Aufmerksam studieren
Wie gestaltet sich der Alltag für einen Bachelorstudenten im ersten Semester? unizeit ging dieser Frage anhand eines Beispielfalls nach.

Der Tagesablauf eines Bachelorstudenten bekommt mehr Struktur. Da heißt es: dran bleiben. Foto: Jürgen Haacks
Studierende der modernen Bachelor-Prägung können sich selbst beim Aufstehen laxe Vorgehensweise aus verschiedenen Gründen kaum noch erlauben. Die Einführungsvorlesung Alte Geschichte, die für Knuts aktuelles Erwachen sorgt, ist erstens Pflichtstoff und wird zweitens mit »Hausaufgaben« bepackt, die offiziell Selbststudium heißen und praktisch das Durchackern vorgegebener Lektüre bedeuten. Geprüft wird das am Ende des Semesters zudem mit einer Klausur. Doch damit nicht genug. Obendrein bildet die Alte Geschichte ein so genanntes Modul mit dem Proseminar »Das Erste Triumvirat« am Dienstag von 14 bis 16 Uhr. Erst im Paket werfen diese beiden Veranstaltungen jene Punkte ab, die letztlich ein zwingender Bestandteil des Studienabschlusses sind. Folglich kann die Maxime nur lauten: Das eine tun und das andere nicht lassen. Für die Anglistik gilt dies genauso. Wenn Knut am Freitag von 10 bis 12 Uhr im Seminar Literaturwissenschaft sitzt, hat er in Gedanken schon zwei weitere Wochenstunden Fortsetzung im darauf folgenden Sommersemester geblockt. Dann gibt es zu diesem Thema eine Vorlesung, die ebenfalls eins der geforderten Pflichtmodule bildet. Und auch hier heißt es: Punkte sind in aller Regel nicht ohne irgendwie geartete Leistungsnachweise zu ergattern. Im aktuellen Seminar bedeutet das die Anfertigung einer Bibliographie sowie einer vorstrukturierten Hausarbeit. Hingegen setzt es in knapp einem Jahr nach der Folgevorlesung eine Klausur.
Bei Knut machen sich angesichts solcher Zwänge gemischte Gefühle breit. Einerseits wäre ihm ein bisschen mehr des früher angeblich so süßen Studentenlebens durchaus genehm. Andererseits sagt er sich: »So chaotisch, wie ich bin, kann mir eigentlich nichts Besseres passieren, als dass man mich ein bisschen an die Kandare nimmt.«
So ähnlich könnte es auch die Studienberaterin vom Englischen Seminar, Ann Spangenberg, formuliert haben. »Es wird sehr viel strukturierter«, bilanziert sie und wertet das zumindest für Studierende vom Schlage des fiktiven Herrn Hansen durchaus als Vorteil. Zumal andererseits von totaler Verschulung nach wie vor nicht die Rede sein kann. Schließlich gab es in Englisch wie in Geschichte auch bisher schon ein Pflichtpensum, an dem niemand vorbei kam. Und überhaupt bemüht man sich seitens der Lehrenden, den Bologna-Prozess nicht in ein totales Korsett aus Regeln münden zu lassen. »Wir versuchen, so viel Freiraum wie möglich zu gewähren«, versichert
Professor Volker Seresse, Studienberater im Historischen Seminar, und betont, dass für die Studierenden nach wie vor die Möglichkeit besteht, unter verschiedenen Lehrveranstaltungen auszuwählen und auch in zeitlicher Hinsicht innerhalb eines gewissen Rahmens von den zeitlichen Vorgaben abzuweichen. Dennoch bleibt ein beträchtliches Maß an Pflichten. Eben erst hat Knut eine Broschüre des AStA durchgelesen, aus der hervorgeht, dass die zeitliche Belastung eines Bachelor in spe dem Alltag real existierender Berufstätiger in nichts nachsteht. Jeweils 70 Punkte in beiden Hauptfächern muss Knut nach drei Jahren gesammelt haben, wobei jede belegte Vorlesung und jedes Seminar das entsprechende Konto erhöhen. Hinzu kommen 30 Punkte für nicht unmittelbar fachbezogene Lehrveranstaltungen wie Didaktik und schließlich zehn Punkte für die Bachelorarbeit. Das Studentenwerk hat dabei einen Zeitaufwand von 30 Stunden pro Punkt errechnet, pro Vorlesung sind dafür zwei und pro Seminar vier Wochenstunden Nacharbeit zugrunde gelegt.
Aber auch das, so sagt sich unser Musterstudent, hat ja seine Vorteile. Ein schneller Abschluss ist heutzutage zwar nicht gerade Gold, aber allemal eine bessere Chance auf einen Job und damit bares Geld wert. (mag)
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