, weiß keiner so genau, denn die verwendeten Farben sind meist bunte Mixturen ohne besondere Kennzeichnung.
Ein grundsätzliches Problem ist die Unvergänglichkeit der Tattoos: Lebensentwürfe ändern sich und die große Liebe entpuppt sich als große Enttäuschung. Als Lösung bieten Dermatologen die Laserentfernung von Tätowierungen an. In mehreren Sitzungen zersprengt der Arzt durch gezielte Hitzeeinwirkung mit dem Laserstrahl die Tusche- und Pigmentpartikel in ganz kleine Teilchen. Diese werden mit der Lymphe abgeschwemmt. Manche Tätowierungen verschwinden auf diese Weise ganz gut, andere weniger. Bezahlen muss man in jedem Fall selbst. Die Kosten für eine Tattoo-Entfernung hängen von der Größe und Tiefe der Tätowierung sowie von den verwendeten Farben ab. Bei Laien-Tätowierungen von etwa fünf Zentimetern Größe kostet die Laserentfernung 250 bis 500 Euro, bei einem Durchmesser von circa zehn Zentimetern 500 bis 1000 Euro.
Teurer wird die Entfernung von Profi-Tätowierungen, da hierfür mehr Laserbehandlungen erforderlich sind. Und es gibt auch Risiken, Verletzungen durch zu hohe Laserenergie und Narben. »Gute Ergebnisse sind bei blauen und schwarzen Farben zu erwarten, mit Rot- und Grüntönen haben die Laser so ihre Probleme«, weiß Mrowietz, der in der Klinik mitunter Tätowierungen sieht, denen man mit dem Laser nicht beikommen konnte. In solchen Fällen kann er mit einer speziellen Fräse die entsprechende Hautpartie abschleifen oder chirurgisch herausschneiden. (ne)
In einem guten Tätowier- oder Piercingstudio ...
- sind die Räumlichkeiten sauber, hell und von anderen Arbeitsbereichen getrennt.
- erkundigt man sich nach dem allgemeinen Gesundheitszustand.
- trägt der Piercer oder Tätowierer Handschuhe.
- werden nur steril verpackte Einmalmaterialien (Spritze, Schmuck) verwendet.
- klärt der Piercer oder Tätowierer über mögliche Risiken und Spätfolgen auf.
- erhält man eine genaue Pflegeanleitung und Verhaltensmaßnahmen für mögliche Komplikationen.
- werden Nachsorgetermine angeboten.
Piercing-Schmuck sollte aus Gold, Titan oder Platin sein. Modeschmuck enthält oft Nickel oder Kobalt, die Allergien auslösen können. Mit einem frischen Piercing oder einer Tätowierung ist das Schwimmen in Hallen- oder Freibädern sowie im Badesee zunächst tabu.
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