Kooperationen lohnen
Als die Nutznießer neuer Technologien und Spitzenkräfte tragen immer mehr Unternehmen ihr Scherflein zu Bildung und Forschung bei.
Überall dort, wo sich die Arbeitsgebiete der Industrie mit den Forschungsfeldern der Hochschulen überschneiden, sind Kooperationen nicht mehr die Ausnahme, sondern zunehmend die Regel. Naturgemäß einer der Vorreiter an der Universität Kiel ist in dieser Hinsicht die Technische Fakultät, wo Bosse und Professoren sich regelmäßig die Hände schütteln und finanziell teils üppig ausgestattete Verträge unterzeichnen.
Dekan Professor Manfred Schimmler kann auf eine Vielzahl aktueller und konkret absehbarer Gemeinschaftsprojekte zwischen Wirtschaft und Wissenschaft verweisen. Dabei reicht das Spektrum von der Grundlagenforschung, die erst eines fernen Tages etwas für die Abteilung Geldverdienen abwerfen könnte, bis hin zu stark anwendungsorientierten Projekten.
Obendrein zeigt sich die Industrie sogar freigiebig, wenn es um nichts als lupenreine Nachwuchsförderung geht. 55.000 Euro konnte Professor Schimmler diesmal für die Software- Challenge 2008 einwerben, mit der das zur Technischen Fakultät gehörende Institut für Informatik frühzeitig Pflöcke im Rennen um die talentiertesten Tüftler einschlagen will. Das beginnt Früchte zu tragen. Seit vier Jahren richten die Informatiker diesen Wettbewerb aus und verbuchen damit laut Schimmler die ersten sichtbaren Erfolge. Noch ist es zu früh, mit handfesten Zahlen zu frohlocken, doch zeichnen sich aus seiner Sicht geringere Abbrecherquoten und ein steigendes Niveau der Anfängersemester ab. Zu verdanken ist das nicht zuletzt einem Bonbon für die besten 20 Teilnehmer dieses Wettbewerbs, in dem es um die eigenständige Entwicklung von Software für Brettspiele geht. Jeweils für ein Semester erhalten sie ein Stipendium von monatlich 300 Euro, sofern sie ihr Informatikstudium nur an der Uni Kiel aufnehmen.
»Das ist nicht wirklich viel, hält aber doch den einen oder anderen hellen Kopf in der Heimat«, freut sich der Dekan. Relativ einfach ist es für die Technische Fakultät, gerade für die Informatik, Kooperationspartner aus der Region zu finden, neben den IT-nahen Softwareentwicklern auch andere Branchen, wie etwa große Finanzdienstleister. Dabei ist sich Schimmler vollauf bewusst, dass diese Unternehmen nicht aus purem Edelmut Geld für die Wissenschaft locker machen. Neben erhofftem Erkenntnisgewinn ist immer mehr auch das Bestreben, das Personal der Zukunft so früh wie möglich an sich zu binden, eine Triebfeder solcher Freigiebigkeit.
»Da muss man schon aufpassen, dass einem nicht die besten Leute abgeworben werden«, spricht Materialwissenschaftler Professor Helmut Föll einen bisweilen durchaus problematischen Aspekt dieser Strategie an. Gut leben kann der Hochschullehrer damit, wenn die Industrie fertige Doktoranden zu sich lotst, vergrätzt hingegen reagiert er, wenn versucht wird, Nachwuchsleute aus laufenden Promotionen heraus zum vorzeitigen Ausstieg zu überreden. Verlockungen bietet die Abteilung von Föll zuhauf, denn die Materialwissenschaftler befassen sich unter anderem mit hoch zukunftsträchtigen Forschungsvorhaben zur Optimierung von Solarzellen. Das derzeit größte Projekt aus diesem Bereich läuft bereits seit sieben Jahren und hat der Technischen Fakultät bereits Drittmittel von mehreren hunderttausend Euro beschert. Ein weiteres Projekt, das sich beispielsweise mit der Entwicklung verfeinerter Messmethoden für Siliziumzellen befasst, schöpft aus einem ebenfalls ansehnlich gefüllten Geldtopf. »Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass wir uns unsere Partner aussuchen können«, resümmiert Professor Föll.
Partnerschaft mit der Industrie hat aber auch ihre Grenzen, so Dekan Schimmler: »Für mich wird es inakzeptabel, wenn bei einer Kooperation kein neues Wissen herauskommt und es nur darum geht, bekannte Verfahren billiger zu machen.« Dankbar ist er deshalb für das liberale Klima an der Universität Kiel. Jedem Professor bleibt es selber überlassen, ob und welche Kooperationen er eingehen möchte.
Als Modell für andere Fakultäten mag Schim mler die Technische Fakultät trotz der Erfolge nicht ansehen. Andere Wissenschaftsbe reiche verfügen nach seiner Einschätzung schlicht nicht über ausreichend Berührungspunkte zur Wirtschaft, um in vergleichbare Größenordnungen vorzurücken. (mag)
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