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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 45 vom 15.11.2007, Seite 3  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Potenziell gut fürs Klima

Ob Energieerzeugung aus Biomasse eher als Segen oder Fluch zu betrachten sei, darüber ist eine zunehmende öffentliche Diskussion entbrannt.


»Es kommt drauf an«, meint Professor Eberhard Hartung vom Institut für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik, der die Ökobilanz von Biogas von zahlreichen Faktoren abhängig macht. So sei Biogas klimapolitisch grundsätzlich positiv zu bewerten, weil es chemisch mit konventionellem Methan identisch ist, bei seiner Erzeugung aber durch die Photosynthese Kohlendioxid aus der Atmosphäre gezogen wird. Biogas gilt deshalb unterm Strich als klimaneutral.

Ob Klima und Umwelt tatsächlich von Biogas profitieren, hängt laut Hartung aber entscheidend davon ab, wie effektiv die jeweilige Anlage betrieben wird. Sind etwa Temperatur oder pH-Wert im Fermenter nicht optimal abgestimmt, verschlechtert sich die Energieausbeute und damit die Ökobilanz. Wer hingegen so genannte Co-Fermentate wie Öle, Fette, Schlachtabfälle oder Rasenschnitt zusetzt, kann das Ergebnis enorm erhöhen. Zudem spielt es auch eine Rolle, ob Gras, Mais, Getreide oder andere pflanzliche Substrate genutzt werden und in welchen Düngungsstufen das geschieht. All das wird im Verbundprojekt Biogas-Expert an der Uni Kiel genauer erforscht.

Nötig ist für eine optimale Ausbeute neben Wissen und Erfahrung stets ein glückliches Händchen, denn von Bauart und praktischem Betrieb her gleicht kaum eine Anlage der anderen. Aus diesem Grund gestaltet sich auch die Fortbildung von bioenergetisch tätigen Landwirten in der Praxis als überaus schwierig.

Ebenfalls nicht gerade einfach zu beantworten ist die Frage, in welcher Weise ökologisches Gleichgewicht und Landschaftsbild durch den Boom der Bioenergie beeinträchtigt werden könnten. Untersuchungen speziell zu diesem Aspekt kann Professor Hartmut Roweck von der Fachabteilung für Landschaftsökologie nicht vorweisen, und auch sonst handelt es sich hier nach seiner Einschätzung um ein Thema, über das vielfach nur spekuliert werden könne.

Gewiss scheint aber, dass die bisweilen in den Medien verbreiteten schlimmsten Horrorszenarien nicht eintreten werden. So erwartet Professor Hartung keineswegs, dass eines Tages ganz Schleswig-Holstein von Monokulturen aus Maisfeldern übersät sein könnte. Das sei schon deshalb unwahrscheinlich, weil sich längst nicht jeder Acker für einen entsprechenden Anbau eigne. Auch ließen sich die Strandorte für neue Biogasanlagen nicht beliebig ausweiten, so dass unter diesem Aspekt auf lange Sicht mit einem Abflauen des Booms gerechnet werden könne.

Bedenklich wird die Produktion von Biogas jedoch dann, wenn der dafür genutzte Mais auf eher ungeeigneten Flächen angebaut wird. Der vordergründig gewonnene Klimaeffekt kann schnell durch den erhöhten Einsatz von Düngemitteln ins Gegenteil verkehrt werden. (mag)
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