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unizeit Nr. 43 vom 22.07.2007, Seite 8  voriger  Übersicht  Übersicht  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Patient im Mutterleib

Was wie ein Wunder klingt, ist bei lebensbedrohenden Krankheiten des Kindes inzwischen möglich: die Behandlung im Mutterleib.


Eine schwere Blutarmut des Fetus kann heute mit Bluttransfusionen in die Nabelschnur behandelt werden. Foto: C. v. Kaisenberg

Eine Bluttransfusion über die Nabelschnur beispielsweise ist heute in Pränatalzentren bereits Routine. Der Behandler führt hierfür eine Punktionsnadel durch die Bauchdecke und Fruchthöhle bis in die Nabelschnur und injiziert dann je nach Bedarf rote Blutkörperchen oder Blutplättchen. Über Ultraschall überwacht der Arzt die Lage der Nadel und vermeidet so, dass es zu einer Verletzung des Kindes oder zu einer lebensbedrohlichen Blutung kommt. Das Risiko einer Fehlgeburt nach diesem Eingriff liegt bei etwa einem Prozent. Notwendig ist eine solche Bluttransfusion bei schwerer Blutarmut (Anämie) des Ungeborenen, zum Bei­spiel aufgrund einer Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind. Antikörper aus dem mütterlichen Blut lösen hierbei die roten Blutkörperchen des Kindes auf.

Eine andere Ursache für Anämie ist eine Infektion der Schwangeren mit dem Erreger der Ringelröteln (Parovirus B 19). Ringelröteln, nicht zu verwechseln mit Röteln (Rötelvirus), sind im Grunde eine harmlose Kinderkrankheit. Für das Ungeborene kann sie jedoch tödlich sein, da das Virus vorübergehend die Blutbildung stört. Besteht bei einer Schwangeren der Verdacht auf eine Infektion mit Ringelröteln, muss das Ungeborene in kurzen Abständen mittels Ultraschall untersucht werden. Kommt es zur Krise, können einige Bluttransfusionen über die Nabelschnur das Leben des Kindes retten und die Schwangerschaft wird normal fortgesetzt. »Wir hatten einen Fall einer Zwillingsschwangerschaft, da war es nicht möglich, das Blut in die Nabelschnur zu spritzen«, erklärt Dr. Constantin von Kaisenberg, Pränatalmediziner an der Kieler Universitätsfrauenklinik. »Deswegen haben wir das Blut direkt in die Herzkammern der Kinder gegeben. Das ist sicher ein ungewöhnliches Vorgehen. Aber es hat in diesem Fall das Leben beider Kinder gerettet. Beide sind gesund zur Welt gekommen.«

Außer Blut kann man auch Medikamente in die Nabelschnur geben, zum Beispiel bei schweren Herzrhythmusstörungen des Fetus.

Daneben sind weitere Eingriffe zur Behandlung des Ungeborenen möglich: So können bei ausgeprägten Flüssigkeitsansammlungen im Brustkorb, die die Entwicklung der Lunge behindern, kleine Katheter gelegt werden, durch die die Flüssigkeit aus dem Brustkorb in die Fruchthöhle abgeleitet wird. Bei Verschluss der Harnleiter oder Harnröhre kann durch Katheter der Urin in die Fruchthöhle fließen und damit eine Schädigung der Niere vermieden werden. Bei Tumoren des ungeborenen Kindes kommt heute die Lasertherapie zum Einsatz. Bis auf die Lasertherapie erfolgen alle diese Eingriffe auch an der Kieler Uniklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. (ne)
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